Mutterschaft, das müssen Sie wissen

Wenn eine erwerbstätige Frau Mutter wird, gelten für sie am Arbeitsplatz besondere Bedingungen. Diese Bedingungen sind während der ganzen Schwangerschaft und während der Stillzeit gültig.

Schutz am Arbeitsplatz
Das Arbeitsgesetz schützt Frauen, die schwanger sind oder stillen. Die Arbeitgeber müssen auf die Bedürfnisse der Frauen Rücksicht nehmen.

Überstunden verboten
Schwangere Frauen und stillende Mütter dürfen nur für die vertraglich vereinbarte Zeit beschäftigt werden, höchstens jedoch neun Stunden am Tag. Überstunden sind nicht erlaubt.

Nur beschränkt stehen
Schwangere Frauen, die hauptsächlich stehend arbeiten, dürfen ab dem vierten Schwangerschaftsmonat alle zwei Stunden eine zusätzliche Pause von 10 Minuten einlegen. Die Ruhezeit beträgt 12 Stunden. Ab dem sechsten Schwangerschaftsmonat dürfen Schwangere höchstens vier Stunden pro Tag stehend arbeiten. Schwangere Frauen dürfen ab der achten Woche vor der Niederkunft nach 20 Uhr nicht mehr arbeiten. Sie müssen also von dieser Zeit an weder Abend- noch Nachtschicht leisten. Die Arbeitgeber müssen den betroffenen Frauen in den obigen Fällen eine gleichwertige sitzende Arbeit bzw. Tagesarbeit (zwischen 6 und 20 Uhr) anbieten. Können sie dies nicht, müssen sie ihnen dennoch 80 Prozent des Lohnes bezahlen.

Arbeitsplatz verlassen
In der Schwangerschaft und während der Stillzeit dürfen Mütter den Arbeitsplatz jederzeit auf blosse Anzeige hin verlassen.

Lohnzahlungspflicht des Arbeitgebers
Einer Arbeitnehmerin, die wegen Schwangerschaft nicht arbeiten kann, hat der Arbeit-geber wie bei Krankheit oder Unfall für eine beschränkte Zeit den Lohn zu entrichten. Das Arbeitsverhältnis muss drei Monate bestanden haben oder für mehr als drei Monate eingegangen worden sein. Gegebenenfalls hat der Arbeitgeber auch eine angemessene Vergütung für ausfallenden Naturallohn zu entrichten (Art. 324a Abs. 1 und 3 OR).

Dauer der Lohnzahlungspflicht
Sind durch Vereinbarung, Normalarbeitsvertrag oder Gesamtarbeitsvertrag nicht längere Zeitabschnitte bestimmt, so hat der Arbeitgeber im ersten Dienstjahr den Lohn für drei Wochen und nachher für eine angemessen längere Zeit zu entrichten (Art. 324a OR). Dabei kommen die durch Gerichtspraxis entwickelten Skalen zur Anwendung, welche erhebliche kantonale Unterschiede beinhalten.

Kürzung des Ferienanspruchs
Einer Arbeitnehmerin, die wegen Schwangerschaft länger als zwei Monate an der Arbeit verhindert war, kann der Arbeitgeber die Ferien im betreffenden Dienstjahr für jeden weiteren vollen Absenzmonat um einen Zwölftel kürzen. Das heisst, bei einer durch Schwangerschaft bedingten Arbeitsverhinderung können die Ferien vom dritten vollen Monat der Arbeitsverhinderung an gekürzt werden. Der 14wöchige Mutterschaftsurlaub gemäss Erwerbsersatzordnung darf jedoch nicht als unverschuldete Absenz für eine Ferienkürzung angerechnet werden (Art. 329b Abs. 3 OR).

Der bezahlte Mutterschaftsurlaub
Die Mutterschaftsentschädigung wird für die Zeit nach der Geburt von der gesetzlichen Mutterschaftsversicherung (EOG) geleistet, nicht vom Arbeitgeber. Wenn eine Arbeitnehmerin die Voraussetzungen der Mutterschaftsversicherung nicht erfüllt, folgt die Lohnfortzahlung den gleichen Regeln wie bei unverschuldeter Arbeitsverhinderung nach Art. 324a OR.

