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Gemeinsam in die Pedalen treten

Velofahren macht Spass und tut der ganzen Familie gut. Gemeinsam zu radeln, stärkt Muskeln, Herz und Kreislauf, bringt Kinder und Eltern an die frische Luft und sorgt für jede Menge gemeinsame Erlebnisse.

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Die Landschaft bewusst wahrnehmen, den Fahrtwind spüren, die Natur hören und riechen: Velofahren spricht alle Sinne an. Gleichzeitig zählt diese Sportart zu den effektivsten und gelenkschonendsten Bewegungsformen. Wer regelmässig – idealerweise täglich mindestens 30 Minuten – radelt, leistet einen wichtigen Beitrag zur eigenen Gesundheit. Genauso wie für Erwachsene ist Velofahren auch für Kinder wertvoll, denn es unterstützt ihre körperliche, geistige und soziale Entwicklung auf vielfältige Weise. Durch die regelmässige Bewegung werden Muskeln, Knochen und das Herz-Kreislauf-System gestärkt, während die gleichmässigen Pedalbewegungen die Gelenke schonen – ein wichtiger Vorteil für wachsende Körper. Gleichzeitig verbessert das Radfahren Ausdauer, Koordination und Gleichgewicht. Diese Fähigkeiten sind für viele weitere Bewegungsformen grundlegend. Darüber hinaus schult Velofahren die Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit. Kinder lernen, ihre Umgebung aufmerksam wahrzunehmen, Situationen einzuschätzen und schnell auf Veränderungen zu reagieren. Die Kombination aus Bewegung und Denken fördert die Gehirnentwicklung und kann sich positiv auf die Lernfähigkeit auswirken. Auch das psychische Wohlbefinden profitiert. Das Erleben von Bewegung an der frischen Luft wirkt ausgleichend, baut Stress ab und stärkt das Selbstvertrauen – insbesondere dann, wenn Kinder neue Strecken meistern oder persönliche Fortschritte erzielen. Nicht zuletzt bietet Velofahren wertvolle soziale Erfahrungen: Gemeinsame Ausfahrten mit Familie oder Freundinnen und Freunden fördern den Zusammenhalt, während das sichere Verhalten im Verkehr Selbstständigkeit und Verantwortungsbewusstsein stärkt. Velofahren ist für Kinder weit mehr als nur Fortbewegung oder Spiel – es legt eine wichtige Grundlage für Gesundheit, Selbstvertrauen und Freude an Bewegung, von der sie ein Leben lang profitieren. Viele gute Gründe also, regelmässig Velo zu fahren – allein, zu zweit oder mit der ganzen Familie. Je häufiger Sie unterwegs sind, desto nachhaltiger entfalten sich die positiven Effekte auf Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden.

So wird das Velo fitgemacht

Sobald die Velosaison im Frühling beginnt, ist es Zeit, das Velo gründlich zu reinigen. Dabei werden Schmutz, Staub und Salzreste entfernt, speziell auch an Kette und Schaltung, da sich dort Ablagerungen besonders stark auf die Funktion und den Verschleiss auswirken. Nach dem Reinigen wird der Antrieb gepflegt: Die Kette sollte gut getrocknet und anschliessend geölt werden, überschüssiges Öl wird mit einem Tuch abgewischt. Ebenso wichtig ist ein sorgfältiger Blick auf die Bremsen. Bremsklötze und -scheiben sollten sauber und ausreichend dick sein, die Bremshebel müssen gleichmässig greifen. Die Reifen verlieren über den Winter meist Luft, deshalb sollten sie auf den empfohlenen Druck aufgepumpt und auf Risse, poröse Stellen oder abgefahrenes Profil überprüft werden. Eine korrekt eingestellte Schaltung sorgt zudem für sicheres und komfortables Fahren. Zum Abschluss lohnt sich eine Kontrolle von Schrauben, Lenker und Sattel. Alle Teile sollten festsitzen, ohne Spiel zu haben, und bequem eingestellt sein. Funktionierende Lichter, eine gut hörbare Klingel sowie fest montiertes Zubehör erhöhen zusätzlich die Sicherheit. Eine kurze Probefahrt zeigt schliesslich, ob alles einwandfrei funktioniert. Wer sich unsicher fühlt oder seinem Velo nach intensiver Nutzung etwas Gutes tun möchte, lässt es im Frühling am besten in einem Fachgeschäft überprüfen. So steht einer sicheren, komfortablen und unbeschwerten Velosaison nichts mehr im Weg.

