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Gärtnern wie die Grossen

In der warmen Erde wühlen, Samen säen oder Setzlinge in Beete oder Töpfe pflanzen – das macht Spass. Lassen Sie Ihre Kinder teilhaben an der sinnlichen Freude des Gärtnerns.

Bild: © Ground Picture/shuttersock.com

Frühe spielerische Erfahrungen in der Natur sind für Kinder wichtig, denn sie fördern das Verständnis für natürliche Lebenskreisläufe und ermöglichen es ihnen, die Natur mit allen Sinnen zu «begreifen». Insbesondere beim Gärtnern lernt der Nachwuchs Lebenskreisläufe kennen, übernimmt Verantwortung, trifft Entscheidungen, erfährt Selbstwirksamkeit und baut allfällige Berührungsängste mit gesunden Nahrungsmitteln ab. Ob beim Graben, Wühlen, Matschen, Beobachten, Riechen, Schmecken und Probieren – das sinnliche Entdecken ist beim Mitwirken im Garten einfach. Ausstaffiert mit Gummistiefeln und Kleidern, die dreckig werden dürfen, können Sprösslinge im Garten eine faszinierende Welt entdecken. Das ist nicht nur gut für die Gesundheit, weil sie dabei an der frischen Luft sind und sich bewegen, sondern auch für die Entwicklung der Persönlichkeit. So deuten beispielsweise wissenschaftliche Studien darauf hin, dass Kinder mit frühen, andauernden Naturkontakten ihren naturfernen Gleichaltrigen in intellektueller, physischer und spiritueller Hinsicht überlegen sind. Viele gute Gründe also, bei Kindern die Lust am Gärtnern zu wecken.

Ein eigenes Gartenreich

Vielen Gartenfreundinnen und -freunden kribbelt es im zeitigen Frühling in den Fingern. Kein Wunder, denn das Gärtnern kann Glücksgefühle auslösen – viele können es deshalb kaum erwarten, jedes Jahr erneut im Garten zu arbeiten. Ganz egal, wie anstrengend dies manchmal sein kann – am Ende blickt man stolz auf seine Ernte und auf das, was man mit seinen Händen geschaffen hat. Wer bereits einen Gemüsegarten zur Verfügung hat, kann seinen Kindern von Anfang an ein eigenes Beet zum Ausprobieren anbieten. Doch auch wer keinen Garten hat, muss nicht aufs Gärtnern verzichten: Auf dem Balkon oder der Terrasse kann man den Sprösslingen ebenfalls eine Ecke mit Töpfen oder einem Hochbeet anbieten, wo sie nach Herzenslust säen, pflanzen, pflegen und später auch ernten dürfen. Planen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind, was Sie alles anbauen möchten. Gehen Sie zusammen Samen, Blumenzwiebeln, -knollen oder Setzlinge einkaufen. Lassen Sie sich von der Vielfalt inspirieren. Spezielle Saatbänder machen die Aussaat kinderleicht. Tipp: Fürs Pflanzen und Graben, das Jäten und Giessen wünschen sich die Kleinen natürlich Gartengeräte, die so aussehen wie die der Grossen. Dafür gibt es Mini-Spaten, Harken, kindgerechte Giesskannen und – ganz wichtig – Gartenhandschuhe. Wer mehrere Kinder hat, die mitgärtnern möchten, teilt die zur Verfügung stehende Fläche in gleich grosse Teile ein. Witzig kann es aussehen, wenn unbepflanzte Stellen zwischen den Beeten mit Steinen, Muscheln oder Rindenmulch bedeckt werden. Gestalten Sie mit den Kindern Schilder aus Holz und beschriften die Beete oder Töpfe mit dem Namen des Kindes resp. auch mit den Namen der Pflanzen, die gesät oder gepflanzt wurden. So behält man den Überblick, wenn dann im Sommer das Beet oder die Töpfe voll bewachsen sind.

Jetzt geht’s los

Auf der Rückseite der Samentütchen steht genau, wann die Pflanzen idealerweise ausgesät werden sollen und ob sie es lieber sonnig, halbschattig oder schattig mögen. Tipp: Warten Sie mit der Aussaat oder dem Anpflanzen von Setzlingen ins Beet, bis der Boden von der Sonne genug erwärmt wurde. In kalter und nasser Erde keimen die Samen nicht und auch Setzlinge verfaulen. Je nach Wetter kann das Saatgut – beispielsweise von Radieschen, Schnitt- und Kopfsalat – bereits ab März ins Beet gesät werden. Falls noch frostige Nächte angesagt sind, decken Sie mit den Kindern die Jungpflanzen mit einem Gartenvlies ab. Wenn im eigenen Garten nicht genügend Pflanzen wachsen oder gar kein Garten zur Verfügung steht, können Sie mit den Kindern auch hinausgehen in die Natur. Auf einem Frühlingsspaziergang schneiden Sie Äste und Zweige verschiedener Pflanzen. Stellen Sie diese zu Hause in eine Vase ein und lassen Sie sie beobachten, wie sich in der warmen Wohnung die Knospen öffnen und bald auch die Blätter spriessen.

