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Gamer von heute – Chirurg von morgen?

Einen kurzen Moment nicht aufgepasst, und das Baby hat bereits das Handy in den Händen.

Bild: REDPIXEL.PL/shutterstock.com

Das Kleinkind wischt mit geübten Fingern zur Seite, um zum nächsten Foto in der Galerie zu gelangen. Und spätestens im Kindes- oder Teenageralter sind viele von den Bildschirmen kaum mehr wegzulocken. Mit fliegenden Fingern werden Nachrichten eingetippt oder online gezockt. Viele Eltern sehen es nicht gerne, dass der Nachwuchs ständig mit dem Handy, der Konsole oder dem Tablet beschäftigt ist. Doch Verbote bringen nicht viel – die schmale Gratwanderung fordert wohl fast alle Eltern täglich heraus.

Hilfreiches Lernwerkzeug?

Vielleicht dürfte dann die folgende Studie mit einem gewissen Augenzwinkern zur Beruhigung beitragen. Denn gerade Videospiele geraten häufig in Verruf. Jugendliche könnten nicht mehr zwischen Traumwelt und Realität unterscheiden, und auch die Gewaltbereitschaft nehme dadurch zu, so der Tenor. Dass Games aber nicht grundsätzlich schlecht seien, betont der Psychologe Douglas Gentile von der Iowa State University. Vielmehr könnten Computerspiele auch ein hilfreiches Lernwerkzeug sein, betonte er an einer Jahrestagung des US-Psychologenverbands in Boston. Wie er in seiner Studie herausfand, könnten Chirurgen, die regelmässig zockten, ihre Fingerfertigkeit sogar verbessern.

Zocker hatten Nase vorn

33 Chirurgen wurde für die besagte Studie wortwörtlich genauer auf die Finger geschaut. Sie waren auf die laparoskopische Chirurgie spezialisiert – das heisst, sie nehmen minimalinvasive Eingriffe in der Bauchhöhle vor. Die Gamer unter ihnen waren demnach 27 Prozent schneller und machten 37 Prozent weniger Fehler als diejenigen, die in ihrer Freizeit nicht zockten.

Alles im Blick behalten

Auch Videospiele mit sozialen Interaktionen wurden näher beleuchtet. Die Studie brachte hervor, dass diejenigen Schüler, die solche Spiele zockten, weniger in Streitereien verwickelt und hilfsbereiter waren. Grundsätzlich hält die Studie fest, dass sich das Erlernen von neuen Spielen positiv auf das Problemlösen und die Fingerfertigkeit auswirkt. Schlechte Neuigkeiten gibt es jedoch für Gewaltspiele. Schüler, die Anhänger solcher sind, waren auch in ihrem tatsächlichen Verhalten aggressiver. Eltern sind also gut beraten, wenn sie darüber Bescheid wissen, welche Videospiele ihre Kinder da gerade zocken.