Mit Kindern macht es riesig Spass, gemeinsam in der Erde zu buddeln, die Natur spielerisch kennen zu lernen, zu beobachten und schliesslich zu ernten. Ran an Töpfe und Gartenbeete – jetzt ist wieder Zeit zum Pflanzen und Säen.
Schmetterling liebt Brennnessel!
Die ersten Schneeglöckchen, sich öffnende Knospen an Bäumen und Sträuchern, summende Bienen und tanzende Schmetterlinge zwischen den Blüten – all dies markiert den Beginn einer lebendigen Jahreszeit, die viele Menschen in ihren Bann zieht. Die Begeisterung für das Gärtnern und für alles Lebendige kann bereits in der Kindheit entstehen. Ein eigenes Beet oder ein eigener Topf, die von den Kindern selbst bepflanzt und gepflegt werden dürfen, fördern Neugier, Verantwortung und Stolz – besonders wenn erste Ernten wie Zucchini, Tomaten oder Radieschen eingefahren werden. Die direkte Verbindung zur Natur, etwa beim Pflücken und Geniessen von Himbeeren direkt vom Strauch, hinterlässt oft bleibende Eindrücke und verbindet emotionale Erinnerungen mit der Gartenwelt.
Gärtnern als Sinneserfahrung
Kinder können nach und nach in die Grundlagen des Gärtnerns eingeführt werden: Zuerst wird das Gartenbeet vorbereitet oder ein Topf mit Erde befüllt. Danach folgt die Aussaat oder die Bepflanzung mit Setzlingen. Genau wie wir Menschen haben auch die verschiedenen Pflanzen unterschiedliche Bedürfnisse: Während die einen einen sonnigen Platz bevorzugen, mögen andere keine direkte Sonne. Auch die richtige Bewässerung spielt eine wichtige Rolle. Die einen möchten täglich gegossen werden, andere kommen mit Trockenheit gut zurecht. Wichtig ist, die individuellen Vorlieben der Pflanzen zu kennen und beim Pflanzen und Pflegen darauf Rücksicht zu nehmen.
In der Natur stehen Pflanzen und Tiere in enger Wechselbeziehung zueinander. Ein Beispiel: Blumen brauchen Bienen, weil diese beim Sammeln von Nektar den Pollen von einer Blüte zur nächsten tragen – so können sich die Pflanzen vermehren. Die Bienen wiederum brauchen die Blumen als Nahrungsquelle. Kurz: Beide sind voneinander abhängig. Zudem produzieren Pflanzen Sauerstoff und Nahrung. Tiere atmen den Sauerstoff, fressen Pflanzen oder andere Tiere und verbreiten Samen. So entsteht ein ewiger Kreislauf, in dem jedes Lebewesen wichtig ist.
Auch vermeintliche «Unkräuter» – wie beispielsweise Brennnesseln, die leider immer noch so bezeichnet werden – sollten im Garten und in der Natur ihren Platz haben dürfen. Brennnesseln sind für viele Insekten – besonders Schmetterlingsraupen – lebenswichtig. Ohne Brennnesseln könnten sich Schmetterlinge wie etwa der Admiral, das Tagpfauenauge oder der Kleine Fuchs nicht vermehren, denn als Raupen fressen sie fast ausschliesslich Brennnesseln.
Schnecken, die leider ebenfalls oft als Schädlinge betrachtet werden, erfüllen ebenfalls nützliche Funktionen: Sie sind Nahrungsquelle für Igel und zersetzen abgestorbene Pflanzenteile, wodurch sie einer Krankheitsausbreitung im Garten vorbeugen. Ein bewährter Trick, um sie von wertvollen Pflanzen fernzuhalten, besteht darin, ihnen angewelkte Salatblätter, Karottenreste oder andere Gemüseabfälle in der Nähe der Beete anzubieten – oft genügt dies, um sie abzulenken.
Ernten, essen, lernen
Der Umgang mit Erde, Pflanzen und Gartenbewohnern vermittelt Kindern ein tiefes Verständnis für natürliche Rhythmen und ökologische Zusammenhänge. Kinder, die selbst säen, pflegen und ernten, entwickeln oft eine positive Einstellung zu Gemüse – selbst wenn sie zuvor wenig davon assen. Sogar ganz kleine Kinder sind mit Freude dabei, wenn sie mit Miniwerkzeugen in einem eigenen Beet oder auf dem Balkon Kräuter oder Blumen pflegen dürfen. Die Nachahmung von Erwachsenen fördert nicht nur motorische Fähigkeiten, sondern auch ein Gefühl der Zugehörigkeit und des Erfolgs.
