Die erste Nationale Woche gegen Food Waste lädt dazu ein, einen bewussteren Umgang mit Lebensmitteln zu finden – mit einfachen und praxis-tauglichen Ideen für den Alltag.
Gemeinsam mehr draus machen
Der angegessene Joghurt zuhinterst im Kühlschrankfach, das übrig gebliebene Sandwich aus der Znünibox oder der Rest Pasta von gestern: Lebensmittelverschwendung passiert im Familienalltag wohl nie aus Absicht, sondern oft, weil zwischen Schule, Arbeit, Freizeit und Einkauf schlicht die Zeit oder der Überblick fehlt. Genau hier setzt die erste Nationale Woche gegen Food Waste an, die vom 12. bis 20. September in der ganzen Schweiz stattfindet.
Unter dem Motto «Mach mehr draus!» engagieren sich Unternehmen, Schulen, Restaurants, Gemeinden und Organisationen gemeinsam dafür, Lebensmittel wieder stärker wertzuschätzen und deren Verluste zu vermindern. Auch Familien stehen dabei im Mittelpunkt. Denn ein grosser Teil des vermeidbaren Food Waste entsteht zuhause.
Einen Drittel werfen wir weg
In der Schweiz fallen pro Jahr entlang der gesamten Lebensmittelkette rund 2,8 Millionen Tonnen vermeidbare Lebensmittelverluste an. Besonders relevant sind die privaten Haushalte: Mehr als ein Drittel der Umweltbelastung durch Food Waste entsteht in Küchen, Kühlschränken und Vorratsschränken zuhause. Die Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften ZHAW schätzt, dass Schweizer Haushalte jährlich rund 720 000 Tonnen essbare Lebensmittel wegwerfen.
In jedem entsorgten Lebensmittel stecken wertvolle Ressourcen. Für die Produktion von Gemüse, Brot oder Käse braucht es Wasser, Energie, Boden und Arbeitszeit. Werden Lebensmittel entsorgt, gehen all diese Ressourcen mit verloren. Lebensmittelverschwendung belastet deshalb Umwelt und Klima unnötig. Laut dem Bund verursacht sie rund ein Viertel der Umweltbelastung unseres Ernährungssystems.
Halb so viel bis 2030
Um diese Verluste zu reduzieren, hat der Bundesrat 2022 einen Aktionsplan gegen die Lebensmittelverschwendung verabschiedet. Das Ziel: Die vermeidbaren Lebensmittelverluste sollen bis 2030 halbiert werden – verglichen mit dem Stand von 2017. Ein erster Zwischenbericht zeigt, dass Fortschritte sichtbar sind. Engagierte Unternehmen aus Detailhandel und Gastronomie erfassen ihre Verluste heute systematisch und setzen erfolgreich Massnahmen zur Reduktion der Verluste um.
Insgesamt konnten die vermeidbaren Lebensmittelverluste seit 2017 laut Schätzungen um rund 5 % reduziert werden. Gleichzeitig zeigt der Bericht auch: Damit die Schweiz ihr Ziel erreicht, braucht es weiterhin Veränderungen im Alltag. Genau dazu will die Nationale Woche gegen Food Waste motivieren. Im Zentrum stehen praktische Ideen und positive Erfahrungen beim kreativen Kochen, schlau Einkaufen und Lagern von Lebensmitteln.
Während der Nationalen Woche finden schweizweit Veranstaltungen, Mitmachaktionen und Informationsangebote statt. Schulen thematisieren den Wert von Lebensmitteln im Unterricht, Restaurants bieten spezielle Menüs aus überschüssigen Zutaten an und Detailhändler zeigen Wege auf, wie Lebensmittel länger genutzt werden können.
