Schwangerschaft, Entwicklung der Kinder und Stress

Eine Schwangerschaft ist mit vielen körperlichen, psychischen und sozialen Herausforderungen verbunden. Das heisst auch mit Stress im positiven oder negativen Sinn.

Sowohl körperlicher als auch psychischer Stress kann durch die Mutter-Kind-Verbindung ebenso vom Fötus als solcher erlebt werden. Der natürliche Prozess der Schwangerschaft bietet je nach Phase einen Schutz gegen Stress für die Mutter und für den Fötus. Daneben ist es von Vorteil für Mutter und Kind wohltuende Bewältigungsstrategien gegenüber negativem Stress ein zu setzen. So ist es in schwierigen Fällen mutig und ratsam sich für professionelle Hilfe zu entscheiden und diese in Anspruch zu nehmen.

Manchmal braucht das Wunder einer Schwangerschaft und einer gesunden Entwicklung auch ein bisschen Unterstützung vom Menschen.

Schwangerschaft - Veränderungen wichtiger Lebensbereiche
Für die werdende Mutter ist ihre Schwangerschaft eine erlebnisreiche Zeit mit vielen Herausforderungen. Eine Schwangerschaft ist eine unvergleichbare Höchstleistung der Natur und geht mit körperlichen und psychischen Veränderungen einher. Das was unser Körper während einer Schwangerschaft leistet, ist einmalig in der Natur. Dabei laufen chemisch-hormonelle Prozesse ab, welche nicht einmal in einem hoch entwickelten chemischen Labor möglich sind. Parallel dazu kommt es zu einer äusserlichen körperlichen Anpassung an die Schwangerschaft. Die Haut dehnt sich aus und das Gewicht nimmt zu. Diese Anpassungen des Körpers geschehen langsam und stetig, damit die Mutter sich auch daran gewöhnen kann. Dies kann als schön empfunden werden oder aber wie von einigen Frauen als belastend und wenig attraktiv. Letzteres kann zu einem Stressfaktor werden, welcher das Wohlbefinden einer werdenden Mutter beeinflussen kann. Das äussere Erscheinungsbild und hormonelle Veränderungen können ausserdem zu verschiedenen Erlebnissen führen wie das Gefühl nicht mehr attraktiv zu sein, keinen schönen Körper zu haben, Angst, Depression aber auch das Gegenteil wie Zufriedenheit, Freude auf neuen körperlichen und psychischen Erfahrungen und Freude auf das kommende Baby, führen. Neben diesen Faktoren, welche direkt mit dem körperlichen und psychischen Erleben einer Schwangeren zusammenhängen, gibt es auch Veränderungen in der Partnerschafts-, Arbeits- und Wohnsituation, welche ebenfalls mit Stress verbunden sein können. Im Folgenden wird der Begriff Stress in Bezug auf eine Schwangerschaft definiert und mögliche positive oder negative Folgen von Stress beschrieben. 
 
