«Dieses Jahr fliegen wir ans Meer, oder?», fragt Mara, während sie ein Bild von türkisblauem Wasser auf ihrem Tablet zeigt. Ihr Bruder Tim weiss schon genau, was er will: «Ein Hotel mit Rutschbahn!» Am Küchentisch scrollt die Familie durch Angebote: Sonne, Strand und überall lachende Gesichter auf den Hochglanzbildern. Während die Kinder mit strahlenden Augen aufzählen, was sie alles machen möchten, werfen sich die Eltern immer kritischere Blicke zu. Mit jedem Wunsch, jedem Ausflug, jedem Klick summieren sich die Kosten. Eine Woche Hotel am Strand für eine vierköpfige Familie? 3500 Franken.
Ferien mit der Familie: schön, teuer – oder beides?
Schliesslich schiebt die Mutter das Tablet zur Seite. «Ferien sollen guttun – und nicht zu einem Stressfaktor werden», sagt sie leise. Damit spricht sie aus, was viele Familien in der Schweiz beschäftigt. Ferien sind nicht nur ein Höhepunkt im Jahr, sie können auch eine finanzielle Herausforderung sein.
Dieses Dilemma kennen viele Familien. Laut einer aktuellen Reiseumfrage planen Schweizer Haushalte im Schnitt rund 4000 Franken für die Sommerferien ein. Gleichzeitig zeigen Daten aus dem Schweizer Familienbarometer: 42 Prozent der Familien müssen aufgrund finanzieller Engpässe ganz auf Ferien verzichten oder ihr Budget deutlich reduzieren. Die Frage drängt sich auf: Wie viel müssen Ferien tatsächlich kosten? Und wo lässt sich sparen, ohne dass der Erholungsfaktor verloren geht?
Was Ferien wirklich kosten
Bei der Berechnung des Ferienbudgets ist es wichtig, eine detaillierte Aufschlüsselung der typischen Kosten vorzunehmen. Sonst besteht das Risiko, dass die vermeintlich günstigen Ferien viel teurer werden als ursprünglich geplant. Dazu gehören zuerst mal die Grundkosten:
- Anreise (Flug, Autofahrt, Zugfahrt)
- Unterkunft (Hotel, Ferienwohnung, Campen)
- Verpflegung (all inclusive, Halbpension, selbstständiges Kochen)
- Freizeitaktivitäten (Ausflüge, Kurse)
- Darüber hinaus ist es entscheidend, auch zusätzliche Ausgaben einzuplanen, die oft übersehen werden. Dazu zählen:
- zusätzliche Ausrüstung, etwa Winterbekleidung oder Wanderschuhe
- Versicherungsschutz und Impfungen bei exotischeren Reisezielen
- versteckte Kosten wie Parkgebühren, Gepäckkosten und Taxen
Viele Eltern schätzen die Kosten zu tief ein und sind dann überrascht, wie viel Geld sie wirklich gebraucht haben. Aus der Forschung wissen wir, dass man in den Ferien lockerer Geld ausgibt als im Alltag. Das ist auch kein Problem, solange am Ende der Ferien das Budget nicht überzogen ist.
Ferien zwischen Erwartungen und Realität
Hochglanzbroschüren und Buchungsplattformen versprechen Traumstrände, perfekte Familienmomente und rundum glückliche Kinder. Auf Social Media finden sich die entsprechenden Bilder dazu: am Strand bei Sonnenuntergang, Citytrips mit vollen Einkaufstaschen, glitzernde Hotelpools mit Rutschbahnen. Es scheint, als müssten Familienferien heute spektakulär, exotisch und jederzeit für einen Instagram-Post geeignet sein. Viele Eltern spüren dabei den Druck, ihren Kindern «auch etwas Besonderes zu bieten» – selbst wenn das Budget dies eigentlich nicht zulässt.
Doch ein Blick in die Forschung beruhigt: Kinder erinnern sich nicht an den Preis oder die Distanz einer Reise, sondern an die gemeinsamen Erlebnisse. Ein Picknick am See, eine spontane Bootsfahrt oder ein Nachmittag am Strand bleiben ihnen oft viel länger im Gedächtnis als teure Freizeitparks oder luxuriöse Resorts.
Gerade deshalb lohnt es sich, einen Schritt zurückzutreten und zu fragen: Was brauchen unsere Kinder wirklich – und was macht Ferien für unsere Familie entspannend und schön?
Ein Budget festlegen
Bei der Ferienplanung lohnt sich ein Blick auf das gros-se Ganze: Denn wie viel eine Familie tatsächlich für die Ferien aufbringen kann, hängt weniger vom Reiseziel ab als vom eigenen Haushaltsbudget. Entscheidend sind drei Faktoren, die den finanziellen Spielraum bestimmen:
- Einkommen: Familien mit stabilem oder höherem Einkommen können meist regelmässiger verreisen. Wer weniger verdient, muss stärker abwägen – oft führt das zu kürzeren Reisen, günstigeren Destinationen oder Ferien in der Schweiz.
- Fixkosten: Miete, Krankenkassenprämien, Kinderbetreuung, Lebensmittel oder Versicherungen: Diese Ausgaben laufen unabhängig von der Reise weiter. Je höher die monatlichen Fixkosten, desto weniger bleibt übrig, um für Ferien zu sparen.
- Prioritäten und Sparverhalten: Manche Familien legen bewusst Geld für Ferien zur Seite, andere sparen eher für langfristige Ziele wie eine Ausbildung, ein Auto oder eine neue Wohnungseinrichtung. Welche Rolle Ferien im persönlichen Budget spielen, bestimmt schliesslich, wie üppig oder schlicht die Reise ausfallen kann.
