Bereit für die Schule

Das Ende der Schulferien rückt näher - und damit für zahlreiche Kinder auch der erste Schultag. Wann aber ist ein Kind überhaupt schulfähig?

Jetzt beginnt der Ernst des Lebens - kaum ein Erwachsener wird sich nicht an diesen Satz aus dem Mund seiner Eltern erinnern, als er vom Kindergarten in die Schule kam. Die Bedeutung dieser Aussage schien deutlich auf der Hand zu liegen: die Zeit des Spielens, des "Unsinn-Machens", der unbeschwerten Zeit war vorbei. Von nun an sollte ein anderer Wind wehen: tschüss Kindheit.

Hohe Anforderungen an Erstklässler
Und die Kindheit ist es denn auch, welche die Kleinen mit Beginn der Schule ein Stück weit aufgeben. Denn um die so genannte Schulfähigkeit zu erlangen, müssen die Kleinen zahlreiche Voraussetzungen erfüllen: nebst kognitiven und sozialen spielen auch emotionale und motorische Kompetenzen eine wichtige Rolle. Was genau darunter zu verstehen ist, hat der deutsche Pädagoge Armin Krenz herausgearbeitet. Erst durch die Beurteilung folgender vier Bereiche, so Krenz, könne abgeschätzt werden, ob das Kind den Weg als Abc-Schütze antreten soll:

  1. Emotionale Schulfähigkeit
    • belastbar sein
    • neue Situationen angstfrei wahrnehmen
    • Enttäuschungen wegstecken
    • zuversichtlich sein

  2. Soziale Schulfähigkeit
    • gruppenfähig sein
    • zuhören
    • Regeln der Kommunikation in einer Gruppe beherrschen
    • konstruktives Verhalten bei Konflikten

  3. Motorische Schulfähigkeit
    • viso-motorische Koordination (Finger- und Handgeschicklichkeit)
    • Gleichgewichts-, taktile und kinästhetische

  4. Kognitive Schulfähigkeit
    • Konzentrationsfähigkeit
    • Lerninteresse
    • Aufmerksamkeit
    • Neugierde
    • logisches Denken

Laut Krenz gehe es nicht darum, dass ein Kind in allen Bereichen alle Punkte hundertprozentig erfülle. Vielmehr gehe es um eine grundsätzliche Existenz dieser Aspekte: "Wenn Kinder diese Kompetenzen eher häufig oder überwiegend in Alltagssituationen zeigen, so ist davon auszugehen, dass sie damit so genannte basale Qualitäten im Sinne einer vorhandenen Schulfähigkeit besitzen."  Erst wenn mehrere dieser Kompetenzen kaum oder gar nicht ausgeprägt seien, sei voraussagbar, dass Kinder sowohl zum Schulstart als auch mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit in der weiteren Schulzeit Lernschwierigkeiten hätten, sagt Lenz.

Schulfähigkeit nicht gleich Intelligenz
Schulfähigkeit wird oft mit Intelligenz verwechselt. Doch wie es Pädagoge Armin Krenz ausdrückt: Intelligenz ist wie der Besitz eines Velos - ein solches zu haben gibt aber noch keine Auskunft darüber, ob der Besitzer auch damit fahren kann. Vieles zu wissen heisst also nicht, automatisch Vieles zu können.

Zusammenspiel von Kind und Schule
Und schliesslich darf nicht vergessen werden, dass der Schulerfolg eines Kindes auch von den fachlichen Fähigkeiten der Lehrperson und von der Klassenatmosphäre abhängt. Selbst wenn das Kind die besten Voraussetzungen für die Schule mitbringt, nutzt dies wenig, wenn der Unterricht nicht kindgerecht gestaltet ist. Schulunlust, Tagträumen oder häufiges Streiten können die Folge sein. Nur durch das harmonische Zusammenspiel von Kind und Schule glückt der Schulstart. Das heisst also: Nicht nur das Kind sollte schulfähig, sondern auch die Schule muss "kinderfähig" sein.

erstellt von Martina Kaiser