Was ist Stress?
Jede und jeder hat schon Mal Stress erlebt und weiss wie sich das bei einem selbst anfühlt. In Fall eines Fallschirmsprungs erleben wir es als positiven Stress, weil es mit Aufregung, Rausch und Stolz es geschafft zu haben, verbunden ist. Dies wird auch Eustress genannt. Im Fall von Leistungsdruck während der Arbeit erleben wir es als negativen Stress, weil es uns unter Druck setzt besser oder schneller zu arbeiten oder etwas zu leisten, was uns als schwierig erscheint und wir das Gefühl haben, es nicht zu schaffen. Diese Art von Stress wird als Disstress bezeichnet. Bei einer Schwangerschaft können die körperlichen und die psychischen Veränderungen Eustress oder Disstress auslösen. Oft kommen neben diesen Stressfaktoren andere aus Beziehungen oder aus der Umwelt dazu. Von Stress wird in der Fachwelt dann gesprochen, wenn die anstehenden Aufgaben als nicht bewältigbar erscheinen und sich die Mutter somit überfordert fühlt. Dabei wird die Situation an sich als bedrohlich erlebt und die eigenen Kompetenzen mit Konflikten/Problemen fertig zu werden als nicht ausreichend beurteilt. Kurz andauernde Stresssituationen werden als akuter Stress und länger dauernder Stress als chronischer Stress bezeichnet. Dabei kommt es zu psychischen und körperlichen Reaktionen. Bei chronischem Stress folgen auch negative gesundheitliche Konsequenzen. Diese können sich auf die körperliche und psychische Befindlichkeit der Mutter aus-wirken. Es gibt Studien, welche ausserdem Effekte auf das ungeborene Kind und später auf die Entwicklung des Kindes zeigen. Im Folgenden werden wichtige hormonelle Reaktionsmuster der Mutter und des Fötus sowie mögliche Auswirkungen von Stresserfahrungen der Mutter auf den Fötus je nach Stadium der Schwangerschaft beschrieben.

Schwangerschaft und Stress
Die Entwicklung des Embryos und des Fötus’ vollzieht sich naturgegeben im Körper der Mutter. Durch diesen wird es mit allen lebenswichtigen Stoffen versorgt und behütet. Untersuchungen zeigen, dass der Fötus auch auf emotionale Zustände der Mutter reagiert. Bei Stressreaktionen, wie Anpassungsschwierigkeiten an die Schwangerschaft, Schwangerschaftskomplikationen, Konflikte in der Partnerschaft, im Beruf oder im sozialen Umfeld, kommt es sowohl im mütterlichen als auch im fötalen Organismus zu einer körperlichen Reaktion an die Situation mit dem Ziel der Wiederherstellung eines Gleichgewichts. So ist es bekannt, dass es eine Wechselwirkung zwischen der mütterlichen und der fötalen Stressachse sowie der Plazenta gibt. Zum Beispiel kann es bei langandauerndem Stress dadurch zu weniger vorteilhaften Veränderungen in den jeweiligen Organismen kommen, welche zu gesundheitlichen Folgen führen können. Demnach ist es sehr wichtig solchen belastenden Ereignissen rechtzeitig mit geeigneten Bewältigungsstrategien und fachlicher und sozialer Unterstützung entgegen zu wirken.

Dies geschieht einerseits dadurch, dass die Mutter während des ersten und letzten Drittels der Schwangerschaft von Natur auch einen gewissen Schutz vor Stress hat. Andererseits können Mütter aktiv etwas gegen Stress oder Stresssituationen unternehmen. In der folgenden Tabelle sind einige mögliche Komplikationen während der Schwangerschaft aufgeführt und verschiedene wohltuende Bewältigungsmöglichkeiten im Umgang mit Stress.

Umgang mit Stress in der Schwangerschaft - eine Herausforderung
Was bedeutet ein guter Umgang mit Stress? Gibt es fertige Rezepte?
Das Erleben von Stress ist sehr individuell. Somit kann was für die eine Mutter sehr hilfreich ist, für eine andere weniger oder gar nicht unterstützend sein. Die Expertin in diesen Fragen ist jede einzelne Mutter für sich selbst. Durch eine optimale Schwangerschaftsbetreuung können Stressfaktoren jeweils erkannt und präventiv für die Mutter nach angemessenen Lösungen gesucht werden. Darum ist die Erkennung von stressauslösenden Faktoren, die Einschätzung des Schweregrades und der anschliessende angemessene Umgang damit eine persönliche Herausforderung. Was sich bei vielen werdenden Müttern als ratsam gezeigt hat sind Massnahmen wie: planbaren Stress (z.B. Wohnungswechsel während der Schwangerschaft) vermeiden, sich regelmässige Pausen gönnen, sich was Gutes tun, für genügend soziale Unterstützung sorgen und natürlich die Schwangerschaftsvorsorgetermine einzuhalten.