Praktische und alltagstaugliche Lösungen
Viele Eltern kennen die Situation: Ein Kind mag plötzlich ein gewisses Gemüse nicht mehr, der Wochenplan funktioniert nicht oder nach einem hektischen Tag fehlt schlicht die Energie zum Kochen. Food Waste entsteht oft nicht aus Gleichgültigkeit, sondern aus einem anspruchsvollen Alltag heraus. Umso wichtiger sind Lösungen, die einfach und praktisch sind in der Umsetzung.
Besonders hilfreich kann es sein, Kinder stärker einzubeziehen. Schon kleine Aufgaben fördern den bewussten Umgang mit Lebensmitteln: beim Einkauf mithelfen, die Znünibox gemeinsam vorbereiten oder aus Resten ein neues Gericht erfinden. Kinder erleben dabei, dass Lebensmittel nicht selbstverständlich immer verfügbar sind und welchen Wert sie haben.
Viele Familien entdecken dadurch auch neue Rituale. Manche führen einen «Restetag» ein, andere lassen Kinder einmal pro Woche bestimmen, was aus übrig gebliebenen Zutaten gekocht wird. Oft entstehen daraus überraschend kreative Gerichte – und gleichzeitig Gespräche darüber, woher Lebensmittel eigentlich kommen.
Auch das Thema Haltbarkeit sorgt häufig für Unsicherheit. Viele Produkte sind länger geniessbar, als man denkt. Das Mindesthaltbarkeitsdatum bedeutet nicht automatisch, dass ein Lebensmittel am nächsten Tag verdorben ist. Sehen, riechen und probieren hilft oft weiter. Anders ist es beim Verbrauchsdatum auf leicht verderblichen Lebensmitteln wie rohem Fisch oder Fleisch – diese Produkte sollten nicht mehr konsumiert werden, wenn das Verbrauchsdatum überschritten ist.
Mit gutem Beispiel voran
Gerade für Kinder ist der Umgang mit Lebensmitteln prägend. Sie beobachten, wie Erwachsene einkaufen, kochen und mit Resten umgehen. Wird ein leicht brauner Apfel aussortiert oder selbstverständlich noch gegessen? Werden übrig gebliebene Teigwaren weggeworfen oder am nächsten Tag weiterverwendet? Oder greifen die Eltern beim Einkaufen auch mal nach einem krummen Rüebli oder nach der kleinen Birne? Solche Erfahrungen beeinflussen, wie Kinder später selbst mit Lebensmitteln umgehen.
Die Nationale Woche gegen Food Waste möchte zu kleinen Veränderungen im Alltag anstossen. Schon einfache Gewohnheiten können Wirkung zeigen: bewusster einkaufen, Portionen besser einschätzen oder Reste sichtbar aufbewahren. Wenn viele Haushalte kleine Schritte machen, entsteht gemeinsam eine grosse Wirkung.
Für Familien bringt die Reduktion von Food Waste auch finanzielle Vorteile. Lebensmittel für rund 620 Franken pro Person werfen Schweizerinnen und Schweizer jährlich weg. Wer Lebensmittel besser nutzt, spart also Geld, viele weitere Ressourcen und kann gleichzeitig neue Ideen fürs gemeinsame Kochen entdecken.
Als Familie bei der Nationalen Woche dabei sein
- Restetag ausprobieren: Einmal pro Woche werden übrig gebliebene Lebensmittel kreativ verwertet. Hier gibt es tolle Rezepte
- Kinder mitentscheiden lassen: Gemeinsam überlegen, was aus Resten noch gekocht werden kann.
- Mitmachen beim Projekt Aufgabeln! und zwei Wochen lang messen, was zuhause im Abfall landet. Mit einer App geht das ganz unkompliziert: Was fällt an? Wieviel und warum?
- Auf Mindesthaltbarkeitsdaten achten: Lebensmittel sind oft länger geniessbar, als viele denken. Hier geht’s zum Haltbarkeits-Checker
- Weitere Informationen zur Nationalen Woche gegen Food Waste gibts hier

Das Motto der ersten Nationalen Woche gegen Food Waste