Wichtig ist, dass man die eigenen Möglichkeiten realistisch einschätzt und die Ferien entsprechend plant. Das heisst vielleicht, dass nur eine Woche im Jahr im Ausland möglich ist – oder gar keine. Für viele Eltern ist es schwierig, wenn sie ihren Kindern nicht die Ferien bieten können, die sie sich wünschen. Vielleicht hilft das Wissen, dass Zeit mit den Eltern wichtiger ist, als das Reiseziel.
Sparmöglichkeiten
Eine gute Planung und gezielte Entscheidungen können dazu beitragen, die Ferienkosten erheblich zu senken. Es gibt zahlreiche Sparmöglichkeiten, mit denen Familien ihre Ferien auch mit begrenztem Budget geniessen können:
- Ausserhalb der Schulferien reisen: Solange die Kinder noch nicht zur Schule gehen, sind Randzeiten und Nebensaisons unschlagbar günstig. Unterkünfte und Flüge kosten dort oft nur einen Bruchteil.
- Alternative Reisezeit trotz Schulpflicht: Auch mit Schulkindern lässt sich sparen: Im Sommer lohnt es sich, nicht an klassische Sommer-Hotspots wie Italien oder Spanien zu reisen. Nebenregionen sind deutlich günstiger und weniger überfüllt.
- Netzwerke nutzen: Ferienhaus von Freunden, Wohnungstausch oder das Chalet der Grosseltern – persönliche Kontakte können viel Geld sparen und sorgen oft für mehr Platz und Privatsphäre.
- Abflugorte vergleichen: Ab Basel, Genf, Mailand oder Stuttgart kann ein Flug massiv günstiger sein als ab Zürich. Gerade in Grenznähe lohnt sich ein Blick über die Landesgrenze.
- Flexible Reisedaten: Wer beim Abflugtag offen-bleibt, spart schnell mehrere Hundert Franken. Dienstag und Donnerstag gehören oft zu den preiswertesten Flugtagen.
- Früh buchen oder sehr kurzfristig: Frühbucher profitieren von tiefen Einstiegspreisen. Umgekehrt können spontane Last-Minute-Angebote attraktiv sein – allerdings nur für Familien, die sehr flexibel sind.
- Vergleichsportale nutzen: Plattformen schaffen Transparenz bei Preisen, Leistungen und Bewertungen. So lassen sich Unterkunft, Flug und Mietwagen oft deutlich günstiger finden.
- Ferienwohnung statt Hotel: Wer selbst kocht, spart nicht nur bei den Mahlzeiten, sondern oft auch bei der Unterkunft. Zudem gibt es mehr Platz – ein Vorteil mit Kindern.
- Gratis-Angebote recherchieren: Viele Regionen bieten kostenlose Aktivitäten wie Strandabschnitte, familienfreundliche Wanderwege, Spielplätze oder Museen mit Gratiseintritt an.
Unterstützung bei knappem Budget
Falls das Budget knapp ist und Ferien aus finanziellen Gründen nicht möglich sind, gibt es verschiedene Organisationen und Stiftungen, die Familien unterstützen. Diese bieten entweder finanzielle Hilfe bei der Ferienplanung oder ermöglichen vergünstigte bzw. kostenlose Ferienangebote. Ziel dieser Unterstützung ist es, auch Familien mit geringem Einkommen eine Auszeit von Alltag zu ermöglichen und gemeinsame Erlebnisse zu fördern.
Solche Angebote können zum Beispiel Familienferienlager, vergünstigte Aufenthalte in Ferienhäusern oder spezielle Förderprogramme für kinderreiche oder einkommensschwache Familien umfassen. Es lohnt sich, sich frühzeitig über regionale oder nationale Hilfsangebote zu informieren, da die Plätze oft begrenzt sind und Anmeldungen im Voraus erforderlich sind:
- Kovive
- Reka Ferienhilfe
- Ferienfonds Pro Juventute
- Stiftung Feriengestaltung für Kinder Schweiz
- Fit4future Sportcamps
Fazit
Ferien sind mehr als ein Tapetenwechsel. Sie sind wertvolle Familienzeit, in der Erholung und gemeinsame Erlebnisse im Mittelpunkt stehen. Doch nicht jede Familie kann spontan verreisen – die finanziellen Möglichkeiten sind unterschiedlich. Umso wichtiger ist eine Planung, die zur eigenen Situation passt. Wer frühzeitig überlegt, Prioritäten setzt und Preise vergleicht, vermeidet Stress und schafft Raum für echte Vorfreude. Ob einfache Unterkunft, Reisen ausserhalb der Hochsaison oder Unterstützung durch Ferienhilfsorganisationen: Es gibt viele Wege, schöne Ferien bezahlbar zu machen. Am Ende zählt nicht, wie teuer eine Reise ist, sondern wie bewusst und entspannt man sie gemeinsam erlebt.
Vielleicht spürt auch Maras Familie das. Als sie später wieder über dem Tablet sitzen, wirken die Bilder plötzlich weniger wie Vorgaben und mehr wie Ideen. Mara träumt von Wellen, Tim von einer Rutschbahn – und die Eltern von Tagen, die einfach guttun. Ihre Ferien müssen nicht ans Meer führen. Vielleicht ist es ein stiller See, eine kleine Hütte im Grünen oder ein Hügel mit weitem Blick über die Landschaft. Dort, wo das Lachen der Kinder im Wind hängt und die Zeit ein wenig langsamer wird, zeigt sich, worauf es wirklich ankommt: nicht auf den Flug, nicht auf den perfekten Strand, sondern auf das Gefühl, gemeinsam am richtigen Ort zu sein.
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