Wie Pflanzen richtig giessen?

Giessen gehört zu den Lieblingstätigkeiten vieler Kinder. Doch im Garten wie auch sonst überall gilt – das Nass ist kostbar. Gut einteilen und nur dann giessen, wenn die Pflanzen wirklich durstig sind, und nicht, wenn man selbst gerade Lust darauf hat, ist deshalb angesagt. Gemüse wächst nämlich nur ertragreich, wenn es gleichmässig mit Wasser versorgt wird. Lassen Sie die Kinder mit dem Finger fühlen, ob der Boden feucht oder trocken ist, bevor gegossen wird. Dabei gilt: lieber ausgiebig und dafür seltener giessen. Das wirkt nachhaltiger und fördert die Bildung tiefer Wurzeln. Auf diese Weise werden die Pflanzen unempfindlicher gegen Trockenperioden. Im Sommer wird idealerweise abends oder frühmorgens am besten mit temperiertem Wasser gegossen. Dann ist der Unterschied zwischen Luft- und Wassertemperatur – und damit auch der Stress für die Pflanzen – gering. Kaltes Wasser mitten in der Sommerhitze mögen Pflanzen gar nicht. Wichtig zu wissen ist ebenfalls, dass nicht die Pflanzen, sondern die Wurzeln gegossen werden. Zeigen Sie Ihren Kindern, wie das geht – einfach mit der Giesskanne das Wasser am Ansatz der Pflanze anbringen und das Wasser nicht über die ganze Pflanze hinwegbrausen. Übrigens: Regenwasser ist das beste Wasser für die Pflanzen: Es ist weich, richtig temperiert und kostenlos. Man muss es nur auffangen. Stellen Sie dafür eine Regentonne oder andere Behälter im Garten auf und sammeln Sie bei Regen das Wasser. Aber Achtung: Wenn es nicht regnet, sollte die Tonne mit einem Deckel abgedeckt werden. Das verhindert nicht nur, dass Laub, Insekten und andere Tiere oder gar kleine Kinder in die Tonne fallen, sondern auch den Wasserverlust durch Verdunsten. Ein weiterer Vorteil ist, dass durch die Abdeckung keine Mückenlarven ihre Eier ablegen. Das spart den Ärger und den Aufwand mit allfälligen Mücken, die ihre Eier gerne in stehendes Wasser legen.

Ein Paradies für Schleckermäulchen

Kinder essen frische Früchte und süsse Beeren am liebsten direkt vom Strauch oder Baum. Optimal wäre es, einen Naschgarten bereits im Herbst anzulegen, denn zu diesem Zeitpunkt sollten Beerensträucher und auch Obstbäume eingepflanzt werden, damit sie Zeit haben, neue Wurzeln zu bilden. Wählen Sie dafür einen möglichst sonnigen Platz im Garten. Der Boden sollte vor dem Bepflanzen gut durchlockert und mit Kompost versorgt sein, denn ein schwerer, nährstoffarmer Boden ist für die meisten Naschpflanzen nicht ideal. Wer kein geeignetes Plätzchen dafür übrig hat, kann zahlreiche passende Pflanzen für den Naschgarten auch im Topf auf der Terrasse oder dem Balkon kultivieren. Wenn zusätzlich Gemüse wie Rüebli oder Radieschen angebaut werden, kann man diese problemlos im Frühling nachsäen. Ein Naschgarten braucht regelmässige Pflege. Besonders wichtig ist dabei das richtige Giessen (siehe oben). Ausserdem sollte der Boden um die Beerensträucher mit einer Mulchschicht abgedeckt werden, damit das Wasser weniger verdunstet. Beliebte Pflanzen für einen Naschgarten sind beispielsweise Erdbeeren, Himbeeren, Johannisbeeren, Brombeeren, Stachelbeeren, Heidelbeeren oder Kiwi. In kleinen Gärten sind auch Zwerg-Obstbäume oder Säulenobst ein Hit – insbesondere Kirschen, Äpfel oder Zwetschgen. Auch Minigemüse, z. B. Cherry-Tomaten, Peperoni, Gurken oder Radieschen machen sich gut im Naschbeet, genauso wie Kräuter, die sofort gegessen oder auch für Getränke, Salate oder Dips verwendet werden können, z. B. Minze, Zitronenmelisse, Petersilie oder Süssblatt, auch als Stevia bekannt.

