Fieber - Bagatelle oder Notfall?

Fieber ist keine Krankheit, sondern ein Zeichen, dass sich der Körper mit einer Erkrankung auseinandersetzt. Trotzdem sind viele Eltern verunsichert, wenn ihr Kind Fieber hat.

Gerade noch war der kleine Moritz putzmunter, jetzt liegt er mit hochrotem Gesichtchen und heissem Körper im Bett. Auch ohne Fiebermesser ist klar, dass der Kleine fiebert. Und die Messung bestätigt es: 38,8 Grad Celsius. Die normale Körpertemperatur eines Kindes liegt zwischen 36,5 und 37,5 Grad. Bei Säuglingen und Kleinkindern kann jedoch die Körperwärme besonders schnell ansteigen. Das liegt einerseits daran, dass die Temperaturregulation im Gehirn noch nicht voll entwickelt ist. Anderseits ist die Schweissbildung, das «Kühlsystem» des menschlichen Körpers, noch nicht allzu wirksam.

Auslöser ist meist eine Infektion

In den meisten Fällen wird Fieber im Kindesalter durch eine Infektion wie Mittelohrentzündung oder Angina verursacht. Fieber wirkt der Infektionsausbreitung entgegen, indem es die Bildung von weissen Blutkörperchen stimuliert und der Körper so aktiv gegen krankmachende Keime vorgehen kann. Weil Fieber aber auch die Geschwindigkeit des Stoffwechsels erhöht, kommt es zu Gewichts- und Flüssigkeitsverlust. Vor allem letzterer muss unbedingt ausgeglichen werden, indem man dem fiebernden Kind viel zu trinken gibt. Geeignet sind Tees, Säfte oder Wasser, am besten kühl. Bei sehr kleinen Kindern ist der Durst besonders gross, denn Säuglinge haben bezogen auf ihre Körperoberfläche einen hohen Flüssigkeitsbedarf. Im allgemeinen kommen Kinder mit Fieber relativ gut zurecht. Die Geschwindigkeit, mit der die Temperatur ansteigt, und die Höhe, die sie erreicht, sind nicht unbedingt ein Zeichen für die Schwere der Erkrankung. Bei einer normalen Infektion ist Fieber denn auch kein Anlass zur Besorgnis: Sobald die Infektion mit oder ohne Behandlung überstanden ist, verschwindet auch das Fieber wieder.

Um sicher zu gehen, messen Sie die Temperatur des Kindes mit einem Fieberthermometer. Gut geeignet sind Fiebermesser mit Digitalanzeige. Bei Säuglingen und Kleinkindern sollte am besten im Po gemessen werden. Damit das Einführen leichter geht, geben Sie einen Tupfer Creme auf die Spitze des Fiebermessers. Ältere Kinder können auch unter der Achsel gemessen werden. Wenn das Kind nicht friert, sollten Sie es nicht zu dick einpacken. Ein dünner Schlafanzug und eine leichte Decke genügen. Steigt das Fieber trotzdem weiter, können Sie bei Temperaturen über 39,0 Grad auch fiebersenkende Medikamente geben. Je nach Lebensalter und Körpergewicht gibt es Zäpfchen oder Kautabletten verschiedener Stärke.

Bei einem Baby unter drei Monaten muss man bereits auf leicht erhöhte Temperatur reagieren, also wenn das Thermometer mehr als 37,8 Grad zeigt. In diesem Fall sollte man nicht fiebersenkende Mittel geben, sondern den Arzt/die Ärztin anrufen. Kleine Babys sind durch Infektionen nämlich besonders gefährdet. Mit der Zeit können Eltern einschätzen, wie dringend ein Arztbesuch ist. Steigt die Temperatur sehr schnell an und ist durch fiebersenkende Massnahmen und Medikamente nicht zu beeinflussen, sollte man ebenfalls den Arzt/die Ärztin konsultieren. Ebenso wenn das Kind Flüssigkeit verweigert oder erbricht. Auch wenn es über Schmerzen klagt oder seine Körperhaltung diese vermuten lässt, sollte man ärztliche Hilfe aufsuchen. Auf jeden Fall müssen Eltern keine Scheu haben, sich an den Kinderarzt oder die Kinderärztin zu wenden, wenn sie unsicher sind und sich grosse Sorgen um ihr Kind machen.

Fieber senken

Wadenwickel: Tauchen Sie Tücher (Stoffwindeln, Handtücker) in kühles Wasser (nicht unter 20 Grad Celsius!), wringen Sie sie aus und wickeln Sie diese um die Waden des Kindes. Darunter kommt eine wasserdichte Unterlage. Sobald der Wickel körperwarm ist, wird er erneuert.