Ideen für den Gärtnernachwuchs
Für einen guten Start!
Das Wichtigste vorweg: Fast alle einjährigen Pflanzen, ob im Gemüse- oder im Blumengarten, gedeihen am besten, wenn sie an Ort und Stelle gesät werden. Allerdings brauchen viele Pflanzen höhere Keimtemperaturen, die bei uns erst im Mai oder Juni erreicht werden. Deshalb bleibt häufig nur das Vorziehen auf der Fensterbank oder im Gewächshaus. Wer das zu aufwendig findet, kauft Setzlinge – diese dürfen die Kinder dann direkt ins Beet oder in den Topf pflanzen.
Das A und O des Giessens
Um Saatgut und Setzlingen den Start zu erleichtern, giesst man sie mit lauwarmem Wasser an. Wichtig: Das Giesswasser nicht direkt an den Wurzelhals bringen, sondern immer im Kreis von außen her giessen, damit die Wurzeln richtig eingeschlämmt werden und Kontakt zur Erde erhalten. Am besten nimmt man dazu abgestandenes Regenwasser.
Grundsätzlich sollte frühmorgens gegossen werden. Nur wenn die Nächte im Frühjahr oder Herbst kalt sind, verschiebt man das Giessen auf den späten Vormittag. Abendliches Giessen ist nur bei extremer Trockenheit im Hochsommer zu empfehlen – ansonsten führt es leicht zu Fäulnis. Wenn die Setzlinge richtig angewurzelt sind, gilt die Regel: Einmal Hacken erspart einmal Giessen.
Tomatenfeuerwerk …
Die meisten Kinder mögen süsse Kirschtomaten. Es gibt sie in vielen Formen und Farben. Wer eine bunte Mischung nebeneinander pflanzt (das klappt übrigens auch im Topf), bekommt ein richtiges kleines Tomatenfeuerwerk.
Hätten Sie’s gewusst? Nicht nur Menschen trinken gerne Milch – auch Pflanzen mögen ab und zu einen Guss Milch, allerdings in verdünnter Form. Besonders Farne – im Freiland und im Zimmer –, aber auch Rosen, andere Prachtstauden sowie Tomaten gedeihen besser, wenn sie ein- oder zweimal im Monat mit Magermilch gegossen werden. Dazu verdünnt man Vollmilch im Verhältnis 1:3 mit Regenwasser. Vermutlich sind es zum einen die verschiedenen Mineralstoffe und Spurenelemente in der Milch, zum anderen das tierische Fett, das die Pflanzen kräftig wachsen lässt. Noch stärker verdünnte Milch, etwa im Verhältnis 1:6, ergibt eine bewährte Spritzlösung gegen Pilzkrankheiten, z. B. die Blattfleckenkrankheit bei Tomaten und Kartoffeln. Gesprüht wird einmal wöchentlich – auch vorbeugend – direkt auf die Blätter.
… und Blumensegen
An der Kapuzinerkresse werden kleine Gärtnerinnen und Gärtner ihre wahre Freude haben: Diese Pflanze wächst schnell, ist anspruchslos und blüht wunderschön und reichhaltig. Die vergleichsweise grossen Samen von Tropaeolum majus, wie die Kapuzinerkresse auf Latein heisst, gibt es überall zu kaufen. Auf der Packung steht, ob es sich um eine Sorte handelt, die rankt, oder eine, die niedrig bleibt. Kinder können auch beide Sorten in einen Kasten säen – aber bitte erst, wenn die Nächte schon wärmer werden, denn Frost verträgt das Pflänzchen überhaupt nicht.
Noch ein Tipp: Auf nährstoffarmer, eventuell sogar mit Sand vermischter Blumenerde blüht die Kapuzinerkresse viel eher als auf gehaltvollem Boden. Übrigens: Die hübschen Blüten kann man essen! Sie verschönern jeden knackigen Salat – und die Samen der Kapuzinerkresse schmecken in Essig eingelegt ähnlich wie Kapern.