Fressen und gefressen werden

Die Natur ist ein komplexes, ökologisches System, in dem nicht nur Menschen und Pflanzen, sondern auch jedes Tier seinen Platz hat. Leider werden im Garten nur allzu oft Tiere als Schädlinge betrachtet und bekämpft. Viele empfinden beispielsweise einen Ohrwurm als eklig. Dabei unterstützt uns dieser im Garten im Kampf gegen zahlreiche Blattlausarten, genauso wie Marienkäfer, die um die 50 Läuse pro Tag vertilgen. Auch Schnecken sind nicht unbedingt gerne gesehen im Garten, denn auch sie lieben frischen Salat. Trotzdem: Geben Sie Schnecken und anderen Tieren eine Chance – erklären Sie ihren Kindern, dass jedes Lebewesen eine Berechtigung zum Leben hat. Schnecken sammelt man vorsichtig ein und bringt sie beispielsweise an ein schattiges, feuchtes Plätzchen am Waldrand oder auf eine Wiese. Wichtig sind auch die Insekten, etwa Bestäuber wie Bienen, Wespen, Hummeln und Schmetterlinge: Sie sorgen dafür, dass unsere Pflanzen Früchte tragen. Auch andere Bodenlebewesen, etwa Asseln oder Würmer, sind wahre Helfer im Garten: Sie beseitigen abgestorbene Pflanzenteile und wandeln sie in wertvollen Humus um. Natürlich gibt es auch Tiere, die grossen Schaden an Pflanzen anrichten können – viele von ihnen haben natürliche Feinde, die Sie bewusst in Ihrem Garten ansiedeln können. Wichtig ist auf jeden Fall, ganz auf giftige, chemische Mittel wie Pestizide und Herbizide zu verzichten und stattdessen – nur falls nötig – auf natürliche, biologische Lösungen zurückzugreifen. Schliesslich sollen weder Ihre Kinder noch Sie selbst, noch die Umwelt vergiftet werden. Erklären Sie Ihren Kindern, dass man als Gärtnerin oder als Gärtner eine Verantwortung hat: Man entscheidet, was leben darf und was nicht. Jede Entscheidung hat Auswirkungen auf die Umwelt und auf die Artenvielfalt. Ein Naturgarten, in dem einheimische Pflanzen blühen, sich versamen und fruchten, in dem es summt und brummt, der im Herbst nicht steril aufgeräumt wird, ist nicht nur ein Paradies für Menschen, sondern auch für kleine Säugetiere, Insekten und Vögel – und das zu jeder Jahreszeit.

Der erste Kindergarten

«Kinder sind wie Blumen. Man muss sich zu ihnen niederbeugen, wenn man sie erkennen will», sagte einst der Erzieher Friedrich Fröbel, der am 28. Juni 1840 in der kleinen Stadt Blankenburg in Thüringen den ersten Kindergarten der Welt gründete. Der Name war Programm, denn der Garten und die Natur schienen dem Kindergarten-Erfinder Fröbel als das wichtigste Umfeld, um der Bedeutung der frühen Kindheit erzieherisch gerecht zu werden. So war er der Meinung, dass junge Menschen einen grossen Teil ihrer Freizeit in der Natur und im Garten verbringen sollten, um sich ideal zu entwickeln. Das gilt bis heute: Kinder sollen im Grünen spielen, statt auf Bildschirme zu schauen! Sie sollen sich bewegen, klettern und aktiv sein. Sie sollen die Natur entdecken, erforschen und natürlich auch Spass haben. Dafür eignet sich das Mitwirken im Garten perfekt – denn dabei lernen die Kleinen nicht nur Lebenskreisläufe kennen, sondern entdecken, wie und wo gesunde Nahrungsmittel wachsen. Durch das Hegen und Pflegen von Pflanzen lernen sie, Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen zu treffen und ökologische Zusammenhänge zu verstehen.

Übrigens: Auf den Namen «Kindergarten» kam Fröbel auf einer seiner vielen Wanderungen. Wie eine Pflanze in einem bunten Garten sollte das Kind gepflegt und herangezogen werden. Das Wort «Kindergarten» ist heute in viele Sprachen der Welt eingegangen. Im Englischen heisst es zum Beispiel «the kindergarten», im Spanischen «el kindergarten».

Wann und wer sind die Eisheiligen?

Die Eisheiligen – also Kälteeinbrüche, bei denen die Temperaturen vielerorts in den Nächten nochmals unter die Null-Grad-Marke sinken können – finden vom 11. bis zum 15. Mai statt. Sie sind unter den Namen Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophia von Rom (Kalte Sophie) bekannt. Da sich die alten Bauernregeln auf den julianischen Kalender beziehen und sich seit der gregorianischen Kalenderreform im Jahr 1582 die Daten verschoben haben, finden heutzutage die Kälteeinbrüche immer wieder um mehr als eine Woche nach hinten verschoben statt – also erst ab ungefähr dem 20. Mai. Die Namenstage der Heiligen sind aber dennoch auf ihrem alten Platz im Kalender verblieben.

Mit folgenden frostempfindlichen Pflanzen sollte man bis nach den Eisheiligen warten und sie erst danach in die Natur setzen: Tomaten, Gurken, Zucchini, Bohnen, Dahlien, Basilikum, Begonien, Sellerie und diverse Kübelpflanzen wie beispielsweise Margariten.