Kühlen Sie das Kind, indem Sie es mit einem nassen Waschlappen abreiben. Vorsicht: Das Wasser darf nicht unter 20 Grad Celsius sein, damit das Kind nicht fröstelt.

Nützen diese Massnahmen nicht, kann man fiebersenkende Medikamente, am besten in Form von Zäpfchen, geben. Diese helfen in der Regel auch gegen Schmerzen. Halten Sie sich bei der Dosierung an die Empfehlungen auf der Packungsbeilage.

In jedem Fall nicht vergessen, dem Kind genügend zu trinken anzubieten!

Jetzt aber schnell zum Arzt!

Fieberkrampf:
Vier bis fünf Prozent aller Kinder erleiden zwischen sechs Monaten und fünf Jahren einen Fieberkrampf. Die Symptome: Das Kind wirkt apathisch, verdreht die Augen, hat Zuckungen, kann sogar für Sekunden oder Minuten bewusstlos werden. Glücklicherweise bleibt ein Fieberkrampf meist ohne Folgen, trotzdem muss der Arzt konsultiert werden.

Sehr hohes Fieber:
Wenn das Fieber auf 40 Grad steigt und sich auch durch Medikamente nicht senken lässt.

Sehr kleine Kinder:
Temperaturen über 38 Grad bei Babys bis zu sechs Monaten sollten vom Arzt abgeklärt werden. Bei Kindern zwischen 6 Monaten und 3 Jahren sind 39 Grad die kritische Temperatur.

Andauerndes Fieber:
Sinkt das Fieber auch nach zwei bis drei Tagen nicht, muss eine Abklärung vorgenommen werden.

Besorgniserregende Begleiterscheinungen:
Krämpfe, schwere Atmung oder andere Auffälligkeiten machen einen Arztbesuch erforderlich.

«Man darf Fieber nicht verharmlosen.»

Interview mit PD Dr. Maren Tomaske, Chefärztin der Klinik für Kinder und Jugendliche am Stadtspital Triemli in Zürich.

 

Fiebernde Kinder verunsichern viele Eltern. Weshalb ist das so?
PD Dr. Maren Tomaske: Fieber ist immer ein Zeichen dafür, dass einem Kind etwas fehlt. Eltern, die sich stets für das Wohl ihrer Kinder verantwortlich fühlen, geraten dadurch rasch in Sorge. Auf den ersten Blick lässt sich kaum sagen, ob sich hinter dem Fieber eine banale Erkrankung oder aber ein ernsthaftes Problem verbirgt.

Kann Fieber auch ein Hinweis auf eine schwere Erkrankung sein?
Die Liste möglicher Ursachen für Fieber ist sehr lang. Obwohl dabei meistens harmlosere Erkrankungen im Vordergrund stehen, kann Fieber auch ein erster Hinweis auf eine schwere Krankheit sein. Dies ist der Grund, weshalb man dieses Symptom nicht einfach verharmlosen darf, sondern stets nach dem Ursprung der erhöhten Temperatur suchen muss.

Was halten Sie von alternativen fiebersenkenden Mitteln wie Wadenwickel?
Alle fiebersenkenden Mittel haben dasselbe Ziel: die deutlich erhöhte Körpertemperatur soll gesenkt werden, um dem kranken Kind dadurch Linderung zu verschaffen. Dies kann durchaus durch Wadenwickel erreicht werden. Wichtig ist, dass die getroffene Massnahme dem Kind wirklich Erleichterung bringt.

Sind fiebersenkende Medikamente speziell für Kinder wirklich harmlos?
Keine medikamentöse Therapie darf verharmlost werden. Wie bei allen anderen Medikamenten gilt auch für fiebersenkende Mittel, dass sie nur in den für die Kinder vorgesehenen Dosierungen verabreicht werden sollen. Wird der gewünschte Effekt nicht erreicht, ist dies ein Grund, den Arzt zu konsultieren.

Ist es sinnvoll, stündlich die Temperatur zu messen und eine Tabelle zu führen?
Obwohl der Verlauf des Fiebers wichtig ist, muss zuhause nicht stündlich Fieber gemessen werden. Im allgemeinen genügen Messungen morgens, mittags und abends. Es kann die Arbeit des Arztes erleichtern, wenn die Eltern sich die gemessenen Temperaturen aufschreiben.

Wann sollte man den Arzt aufsuchen?
Zwei Faktoren spielen bei dieser Frage eine wichtige Rolle: das Alter des kranken Kindes und sein Allgemeinzustand. So erfordert Fieber in den ersten drei Lebensmonaten immer einen Arztbesuch. Kommen Schmerzen zum Fieber hinzu, oder ist das Kind schläfrig, vielleicht in seinem Bewusstsein getrübt, so sind auch dies zwingende Gründe, den Arzt aufzusuchen.

erstellt von Marianne Siegenthaler