Im Kinderdorf Pestalozzi wird Lernen zum Erlebnis: Mia ist wieder zu Besuch und entdeckt, wie Kinder hier lernen, mitzureden und mitzugestalten. Zwischen Schulhaus und Dorfplatz zeigt sich, wie Bildung hier stattfindet: Vielfältig, lebendig und mit Blick auf die Welt.
Ein kleines Dorf in einer grossen Welt
Mia steht auf dem Dorfplatz im Kinderdorf Pestalozzi. Die Sonne scheint, irgendwo wird gelacht, ein Ball rollt über den Platz. Doch heute zieht es sie nicht zu den vielen Spielplätzen des Kinderdorfs. Denn etwas ist anders: Mia bleibt stehen und schaut zum Schulhaus hinüber. Von dort dringen Stimmen nach draussen. «Kommst du auch zur Kinderkonferenz?» Ein Mädchen schaut sie erwartungsvoll an. Ohne lange zu überlegen, geht Mia mit.
Im Klassenzimmer sitzen Kinder in Mias Alter im Kreis. Sie diskutieren, melden sich, hören einander zu. Es geht um Regeln, um Mitbestimmung und darum, was ihnen wichtig ist. «Hier dürfen wir sagen, was wir denken», erklärt ein Junge, der sich leise mit Pedro vorstellt. Mia setzt sich neben ihn. Sie merkt schnell: Hier geht es nicht um richtig oder falsch, sondern darum, gemeinsam Lösungen zu finden.
Die Kinderkonferenz ist eines von vielen Bildungsprojekten im Kinderdorf, das Themen aufgreift, die Kinder direkt betreffen: Kinder- und Menschenrechte, Frieden, Medien oder das Zusammenleben in einer vielfältigen Gesellschaft. Dabei wird nicht einfach zugehört. Die Kinder gestalten aktiv mit, stellen Fragen und bringen ihre eigenen Ideen ein.
Es klingelt. Der Workshop ist vorbei, Mia verabschiedet sich und zieht weiter. Vor dem Schulhaus steht ein blauer, auffälliger Bus. Die Tür ist offen, Stimmen sind zu hören. Neugierig schaut sie hinein und steht plötzlich mitten in einem kleinen Radiostudio. «Psst, wir sind gleich live!», flüstert Sandrine, ein Mädchen mit aufgesetzten Kopfhörern, Mia zu. Ein etwas älterer Junge zählt herunter, dann beginnt die Sendung. Die Jugendlichen sprechen über Social Media, über Gerüchte im Netz und darüber, wie man erkennt, was stimmt und was nicht.
In den Medienbildungsprojekten des Kinderdorfs lernen Kinder und Jugendliche, ihre eigene Sendung zu gestalten: Themen auswählen, Interviews führen, moderieren. Dabei setzen sie sich mit Medien, Gesellschaftsthemen und Verantwortung auseinander. Mia hört fasziniert zu. «Gar nicht so einfach, den Überblick zu behalten», denkt sie. Aber genau das lernen die Jugendlichen hier – Schritt für Schritt.
Ein Stück weiter entdeckt Mia den Jugendtreff. Einige Jugendliche sitzen draussen, lachen, trinken Sirup, tauschen sich aus. «Hier treffen wir uns nach den Workshops», erzählt eine Jugendliche. «Oder planen die nächsten Projekte.»
Sie berichten vom European Youth Forum Trogen, bei dem Jugendliche aus verschiedenen Ländern zusammenkommen. Von der Jugendkonferenz, bei der Kinder erste politische Vorstösse zu Themen planen, die sie bewegen. Und von digitalstreetwork.ch, einem Angebot, das Jugendliche dort begleitet, wo sie viel Zeit verbringen: online.
Mia merkt: Im Kinderdorf geht es nicht nur ums Lernen im Klassenzimmer. Es geht um Begegnungen, ums Kennenlernen, ums Mitbestimmen. Gerade als sie weitergehen will, drückt ihr jemand einen Brief in die Hand. «Der ist für dich», sagt das Mädchen aus der Kinderkonferenz. Mia öffnet ihn vorsichtig.
Der Brief kommt aus Äthiopien. Ein Kind schreibt von seinem Schulalltag. Von langen Wegen zur Schule. Von Klassen, in denen viele Kinder zusammen lernen. Von vollen Klassenzimmern. Aber auch davon, was sich verändert hat. Neue Schulräume sind entstanden. Lehrpersonen wurden weitergebildet. Der Unterricht ist lebendiger geworden – die Kinder dürfen mitreden, Fragen stellen, aktiv teilnehmen.
Mia liest weiter. In Ländern wie Äthiopien, Thailand oder Guatemala setzt sich das Kinderdorf Pestalozzi dafür ein, dass Kinder überhaupt Zugang zu Bildung haben. Schulen werden verbessert, Lehrpersonen geschult und ganze Gemeinschaften sensibilisiert, damit Kinder zur Schule gehen können – so wie Mia.
So profitieren jedes Jahr über 320 000 Kinder und Jugendliche von diesen Projekten – ebenso wie Lehrpersonen und Schulleitungen. Mia schaut auf. Plötzlich fühlt sich das Kinderdorf noch grösser an. Nicht nur die Wege zwischen Schulhaus, Radiobus und Dorfplatz gehören zusammen, sondern auch die Geschichten von Kindern auf der ganzen Welt.
Langsam geht sie zurück Richtung Dorfplatz. Die Stimmen aus dem Schulhaus sind noch zu hören. Jemand lacht, jemand meldet sich, jemand sagt seine Meinung. Mia bleibt kurz stehen und lächelt. Hier lernen Kinder nicht nur für die Schule. Sie lernen, ihre Stimme zu finden. Sie lernen, miteinander und respektvoll zu leben. Und sie lernen, dass sie etwas bewirken können. Als sie den Hügel hinuntergeht, hält sie den Brief noch immer in der Hand. «Ich komme wieder», denkt sie. «Ganz bestimmt.»
Gemeinsam Grosses bewirken
Die Bildungsprojekte im Kinderdorf Pestalozzi sind spendenfinanziert. Beiträge von Bund, Organisationen und
Privatpersonen tragen dazu bei, diese Arbeit im In- und Ausland zu ermöglichen. Sämtliche Einnahmen vor Ort, etwa der Erlös des Bistros oder des Sommerfests, fliessen direkt in die Bildungsprojekte zurück und kommen den Kindern und Jugendlichen zugute.
Hereinspaziert!
Am 22. August 2026 lädt das Kinderdorf Pestalozzi zum Sommerfest ein! Freuen Sie sich auf Musik, die bewegt, interaktive Entdeckungstouren, eine besondere Jubiläumsüberraschung und viele weitere Abenteuer für Klein und Gross – ein Tag für die ganze Familie! Mehr unter pestalozzi.ch/sommerfest