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Bildungsqualität sichern – konkrete Massnahmen

Der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) und mehrere kantonale Sektionen präsentieren im «Aktionsplan Bildungsqualität» konkrete Massnahmen gegen den Personalmangel. Was sollten Eltern wissen und welche Lösungen sind geplant?

Bild: © ESB Professional/shutterstock.com

Mittlerweile ist es ein jährliches Ritual zum Schulstart: Die Kantone melden, wie viele Lehrerinnen- und Lehrerstellen noch offen sind – gleichzeitig hoffen Eltern, dass ihr Kind auf eine Lehrperson zählen kann. Um akute Engpässe zu überbrücken, gehen immer mehr Kantone dazu über, Personen ohne Lehrdiplom anzustellen. Im Kanton Zürich beispielsweise seien gemäss dem Argumentarium zum Aktionsplan Bildungsqualität aktuell rund 600 von total 18 000 Lehrerinnen- und Lehrerstellen von Personen ohne Lehrdiplom besetzt. Das entspricht einem Anteil von rund 3 Prozent. In anderen Kantonen sei dieser Anteil nochmals deutlich höher. So verfüge beispielsweise im Kanton Bern mittlerweile jede fünfte Lehrperson nicht über eine zu ihrer Funktion passende Ausbildung. Diese Notlösung dürfte nicht zum Dauerzustand werden, führte Stefan Wittwer, Geschäftsführer von Bildung Bern, an einer Medienkonferenz aus: «Kinder und Jugendliche zu unterrichten, ist eine wichtige und anspruchsvolle Aufgabe. Eine entsprechende Ausbildung ist zwingend, wenn wir unseren Kindern die bestmögliche Ausbildung garantieren möchten.» Und auch die LCH-Präsidentin Dagmar Rösler stellte am gleichen Anlass klar: «Bildung ist eine Investition in die Zukunft der Schweiz und ihrer Bevölkerung. Der wirtschaftliche Erfolg der Schweiz sowie ihre demokratische Stabilität gründen auf fachlich gut abgestützter Bildung für möglichst alle. Die Schülerinnen und Schüler von heute sind die Fachkräfte und die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger von morgen. Das ist das wahre Erfolgsmodell Schweiz.»

Noch gelingt es in den Kantonen meist, die fehlenden Lehrpersonen kurzfristig zu ersetzen. Dank Improvisation und grossem Einsatz von Schulleitungen und Teams vor Ort findet der Unterricht immer irgendwie statt. Doch klar ist: Der Personalmangel spitzt sich seit Jahren zu – ohne Gegenmassnahmen wird das Problem nicht von alleine verschwinden.

Ein Bündel an Massnahmen geplant

Um den Personalmangel an den Schulen zu bekämpften, braucht es ein Bündel an Massnahmen. Der LCH und die kantonalen Verbände schlagen im Aktionsplan Bildungsqualität folgende Massnahmen vor, die in den einzelnen Kantonen je nach Situation angepasst werden:

  • Entlastung von administrativen Aufgaben. Lehrpersonen sollen sich wieder auf den Unterricht konzen-trieren können.• Stärkung der Position der Klassenlehrperson mit entsprechenden Ressourcen. Die Klassenlehrperson ist eine wichtige Schnittstelle zwischen Fachlehrpersonen, Schülerinnen und Schüler sowie Eltern.
  • Mehr Unterstützung für die gezielte Förderung der Schülerinnen und Schüler. Mittels Teamteaching, Klassenassistenzen oder Einsatz von schulischen Heilpädagoginnen und Heilpädagogen sollen einzelne Schülerinnen und Schüler gezielt unterstützt werden.
  • Kleinere Klassen und zeitweiser Halbklassenunterricht. So haben die Lehrpersonen mehr Zeit für das einzelne Kind und die Belastung der Lehrpersonen wird reduziert.
  • Eine Verpflichtung zur Ausbildung für Personal ohne Lehrdiplom. Dabei ist es wichtig, diese Personen während ihrer Ausbildung finanziell und zeitlich zu unterstützen.
  • Mehr und passendere Angebote für qualifizierte Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger. Es braucht insbesondere eine Lösung für den Erwerbsausfall sowie berufsbegleitende Studiengänge.
  • Mehr Ausbildungsplätze für Lehrpersonen. Die Politik muss Rahmenbedingungen schaffen, damit die Hochschulen das durch den steigenden Bedarf an Lehrpersonen entstehende Wachstum bewältigen können.
  • Eine angemessene Unterstützung für Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger. Begleitung in der Berufseinstiegsphase und eine gezielte Unterstützung sollen Berufsaustritte verhindern.
  • Eine Angleichung der Löhne und bessere Löhne auf den unteren Stufen. Kantone mit zu tiefen Löhnen müssen nachziehen, insbesondere auf unteren Stufen.

Volksinitiativen in den Startlöchern

Als erste Kantonalsektion steht der Aargauische Lehrerinnen – und Lehrerverband (alv) mit seiner Volksinitiative in den Startlöchern. «Wir haben mit der Sammlung der Unterschriften im Januar gestartet», sagte alv-Präsidentin Kathrin Scholl. «Die Initiative hat zum Ziel, die Bildungsqualität als Auftrag in der Kantonsverfassung zu verankern. So beauftragen wir die Politik, endlich konkrete Massnahmen zu ergreifen.»

Volksinitiativen sind auch in den Kantonen Bern und Zug geplant, in weiteren Kantonen laufen Abklärungen. Wieder einen anderen Weg wählt der Verband Lehrpersonen Graubünden (LEGR): «Wir sind mitten in der Revision des Schulgesetzes», erklärte Geschäftsleiter Jöri Schwärzel. «Damit unsere Anliegen vom Kanton gehört werden, lancieren wir eine Petition als starkes Signal an Regierung und Parlament, dass der Bevölkerung die Bildungsqualität wichtig ist.»

Aktionsplan Bildungsqualität

Als Gesellschaft sind wir dazu verpflichtet, in Bildung zu investieren. Sie ist das Fundament für den wirtschaftlichen Erfolg und den Wohlstand der Schweiz. Das Recht auf Bildung ist ein Menschenrecht, das allen Menschen – vor allem allen Kindern – zusteht. Das Recht jedes Kindes auf Bildung ist ein wesentlicher Bestandteil der UNO-Kinderrechtskonvention. Die Förderung von Bildung und Bildungsqualität ist jedoch auch ein Verfassungsauftrag: Gemäss Art. 61a der Bundesverfassung müssen Bund und Kantone «für eine hohe Qualität und Durchlässigkeit des Bildungsraumes Schweiz» sorgen. Der Bildungsbereich ist föderalistisch organisiert. Mit Ausnahme der ETH liegt die Zuständigkeit über die Schulen weitgehend in der Verantwortung der Kantone. Entsprechend müssen Massnahmen zur Sicherung der Bildungsqualität auf kantonaler Ebene ansetzen. Der Aktionsplan Bildungsqualität ist eine koordinierte Initiative des LCH und der kantonalen Lehrpersonenverbände zur Sicherung der Bildungsqualität. Je nach kantonalen Gegebenheiten erfolgt die Umsetzung mittels Volksinitiative, Petition, politischen Vorstössen oder weiteren Aktionen. Ziel dieser kantonalen Aktionen ist es, die Bildungsqualität als Verfassungs- oder Gesetzesauftrag in den Kantonen zu verankern.

Auf der Website www.bildungsqualitaet-sichern.ch sind alle Vorschläge und Forderungen sowie eine Übersicht über alle Aktionen in den Kantonen zu finden.