Sicherheit ist wichtig

Sicherheit ist beim Velofahren sehr wichtig – für Kinder, Eltern und alle, die unterwegs sind. Ein gut sitzender Helm (siehe Kasten) schützt vor Kopfverletzungen. Studien zeigen, dass ein Fahrradhelm viele schwere Kopfverletzungen deutlich reduzieren kann. Wichtig: Kinder im Kindersitz oder im Anhänger sollten ebenfalls immer einen Helm tragen, denn auch als Mitfahrer riskieren sie Kopfverletzungen. Helle Kleidung, Reflektoren und funktionierende Lichter sorgen dafür, dass man bei Dämmerung oder schlechtem Wetter gut gesehen wird.

Kinder sollten früh lernen, Verkehrszeichen, Ampeln und Vorfahrtsregeln zu beachten sowie Handzeichen beim Abbiegen zu geben. Gleichzeitig ist es wichtig, die Geschwindigkeit den Bedingungen anzupassen – besonders auf unübersichtlichen Wegen, in Kurven oder in der Nähe von Fussgängern.

Vor jeder Tour lohnt sich ein kurzer Technik-Check: Bremsen, Reifen, Kette und Beleuchtung sollten in einwandfreiem Zustand sein. Zusätzliche Schutzkleidung wie Handschuhe oder Knie- und Ellenbogenschützer kann vor Verletzungen schützen.

Rücksichtnahme, Aufmerksamkeit und vorausschauendes Fahren sind entscheidend, um Unfälle zu vermeiden. Kinder dürfen bis zu ihrem 6. Geburtstag auf Hauptstrassen nur unter Aufsicht einer mindestens 16 Jahre alten Person Velo fahren. Es wird empfohlen, das Licht schon bei Dämmerung und auch bei Regen und Nebel einzuschalten, idealerweise auch am Tag. Mit Speichenreflektoren oder reflektierenden Pneus sind Sie und Ihre Kinder auch von der Seite sichtbar. Wer diese Regeln beachtet, kann die Velosaison sicher und entspannt geniessen.

Beliebte und familienfreundliche Velowege

Die Schweiz bietet ideale Voraussetzungen für Velotouren mit der ganzen Familie. Dank gut ausgebauter In-frastruktur, flacher Strecken und abwechslungsreicher Landschaften finden Eltern in nahezu jeder Region passende Routen, die auch für Kinder gut machbar sind. Besonders beliebt sind Wege entlang von Seen und Flüssen, da sie meist verkehrsarm, übersichtlich und ohne grössere Steigungen verlaufen.

Rund um den Greifensee oder den Pfäffikersee im Kanton Zürich laden autofreie Rundwege zu entspannten Ausfahrten ein. Die überschaubaren Distanzen, zahlreiche Rastplätze sowie Spiel- und Badegelegenheiten machen diese Routen ideal für jüngere Kinder. Ähnlich familienfreundlich sind die Uferwege am Neuenburgersee oder am Zürichsee, wo Teilstrecken flexibel gewählt und bei Bedarf mit Schiff oder Bahn kombiniert werden können.

Auch Flussradwege wie der Sihl- oder Limmatweg bieten viel Naturerlebnis in stadtnaher Umgebung. Die schattigen, ebenen Wege eignen sich hervorragend für erste längere Touren und bieten unterwegs immer wieder Möglichkeiten für Pausen. Entlang des Alpenrheins zwischen Chur und Bad Ragaz oder im Tessin zwischen Bellinzona und Locarno befinden sich ebenfalls schöne, flache Strecken mit viel Abwechslung und Ferienstimmung.

