Welche Bedeutung hat das Atemzentrum für das Erkennen einer Eröffnungswehe?

Das Atemzentrum kennt die Menge Luft, die die Frau einatmen muss; das Atemzentrum gerät nie ausser Kontrolle. Das Urvertrauen in das Atemzentrum ist unentbehrlich.

Mit dem Wissen über das Atemzentrum und den Ablauf der Atmung ist es möglich, die ersten Eröffnungswehen zu erkennen. Drei Symptome melden eine Eröffnungswehe:

1. Die Frau kann sich nicht mehr fortbewegen,
2. Die Frau kann nicht mehr reden, …
3. … weil das Atemzentrum sie dazu zwingt, tiefer durchzuatmen.

Das Atemzentrum zwingt die Frau tiefer durchzuatmen, weil der Körper während der Wehentätigkeit mehr Sauerstoff benötigt. Wenn diese drei Symptome ungefähr eine Minute andauern, dann hat die Frau Eröffnungswehen.
Folgt auf diese Eröffnungswehe eine Ruhepause von ungefähr vier Minuten, in der die Frau wieder normal atmen, umhergehen und reden kann, und beginnt daraufhin wieder eine Minute Wehe, dann ist ein Rhythmus in der Wehentätigkeit am Entstehen. Bevor sich ein solcher Wehenrhythmus aber wirklich durchsetzt, hat die Frau schon über längere Zeit hinweg Wehen verspürt und diese veratmet oder verarbeitet. Wenn der Wehenrhythmus entsteht, sollte sich die Frau mit ihrer Hebamme in Verbindung setzen. Am Atemrhythmus der Frau kann eine Fachperson erkennen, ob es sich um eine regelmäßige Wehentätigkeit handelt.


Vertraut die Frau darauf, dass das Atemzentrum die Sauerstoffmenge kennt, dann versteht sie, wie viel sie einatmen muss. In einer möglichst bequemen Position kann sie ihr Atemzentrum gelassen wahrnehmen und dessen Anleitungen befolgen.
Solange auf die Eröffnungswehe eine Ruhepause folgt, gelingt das Atmen während der Wehe gut, da sich die Frau zwischen den einzelnen Wehen erholen kann. Der Partner kann diese Wehen mit ihr veratmen und dabei lernen, wie viel die Frau jetzt einatmen muss.
Im Verlauf der Geburt werden die Ruhepausen zwischen den Eröffnungswehen immer kürzer. Möglicherweise wird die Frau vom ständigen Zusammenziehen der Gebärmutter überfordert. Es könnte Panik entstehen, die Gebärende atmet in der Folge über den Mund zu viel ein und beginnt zu hyperventilieren. Dann nimmt sie zu viel Sauerstoff auf, ihr wird übel, Brechreiz kommt auf, die klare Geburtsvorstellung verschwindet und der Schmerz nimmt überhand. In dieser Situation kommt wieder der Partner zum Zug. Er versteht, dass die Frau, angestrengt vom Geburtsgeschehen, zu viel und zu tief atmet. Nun ist es wichtig, dass der Partner die Frau sofort anweist, möglicherweise korrigiert: »Nicht über den Mund, sondern durch die Nase einatmen!« Durch die Nase kann die Frau nicht hyperventilieren, die Nasenlöcher sind dafür zu klein.

Lässt die Frau sich von ihrem Partner anleiten, verschwindet der Brechreiz, die Geburtslogik kehrt zurück, der Schmerz wird wieder erträglicher

Faustregel für Erstgebärende:
Besagter Wehenrhythmus – eine Minute Eröffnungswehe und vier Minuten Wehenpause während längerer Zeit – signalisiert die beginnende Öffnung des Muttermundes. Die Geburt nimmt ihren Lauf und die Hebamme sollte informiert werden.

Quelle: «Was geschieht bei der Geburt?» von Antoinette El Agamy Etman

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