Bei Schwangerschaftsvorsorgeterminen sollten auch mögliche Stressfaktoren wie Stimmungsschwankungen, Ängste sowie Befürchtungen in Bezug auf den Schwangerschaftsverlauf, die Geburt und die Gesundheit des Babys angesprochen werden. Ihre medizinische Betreuungsperson kann sich somit ein Gesamtbild machen und die werdende Mutter über mögliche Risiken aufklären und mit ihr zusammen für individuelle optimale Schwangerschaftsbetreuung sorgen. Dies kann z. B. eine rechtzeitige psychologische Unterstützung der Mutter bei schwierigen bevorstehenden Aufgaben unter Einbezug des Lebenspartners oder anderen Bezugspersonen (Familienmitglieder, Freunde) bedeuten. Der Fokus zielt auf das Gefühl der werdenden Mutter sich optimal betreut und gestützt zu fühlen. Eine optimale Schwangerschaftsbetreuung ist sehr wichtig, weil es auch während der Schwangerschaft zu stressvollen und sehr belastenden Lebensereignissen kommen kann. Diese können einerseits das Wohlbefinden und die Gesundheit der werdenden Mutter aber auch des Fötus’ beeinflussen. Im Folgenden werden in Kürze einige mögliche Folgen von Schwangerschaftsstress auf die Entwicklung des Kindes beschrieben. 
 
Auswirkungen von Schwangerschaftsstress auf die Entwicklung des Kindes
So wie das Erleben von Stress sehr individuell ist, sind auch die Auswirkungen von Schwangerschaftsstress unterschiedlich. Ausschlaggebend sind Dauer, Intensität und Häufigkeit von Stress. Studien zeigen, dass vorgeburtlicher Stress einen Einfluss auf die Entwicklung von Kindern hat. So ist vorgeburtlicher Stress einerseits mit negativen körperlichen Veränderungen und auch psychischen Veränderungen in Form von Verhaltensauffälligkeiten, wie Aufmerksamkeitsdefizite, Ängsten sowie Hyperaktivität bei Kindern, verbunden. Andererseits gibt es auch Studien, die zeigen konnten, dass ein gewisses Ausmass an vorgeburtlichem Stress einen positiven Effekt auf die Entwicklung bei kleinen Kindern haben kann. Diese wiesen im Vergleich zu Babys mit weniger oder keinem Stress ihrer Mütter während der Schwangerschaft, eine fortgeschrittenere motorische und mentale Entwicklung auf. Trotzdem wird nicht befürwortet, dass werdende Mütter sich Stress aussetzen sollen, da die mütterliche Erschöpfung keine gute Vorbereitung auf die Anstrengung bei der Geburt und der Beanspruchung des Elternseins ist.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Ergebnisse von bisherigen Studien kontrovers sind. Ein Grund dafür sind auch gewisse ethische und moralische Einschränkungen bei Untersuchungen von Schwangeren und Kindern. Ein anderer Grund ist aber auch die Komplexität des Prozesses einer Schwangerschaft. Die wundersame Art und Weise der Entstehung eines neuen Lebens ist in ihrer Gesamtheit nicht einfach erfassbar. Darum vielleicht umso schöner. Auf jeden Fall ist sie verpflichtend für die werdenden Eltern und für die in der Schwangerschaftsbetreuung involvierten Fachpersonen. Die Verpflichtung bringt Belastung mit sich, aber auch sehr viele schöne gemeinsame Erlebnisse. In diesem Sinne wünschen wir allen werdenden Müttern eine gute Schwangerschaft, viel Spass und Kraft für die Aufgaben als Eltern und den Kindern eine gute Entwicklung über das Leben hinweg.


http://www.pinocchio-zh.ch/


http://www.helpnet-online.ch/


http://www.elternnotruf.ch/

erstellt von Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie der Universität Zürich

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