Gemeinsam haben all diese Routen, dass sie Sicherheit, Naturerlebnis und Flexibilität verbinden – wichtige Faktoren für gelungene Familienausflüge. So wird Velofahren für Kinder nicht zur Pflicht, sondern zum positiven Erlebnis, das Freude an Bewegung und gemeinsame Erinnerungen schafft. Familienfreundliche Velotouren finden Sie auf der Website von SchweizMobil, die stets Inspirationen für jede Saison, Karten und eine einfache Tourenplanung bietet. ++

www.schweizmobil.ch/de/veloland

Was gilt es beim Helm zu beachten?

Gesetzlich ist ein Velohelm auf dem Velo nicht vorgeschrieben. Aufgrund der Schutzwirkung ist er jedoch zu empfehlen!

1. Richtige Passform

Ein Helm muss eng am Kopf sitzen, darf aber nicht drücken oder wackeln, d.h., den Helm aufsetzen und ihn mit dem Verstellrad hinten anziehen, bis er bei geöffnetem Kinnband fest sitzt. Er sollte etwa zwei Fingerbreit über der Nasenwurzel liegen. Die Seitenbänder treffen sich direkt unter dem Ohr. Sie werden gleich satt angezogen. Zwischen Kinn und Band hat es Platz für einen bis zwei Finger.

Lassen Sie sich im Fachhandel beraten und nehmen Sie Ihr Kind zur Anprobe mit.

2. Altersgerechte Modelle

Für Kinder gibt es spezielle Helme, die leichter, gut belüftet und auf kleinere Köpfe zugeschnitten sind. Viele Modelle verfügen über zusätzliche Besonderheiten wie abnehmbare Schilde oder integrierte Reflektoren.

3. Sichtbarkeit

Moderne Helme sind mit reflektierenden Flächen, leuchtenden Farben oder integrierten Lichtern ausgestattet. Das erhöht die Sichtbarkeit im Strassenverkehr und verringert das Unfallrisiko besonders in der Dämmerung oder bei Regen. Damit der Velohelm den Kopf möglichst gut schützt, muss er bei einem Sturz über die Aufprall­fläche gleiten können. Deshalb: Kein Zubehör wie Lampen oder Kameras am Helm montieren.

4. Austausch nach Sturz oder Alter

Ein Helm schützt nur einmal optimal – nach einem Sturz oder bei sichtbaren Beschädigungen sollte er unbedingt ersetzt werden. Ältere Helme verlieren mit der Zeit ihre Stossdämpfung. Berücksichtigen Sie die Herstellerempfehlungen. Bei fehlenden Angaben wird generell geraten, Helme nach fünf Jahren zu ersetzen. Wählen Sie nur einen Helm, der nach der Norm DIN EN 1078 geprüft und entsprechend gekennzeichnet ist.

5. Komfort & Belüftung

Gut belüftete Helme verhindern übermässiges Schwitzen und steigern den Tragekomfort, sodass Kinder und Erwachsene den Helm gerne aufbehalten. Ein angenehmes Innenpolster sorgt zusätzlich für sicheren Halt ohne Druckstellen.

6. Noch besserer Schutz durch Rotationsdämpfungssysteme

Immer mehr Helme sind mit einem sogenannten Rotationsdämpfungssystem (RDS) ausgestattet. Wenn sich der Kopf bei einem Aufprall dreht, können diese Helme mit beweglicher oder komprimierbarer Innenschale besser ausgleichen als Standardhelme. Neueste Helmtests im Auftrag der BFU bestätigen die Wirksamkeit solcher RDS. Insbesondere die Systeme mit einer beweglichen Innenschale, wie MIPS, ODS und Wavecel, fangen die gefährlichen Rotationskräfte wirksam ab. Die BFU empfiehlt deshalb, beim Velofahren immer einen Helm mit RDS zu tragen. Für höhere Geschwindigkeiten – z.B. mit schnellen E-Bikes – gibt es Velohelme, die zusätzlich die Norm. NTA 8776 erfüllen. Solche Helme sind im Bereich der Schläfen verstärkt und die Helmschale am Hinterkopf weiter heruntergezogen.

Wichtig: Achten Sie unbedingt darauf, dass Ihr Kind auf dem Spielplatz den Helm immer abnimmt. Durch den Kinnriemen kann es hier zu einer gefährlichen Strangulation kommen.

Quelle und weitere Tipps finden Sie auf www.bfu.ch/de/ratgeber/velohelm