Scharfe Radieschen …
Radieschensamen können vom Frühling bis zum Herbst ausgesät werden und sind – weil sie so schnell gedeihen – genau das richtige Gemüse für Ungeduldige! Achten Sie mit Ihrem Kind darauf, dass es mindestens 10 cm Abstand lässt zwischen den einzelnen Pflanzen. Sonst werden die roten Knollen dünn und kümmerlich. Die Samen werden etwa 2 cm tief in die Erde gesteckt und leicht bedeckt. Dann gilt es, immer gut zu giessen: Radieschen lieben es feucht. Schon nach wenigen Tagen spriessen die ersten Blätter – und nach vier bis acht Wochen können die Knollen geerntet und gegessen werden.
… und gruselige Monsterköpfe
Ganz besonders Spass machen im Herbst – zu Halloween – selbst gezogene Monstergesichter. Dazu brauchen kleine Gärtner ein grösseres Plätzchen im Gemüsebeet, am besten neben dem Komposthaufen. Dann versenkt man im Frühling einfach drei bis fünf Kürbiskerne zwei Zentimeter tief in die Erde. Achtung: Die zukünftigen Gespensterköpfe brauchen guten Naturdünger, z. B. Kompost und Hornspäne, sowie ausreichend Wasser. Wer keine passende Ecke im Garten übrig hat, kann ein Samentütchen mit einer Zwergsorte kaufen und sie im Topf grossziehen. Denn schliesslich gibt es auch kleine Gespenster – auch die können ganz schön gruselig sein!
Pflanzen sind Persönlichkeiten
Wie wir Menschen, so haben auch manche Pflanzen ganz ausgeprägte Persönlichkeiten, die sich in besonders heftigen Vorlieben und Abneigungen zeigen. So mögen die einen bestimmte Nachbarn ganz besonders – oder eben überhaupt nicht. Andere fühlen sich solo am wohlsten und wollen am liebsten in Ruhe gelassen werden. Wieder andere hingegen brauchen besonders viel Zuwendung.
Am wenigsten kann die Tomate Abwechslung vertragen: Sie besteht jedes Jahr auf demselben Platz, der allerdings sonnig und möglichst wind- und regengeschützt sein sollte. Auch die Kartoffel fühlt sich am wohlsten am immer gleichen Ort – am liebsten mag sie eine vollsonnige, windgeschützte Lage in lockerem, sandig-humosem Boden. Allerdings braucht sie jedes Jahr eine neue Gabe Kompost, dem etwas Horn- und Knochenmehl zugesetzt werden sollte. Zwei bis drei Kartoffelpflanzen brauchen nicht viel Platz im Kinderbeet. Im Abstand von etwa 30 Zentimetern werden vorgekeimte Saatkartoffeln fünf Zentimeter tief in aufgelockerte Erde gelegt. Wenn das Kartoffelkraut verwelkt ist, kann geerntet werden. In einem guten Kartoffel-sommer – warm und trocken – hängen vielleicht zehn bis zwölf Knollen an einer Pflanze. Das reicht für feine Bratkartoffeln für die ganze Familie!
Kräuter & Co.
Zu den knusprigen Kartoffeln passt ein fein gewürzter Quark. Kein Problem, wenn die Kinder im Frühling Kräutersamen verteilt haben: Petersilie, Schnittlauch, Dill, Basilikum – aber auch Gänseblümchen oder Kapuzinerkresse (da schmecken Blätter und Blüten) – passen in Quark oder Salat.
Ganz einfach lässt sich auch Oregano, das Pizza-Kraut, selbst ziehen und pflegen. Oregano stellt keine besonderen Ansprüche an den Boden – nur zu viel Giessen und Staunässe sollten vermieden werden. Am besten gedeiht die Pflanze an einem warmen, geschützten und sehr sonnigen Standort. Lassen Sie Ihr Kind ein Blättchen zwischen den Fingern zerreiben – dann merkt es schnell: Das riecht ja wirklich wie eine feine Pizza. Ganz egal, ob Sie frische Blätter zum Kochen verwenden oder die Zweige trocknen lassen: Der betörende Oregano-Duft weckt nachhaltige Sommerträume vom sonnigen Süden!