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Wenn das Lernen Zuhause zum Nervenkiller wird

5 Tipps für das Home Schooling funktionieren kann

Bild: Motortion Films/Shutterstock.com

Im Home Office an den eigenen Themen und Projekten zu arbeiten, ist für viele Mütter und Väter in den letzten Wochen ein Ding der Unmöglichkeit gewesen. Die Schulen sind wegen des Coronavirus geschlossen und die Kinder im Home Schooling Zuhause. Die erste Annahme „Die haben ja etwas zu tun. Ich auch. Alle können ungestört arbeiten“ wurde schon bald als naiv belächelt und viele Eltern spielten die letzten Wochen Ersatzlehrer. Lisa Reinheimer, Lehrerin und Lerncoach, hat fünf Tipps, wie das Lernen Zuhause funktionieren kann.

1. Strukturen geben Sicherheit

Zu der gleichen Uhrzeit starten, gemeinsame Pausen machen, auf die sich jeder freut und Kinder beim Strukturieren des „Lernmaterial-Berges“ unterstützen: Was muss? Was kann? Bis wann?

2. Baustellenmassnahmen sorgen für Ruhe

Wenn Kinder ungestört in ihrem Zimmer lernen möchten, können sie ein Baustellenschild basteln und andere Familienmitglieder daran erinnern, dass das „wilde Lerntier“ ungestört sein will und „Eintreten nur auf eigene Gefahr“ passiert. Dann kommt der Papa auch nicht kurz rein zum Staubsaugen oder das Geschwisterkind mit einer Frage. So wird die „Lernzeit“ des Kindes genauso ernst genommen wie die Videokonferenz der Mutter. Hat das Kind eher Angst etwas zu verpassen und möchte mitten im Familiengeschehen sein, kann es beim Lernen am Esstisch Baustellenkopfhörer tragen, die Geräusche abhalten. Diese kann es hübsch dekorieren und als seine „Arbeitskleidung“ umfunktioniere – immer wenn er die Kopfhörer trägt, wird gelernt.

3. Eigenständigkeit gibt Selbstvertrauen

„Mamaaa, ich versteh’ das nicht! Erklärst du mir das!“ – Wenn Kinder gefühlt alle fünf Minuten Unterstützung wünschen, kann man eine Regel vereinbaren: Immer erst zum Mittagessen oder am Abend werden Fragen beantwortet. Bis dahin markiert das Kind Aufgaben oder Stellen, die es gar nicht versteht, mit einem pinkfarbenen Klebezettel, Stellen mit Rückfragen und Unsicherheiten mit einem gelben Zettel und Aufgaben, die es alleine gelöst hat, mit einem grünen Zettel. Der Effekt: dein Kind merkt, dass es nach und nach mehr grüne Zettel braucht und schon ganz viel alleine kann.

4. Das „Sandwich“ sorgt für Motivation

Was Spass macht, macht man gerne! Deswegen darf dein Kind den Lernteil des Tages mit etwas Positivem beginnen und beenden. Das kann ein Fach sein, das ihm leicht fällt oder eine Aufgabe, bei der es schnell Erfolgserlebnisse sammeln kann. Mit diesem guten Gefühl von „Ich kann etwas!“, darf es sich dann grössere Herausforderungen wagen: ein neues Thema oder ein Fach, das ihm noch schwer fällt. Für das Ende des Lerntages könnt ihr euch eine Routine überlegen, die zwar etwas mit Lernen zu tun hat, sich für dein Kind aber nicht so anfühlt. Eine Runde „Dobble“, „Geistesblitz“ oder „Stadt, Land, Fluss. So beendet dein Kind den Lernteil des Tages mit einer schönen Erinnerung und startet am nächsten Tag motiviert auf’s Neue!

5. Eltern sind weder Ersatzlehrer noch Ersatzschüler.

„Ich hab dich lieb – egal, welche Note du hast und egal, wie viel du heute gelernt hast“. Fehler sind Freunde. Sie gehören zum Lernprozess dazu und Lehrkräfte brauchen diese Rückmeldung, um den Kindern passendes Lernmaterial zu schicken. Statt Fehler mit dem Rotstift zu korrigieren, können Eltern mit dem Finger auf die Stelle zeigen und die Kinder auffordern, sich diese Stelle noch einmal anzuschauen. So haben sie die Chance, ihre Fehler selbst zu korrigieren. Das stärkt wieder das Vertrauen in sich und in ihre Fähigkeiten.

Mit Sicherheit ist diese Zeit eine herausfordernde Umstellung für Kinder, Eltern und Lehrkräfte. Schaffen wir es diese Situation als Chance zu begreifen, können unsere Kinder jetzt Kompetenzen erwerben, die für ihre Zukunft unheimlich wichtig sind – nämlich die Bereitschaft und Fähigkeit von sich aus zu lernen, sich zu strukturieren und zu organisieren. Von der Selbstständigkeit, die dein Kind jetzt erwirbt, profitieren dein Kind und du auch dann, wenn die Schulen wieder öffnen.

Bild: © ZVG Fotografin: Klara Ventz Fotografie

Lisa Reinheimer ist Lehrerin und Lerncoach. Mit ihrem #1-Podcast „Klassenheld“ befähigt sie Eltern und Pädagogen, ihre Kinder glücklich und erfolgreich durch die Schule zu bringen. Sie kombiniert dabei Methoden aus dem Lerncoaching und der Persönlichkeitsentwicklung und macht die „Spielregeln“ des Spiels „Schule“ transparent für Kinder, Jugendliche und ihre Eltern.

Arbeitserfahrung sammelte sie an verschiedenen Schulen in Deutschland, Hong Kong und Singapur und hat daraufhin das Regelschulsystem ganz bewusst verlassen. Ihr persönliches Schulglück hat sie an einer Montessorischule gefunden, in der sie Jugendliche von der 9-13 Klasse auf dem Weg in ihre Traumzukunft begleitet.

Sie will, dass jedes Kind eine glückliche Schulzeit hat und die Schule gestärkt verlässt – mit guten Noten und schönen Erinnerungen. Lisa Reinheimer ist überzeugt, dass jedes Kind nur einen Erwachsenen braucht,um eine Erfolgsgeschichte zu werden und leistet so mit Klassenheld einen Beitrag zur Chancengleichheit.

Ihr Podcast landete auf Platz #1 der iTunes-Charts in der Kategorie Kindererziehung. Schüler und Eltern wählten sie 2019 zur coolsten Lehrerin der Pfalz („Antenne Pfalz“). Mit ihrem Vortrag „Vom System Verlierer zum Klassenhelden“ gewann sie 2019 den Internationalen Speaker Slam und ist seitdem regelmäßig als Expertin rund um da Thema Lernen in Zeitungen, Magazinen und Fernsehprogrammen gefragt.

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