Frauen haben Anspruch auf diesen bezahlten Mutterschaftsurlaub, die im Zeitpunkt der Niederkunft:

  • in einem Arbeitsverhältnis stehen
  • selbstständig erwerbend sind
  • im Unternehmen ihres Ehemannes, der Familie oder des Konkubinatspartners mitarbeiten und einen Lohn beziehen
  • arbeitslos sind und entweder bereits ein Taggeld der Arbeitslosenversicherung beziehen oder die Anspruchsberechtigung erfüllen
  • wegen Krankheit, Unfall oder Invalidität arbeitsunfähig sind und deswegen Taggeldleistungen einer Sozial- oder Privatversicherung beziehen, sofern dieses Taggeld auf einem vorangegangenen Lohn berechnet wurde
  • in einem gültigen Arbeitsverhältnis stehen, aber keine Lohnfortzahlung oder Taggeldleistung erhalten, weil der Anspruch bereits ausgeschöpft ist
  • während der neun Monate unmittelbar vor der Niederkunft bei der AHV versichert waren. Bei vorzeitiger Niederkunft reduziert sich diese Frist bis auf sechs Monate im Falle der Niederkunft vor dem siebten Monat der Schwangerschaft
  • mindestens fünf Monate während der neun Monate vor der Niederkunft gearbeitet haben.

Das sind in der Regel alle Frauen, die in der Schweiz eine Erwerbstätigkeit ausüben (also auch die Grenzgängerinnen). Der Anspruch auf die Mutterschaftsentschädigung besteht unabhängig vom Alter. So hat auch eine minderjährige Mutter Anspruch, sogar wenn sie zu jung ist, um AHV-beitragspflichtig zu sein. Nicht entscheidend ist, ob die Erwerbstätigkeit nach dem Mutterschaftsurlaub wieder aufgenommen wird.
Der Erwerbsersatz bei Mutterschaft wird während 98 Tage oder 14 Wochen ausbezahlt. Die Mutterschaftsentschädigung wird als Taggeld ausgerichtet. Dieses beträgt 80% des durchschnittlichen Erwerbseinkommens, welches vor Beginn des Entschädigungsanspruchs erzielt wurde.

Wann kündigen ?
Für viele erwerbstätige Frauen stellt sich bei einer Schwangerschaft die Frage, ob sie nach der Geburt weiter arbeiten wollen. Das ist eine persönliche Frage, die nur die betroffene Frau und ihren Lebenspartner etwas angeht. Der Arbeitgeber darf keinerlei Druck ausüben, um bereits während der Schwangerschaft eine Antwort zu erhalten. Es ist allerdings von Vorteil, wenn die Frau möglichst rasch weiss, was sie machen will, weil damit die Organisation der Arbeit nach dem Wiedereinstieg erleichtert wird.
Schwangere Frauen sollten allerdings nie vor der Geburt kündigen und erst abwarten, ob bei der Geburt alles gut gegangen ist. Das Arbeitsgesetz erlaubt den Müttern, 16 Wochen nach der Geburt beim Baby zu Hause zu bleiben (wobei aber die Mutterschaftsentschädigung gemäss Gesetz nur während 14 Wochen zwingend ausgerichtet werden muss). Frauen, die nach der Geburt nicht mehr arbeiten wollen, können also ihre Kündigung nach der Geburt einreichen, sofern nicht vertraglich eine Kündigungsfrist von mehr als drei Monaten vereinbart worden ist. Der Arbeitgeber hingegen darf ein Arbeitsverhältnis während der Schwangerschaft einer Arbeitnehmerin und in den 16 Wochen nach der Niederkunft nicht kündigen (Art. 336c Abs. 1 lit.c OR). Von diesem Kündigungsschutz ausgenommen ist hingegen die Probezeit.

Stillen im Betrieb
Arbeitgeber müssen den stillenden Müttern während des ersten Lebensjahres des Babys die erforderliche Zeit zum Stillen freigeben. Der Betrieb sollte ihnen dazu sogar eine passende Liege zur Verfügung stellen und einen Raum, wo ungestört gestillt werden kann. Die dafür benötigte Zeit gilt als Arbeitszeit. Es ist deshalb davon auszugehen, dass auch für diese Zeit ein Lohnanspruch besteht. Möchte die Mutter nicht im Betrieb stillen, wird nur die Hälfte ihrer Abwesenheit als Arbeitszeit anerkannt. Die andere Hälfte der Zeit muss sie nicht nachholen, sie erhält dafür aber auch keinen Lohn.

erstellt von Valérie Borioli Sandoz