Fit für die Zukunft

Bewegung ist wichtig – und für unsere Kinder ganz besonders! Es gilt als erwiesen, dass Kinder, die oft springen, laufen und klettern, nicht nur seltener krank sind, sie lernen auch leichter und werden schneller selbstständig. Grund genug also, auch die Schulstunden bewegt zu gestalten.

Vielerorts macht sich heute ein wahrer «Fitness-Boom» bemerkbar, der immer mehr Menschen – genau genommen Erwachsene – motiviert, etwas für ihr körperliches Wohlergehen zu tun. So erfreulich diese Entwicklung ist, mit Blick auf unsere Kinder hat sie eine alarmierende Kehrseite. Untersuchungen in Schulen und Studien zeigen auf, dass immer mehr Kinder in der Schweiz Defizite bei ihrer motorischen Entwicklung haben. Hauptursache: Bewegungsmangel! Wie kann das sein? Kinder haben doch einen natürlichen Bewegungsdrang? Bereits wenige Wochen alte Säuglinge strampeln mit den Beinchen, beginnen später zu rollen und zu krabbeln und sind stolz, sobald sie ihre ersten Schritte alleine tun können. Allerdings: Bald schon werden ihre Erkundungstouren gebremst – mit Sätzen wie: «Pass auf, das ist gefährlich.» Oder: «Bleib still sitzen.» Langsam wachsen sie hinein in unsere moderne Welt, die von uns allen nicht mehr zwingend anstrengende Bewegung verlangt: Wir verhalten uns möglichst zeitsparend und bequem, nehmen das Auto, den Bus, das Velo, das Flugzeug, benutzen den Lift oder die Rolltreppe und sitzen vor Computern, Fernsehern und im gemütlichen Sessel und schauen vorzugsweise anderen zu, die sich bewegen. Mit der Einschulung müssen sich unsere – eigentlich von Natur aus bewegungsfreudigen – Kinder lange Stunden hinter die Schulbank drücken, sind gezwungen, ruhig zu sitzen, aufmerksam zu sein und sich zu konzentrieren wie die Grossen. Kinder, die Mühe damit haben, gelten als Zappelphilippe und Störenfriede. In der Freizeit sollten – wieder still sitzend – die Hausaufgaben erledigt werden, und wenn dann noch Zeit übrig ist, spielen sie mit modernen digitalen Medien wie PCs oder Game-Konsolen – in den meisten Fällen wieder sitzend. Die oftmals ebenfalls wenig bewegungsfreundliche Umgebung wie zubetonierte Pausenplätze, dichter Verkehr auf der Strasse, fantasielose Spielplätze und/oder beengte Wohnverhältnisse laden unseren Nachwuchs ebenfalls nicht gerade zum Aktivsein sein. 

Es geht auch anders
Auf Rollen balancierend Franzwörtli lernen, auf dem Balken rückwärts gehen und die Reihen trainieren, Texte auf drei Meter Distanz lesen und dazu mit Bällen jonglieren, dies alles dürfen die Schülerinnen und Schüler in der Klasse des Primarschullehrers Eduard Buser-Batzli machen. Sie haben Glück, denn ihr Lehrer befasst sich schon seit Jahren mit dieser bewegten Form des Lernens. Schritt für Schritt führt er seine Klassen an die anspruchsvolle Aufgabe heran. Doch das bewegte Lernen ist nur ein Teil des Unterrichts: Die Kinder haben während der Stunde auch die Möglichkeit, eine kurze bewegte Pause zu machen. Dazu stehen ihnen Pedalos, Moonhopper oder Jongliermaterial zur Verfügung. Sie können sich aber auch ohne Zusatzmaterial eine bewegte Pause gönnen, indem sie zum Beispiel einmal die Treppe rauf und runterspringen. Gibt das nicht ein ziemliches Durcheinander in den Schulstunden? «Nein, im Gegenteil», ist Eduard Buser-Batzli überzeugt. «Das bewegte Lernen ist einfach eine ergänzende Form des Lernens, die wir je nach Bedarf sinnvoll einsetzen. Ich habe nur gute Erfahrungen damit gemacht, denn Bewegung tut uns allen in jeder Beziehung gut, denn sie entspricht unserem natürlichen Bewegungsdrang.»

Zum Interview mit Herr Eduard Buser-Batzli

erstellt von Christina Bösiger