Seit 80 Jahren steht das Kinderdorf Pestalozzi für Bildung, Begegnung und Kinderrechte. Eine interaktive Ausstellung, historische Führungen und ein einzigartiges Archiv laden Familien dazu ein, in die bewegte Geschichte des Dorfs einzutauchen und zu erfahren, weshalb seine Themen heute immer noch aktuell sind.
Wo Kinderzeichnungen Geschichte erzählen
Im ausserrhodischen Trogen liegt ein Ort, den viele dem Namen nach kennen: das Kinderdorf Pestalozzi. Doch was steckt hinter diesem Ort, den die Schweizer Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg für die Aufnahme von Kriegswaisen errichtet hat? Und wie entwickelte sich das Dorf zu einem Bildungsort, an dem sich heute Kinder und Jugendliche aus verschiedenen Kulturen begegnen, sich mit ihren Rechten und dem friedlichen Zusammenleben beschäftigen?
Antworten darauf gibt die interaktive Ausstellung im Besucherzentrum. Sie führt zurück ins Jahr 1946. Damals rief der Schweizer Philosoph und Journalist Walter Robert Corti dazu auf, ein Dorf für europäische Kriegswaisen zu errichten. Die Idee stiess in der Bevölkerung auf grosse Unterstützung. So wurde in Trogen der Grundstein für einen Ort gelegt, an dem Kinder aus verschiedenen Ländern gemeinsam aufwachsen sollten.
Zahlreiche Bilder, Hörstationen, Filme und historische Gegenstände machen diese bewegte Geschichte für Erwachsene und Kinder immersiv zugänglich. Dabei geht es nicht nur um die Vergangenheit. Die Ausstellung zeigt auch, wie sich die Aufgaben des Kinderdorfs verändert haben und weshalb Bildung und Kinderrechte heute im Zentrum der Stiftungsarbeit stehen.
Geschichte aus nächster Nähe
Noch interaktiver wird die Zeitreise bei einer Führung durch die Ausstellung und das Dorf. Dabei erfahren Besucher:innen, wie das Zusammenleben früher organisiert war, welche Ideen hinter der Architektur stecken und wie sich der Alltag im Kinderdorf über acht Jahrzehnte verändert hat.
Öffentliche Führungen finden jeweils am ersten Sonntag des Monats statt. Für Familiengruppen, Vereine, Schulklassen oder Freundeskreise können auch private Museums- und Dorfführungen gebucht werden.
Kinderzeichnungen als historische Zeitzeugnisse
Ein besonderer Schatz lagert im Archiv und in den Sammlungen der Stiftung. Dazu gehören rund 10 000 bis 15 000 Kinderzeichnungen, Alltagsgegenstände, Briefe, Fotografien und Drucke aus fast einem Jahrhundert. Viele Werke stammen von Kindern und Jugendlichen, die als Kriegs- oder Sozialwaisen im Kinderdorf lebten.
Die Bilder erzählen von Familie und Freundschaft, von Erinnerungen an die Heimat, vom Alltag im Dorf, aber auch von Krieg, Verlust, Hoffnung und Neuanfang. Die Werke sind weit mehr als Kinderzeichnungen: Sie sind historische Dokumente mit persönlichen Geschichten.
Davon zeugt auch das historische Kinderdorfmagazin «Freundschaft». Zwischen 1950 und 1992 hielten Kinder und Jugendliche darin ihre Gedanken, Erlebnisse und Gefühle in Texten und Zeichnungen fest. 2025 wurde das Magazin in das internationale UNESCO-Register «Memory of the World» aufgenommen. Die Auszeichnung würdigt die historische, kulturelle und emotionale Bedeutung dieser besonderen Zeitzeugnisse.
Ein Ausflug für alle Generationen
Nach dem Museumsbesuch ist der Entdeckungstag noch lange nicht vorbei. Das Kinderdorf Pestalozzi ist eine Erlebniswelt für alle Generationen. Freizeit- und Sportplätze, Grillstellen sowie eine Cafeteria bieten Raum zum Spielen, Verpflegen und Verweilen. Ein
Krimi-Trail durchs Dorf führt Kinder und Jugendliche ausserdem spielerisch an ihre Rechte heran. Das Kinderdorf Pestalozzi freut sich auf Ihren Besuch.
Mehr unter: pestalozzi.ch/dorf