Kaffee in der Schwangerschaft?

"Latte" ohne "macchiato" in der Schwangerschaft? In England wurden die Empfehlungen für die Koffeinaufnahme in der Schwangerschaft nach unten revidiert. Sollen Frauen am besten gleich auf Koffein verzichten, wenn sie in guter Hoffnung sind?

Von literweise Kaffee und schwarzem Tee in der Schwangerschaft wird abgeraten - das ist allgemein bekannt. Doch wie viel Koffein ist nun erlaubt in der Schwangerschaft? Die deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), das Europäische Informationszentrum für Lebensmittel (EUFIC) und die American Dietetic Association (ADA) in den USA sind sich einig: Von einer moderaten Koffeinaufnahme (unter 300 mg, das sind drei Tassen Kaffee bzw. sechs Tassen Tee pro Tag) sind keine negativen Wirkungen zu erwarten.

In Grossbritannien ist die zuständige Behörde (Food Standards Agency, FSA) vorsichtiger: Die Empfehlungen für die Koffeinaufnahme wurden kürzlich auf 200 mg pro Tag (zwei Tassen Kaffee bzw. vier Tassen Tee pro Tag) heruntergeschraubt. Ein plausibler Schritt?

Schutzlos dem Koffein ausgeliefert
Was rückt Koffein ins Zentrum der Aufmerksamkeit? Es wird rasch absorbiert und kann die Plazenta uneingeschränkt passieren, die Koffeinkonzentration im fötalen Blutplasma gleicht also jener der Mutter. Gleichzeitig ist der Fötus noch schlecht gegen Koffein gewappnet: Das Hauptenzym im Koffeinstoffwechsel (Cytochrom P450 1A2) ist in Plazenta und Fötus nicht vorhanden. Wie sich ein übermässiger Koffeinkonsum auf den Fötus auswirkt, wird in der Fachwelt kontrovers diskutiert. Einige epidemiologische Studien hatten im Laufe der letzten 40 Jahre herausgefunden, dass bei einer hohen Koffeinaufnahme der Schwangeren die Kinder zu früh oder mit geringerem Gewicht auf die Welt kommen. Auch das Risiko für Fehl- und Totgeburten bei übermässigem Koffeinkonsum wurde oftmals untersucht. Übersichtsstudien können zwar eine Tendenz für ein erhöhtes Risiko mit steigender Koffeinaufnahme (ab vier Tassen Kaffee) ausmachen. Der Zusammenhang ist aber zu schwach, um die Effekte definitiv auf Koffein zurückzuführen. Ausserdem sind die Studienergebnisse mit Vorsicht zu geniessen. Sie wurden in mehreren Folgestudien nicht bestätigt. Zudem wurden Interpretations- und Methodikfehler aufgedeckt - Faktoren, die massgeblich für den Schwangerschaftsausgang verantwortlich sind (so genannte Confounding Factors), wurden teilweise nicht berücksichtigt.

Viel Koffein - niedrigeres Geburtsgewicht
Die CARE-Group Studie mit 2600 Teilnehmerinnen hatte die FSA dazu veranlasst, ihre Empfehlungen für die Koffeinaufnahme in der Schwangerschaft herunterzuschrauben. Mit der CARE-Group Studie wurde untersucht, ob eine bestimmte Aufnahmemenge an Koffein in der Schwangerschaft für ein erniedrigtes Geburtsgewicht verantwortlich sein könnte. Das Ergebnis: Die Babies, deren Mütter über 200 mg Koffein pro Tag konsumierten, wogen bei der Geburt um 60-70 g weniger als jene, deren Mütter unter 100 mg Koffein pro Tag konsumierten. Dies mag für gesunde Babies, die zum errechneten Tag geboren werden, keine Rolle spielen. Für Frühgeburten oder kranke Kinder könnten 60 g mehr oder weniger schon ins Gewicht fallen.  Auf die Gewichtsentwicklung des Fötus nehmen aber auch einige andere Faktoren Einfluss, die die Studienautoren ungenügend miteinbezogen. Im Dunkeln bleibt etwa, wie sich der Zigarettenkonsum der Probandinnen in der Zeit der Schwangerschaft verändert hatte. Wichtig ist dies deswegen, weil das Rauchen in der Schwangerschaft als alleiniger Faktor für ein niedriges Geburtsgewicht verantwortlich sein kann.

Ein zweiter Punkt fand ebenso wenig Beachtung: die Morgenübelkeit. Denn Schwangere mit Morgenübelkeit können sich über eine höhere Wahrscheinlichkeit für ein Happy End der Schwangerschaft freuen. Übelkeit in der Schwangerschaft wird durch die steigenden Hormonkonzentrationen ausgelöst, die das frühe Wachstum der Plazenta stimulieren. So reduziert sich das Risiko für eine Fehlgeburt und für ein untergewichtiges Neugeborenes. Weiters ist zu bedenken, dass bei Übelkeit weniger bzw. gar kein Kaffee getrunken wird: Man weiss nicht, ob ein kontinuierlich hoher Koffeinkonsum riskant für den Fötus ist, oder eine bestehende hohe Aufnahme (bei wenig Übelkeit) ein Indikator für eine unglücklich ausgehende Schwangerschaft ist. Daher wäre es sinnvoll, Frauen mit und ohne Übelkeit gesondert zu untersuchen.

Fazit
Die wissenschaftliche Studienlage zu übermässigem Koffeinkonsum in der Schwangerschaft ist nach wie vor uneinheitlich. Wissenschaftliche Gesellschaften wie die DGE und die ADA haben die vorliegenden Studien bewertet und empfehlen, in der Schwangerschaft Kaffee und andere koffeinhaltige Lebensmittel moderat zu konsumieren (unter 300 mg Koffein bzw. unter drei Tassen Kaffee). Bei diesen Mengen sind nach überwiegender Studienlage keine schädlichen Wirkungen zu erwarten. Die aktuell geänderten Empfehlungen für die Koffeinaufnahme in Großbritannien auf 200 mg Koffein pro Tag in der Schwangerschaft stützen sich auf eine einzige Studie und sind somit als sehr rigide Vorsichtsmassnahmen zu sehen. Im Auge sollte man dennoch andere Koffeinquellen behalten, um unter den 300 mg Koffein pro Tag zu bleiben.


Koffeingehalt in Lebensmitteln

  • Cola und Energy Drinks: 12-60 mg/300 ml Dose
  • Eistee: 15-25 mg/300 ml Dose
  • Tee (Schwarz- und Grüntee): 20-50 mg/300 ml Tasse
  • Mate-Tee: 30-60 mg/300 ml Tasse
  • Entkoffeinierter Kaffee: 4-8 mg/300 ml Tasse
  • Instant-Kaffee: 40-140 mg/300 ml Tasse
  • Gebrühter Kaffee: 60-200 mg/300 ml Tasse
  • Schokolade: 5-35 mg/50 g

erstellt von forum_ernaehrung

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