Ist mein Kind hochbegabt?

Hochbegabung ist ein Segen - könnte man denken. Allerdings tun sich viele öffentliche Schulen schwer mit besonders begabten Kindern und deren Eltern. Manche dieser Kinder haben Glück und erhalten genügend Hilfe bei der Umsetzung ihres Potenzials, andere leiden.

Wenn der Vater von Flurin* (11) auf die letzten Jahre zurückblickt, sagt er: "Es war eine Riesenbelastung für die ganze Familie." Aber auch: "Das Ganze hat uns persönlich weitergebracht." Am wichtigsten sei, dass sein Sohn heute jeden Tag motiviert in die Schule gehe und glücklich sei. "Er hüpft richtiggehend durchs Leben."

Etwas ist nicht in Ordnung
Noch vor vier Jahren war Flurin ein sehr unglückliches Kind. Schon bald nach der Einschulung begann er, im Unterricht aufzufallen. Er war unruhig, reagierte schnell einmal gereizt oder spielte den Clown. Seine Klassenkameraden begannen ihn zu hänseln, spielten ihm böse Streiche. Wenn seine Mutter ihn jeweils nach der Schule daheim in Empfang nahm, spürte sie, dass etwas ganz und gar nicht in Ordnung war. Aber was war denn nur los? Bis anhin war ihr Sohn ein "normales" Kind gewesen: fröhlich, aufgeweckt. Bereits im Kindergartenalter hatte er sich das Schreiben und Rechnen angeeignet.

Hochbegabung und Stress
Es begann eine Zeit der psychologischen und medizinischen Abklärungen. Flurin war den anderen Kindern schulisch weit voraus. Intelligenz-Leistungstests ergaben Werte im Bereich einer Hochbegabung, zeigten aber auch, dass Flurin sich schnell einmal unter inneren Stress setzte und äusseren Stress kaum ertrug. Das Überspringen einer Klasse sowie der Wechsel in ein anderes Schulhaus brachten keine Besserung. "Flurin fiel nach wie vor negativ auf und wurde von den anderen Kindern gequält", sagt sein Vater.

Ein "Anderslerner"

Erst der Wechsel an eine Privatschule, mit Kleinklassen und stark individualisierendem Unterricht, brachte dann die Wende. Flurin blühte auf. Der Elfjährige brauche sehr viel Freiraum, um seine breit gefächerten Talente und seinen wachen Geist entfalten zu können, stellte der Schulleiter fest. Er sei ein "Anderslerner" und erfahre dies jetzt als Ressource und nicht mehr als Schwäche.

Privatschule löst Probleme

Die Eltern haben nach vielen Schwierigkeiten und Abklärungen eine Privatschule gefunden, die auf die speziellen Bedürfnissen ihres Sohnes eingehen kann und er seine vielfältigen Talente entdecken und entfalten kann. Zu klären blieb nun noch die Frage der Schulkosten. Musste nicht der Staat diese übernehmen, da die Volksschule Flurin keine angemessene Förderung hatte bieten können? Flurins Vater stellte ein Gesuch an die Schulkommission. Diese befand, der Wechsel an die Privatschule sei voreilig gewesen, denn es seien nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft worden, welche die Volksschule Kindern mit Hochbegabung anbiete. Eine Kostenübernahme komme deshalb nicht in Frage. Der Rechtsstreit zog sich in die Länge. Der Vater: "Wiederholt standen wir vor verschlossenen Türen. Sie zu öffnen, brauchte viel Energie. Ohne die Unterstützung durch engagierte Fachleute aus Bildung und Psychologie hätten wir es kaum geschafft." Schliesslich dann das Happy End: Das kantonale Bildungsdepartement entschied, dass ein Verbleiben von Flurin in der Volksschule für ihn selber und für die Klasse als Ganzes untragbar wäre. Er gehöre zu jener Handvoll von Kindern, deren Hochbegabung im klassischen Unterricht nicht aufgefangen werden könne. Eine Übernahme der Kosten sei deshalb angezeigt.

Ratschläge für Eltern mit hochbegabten Kindern

So wie Flurin geht es auch anderen: In der Schweiz gibt es einige Tausend hochbegabte Kinder und Jugendliche. Fragen Sie sich, ob die schulischen Probleme Ihres Kindes mit Hochbegabung zusammenhängen?  Rufen Sie an oder schreiben Sie eine E-Mail - die beiden Fachpersonen Wolfgang Stern und Yolanda Pfaff sind jeweils erreichbar: Dienstag/ Mittwoch je 14.00 bis 17.00 Uhr unter Tel. 061 411 10 11. Beide sind Eltern von hochbegabten Kindern, ausgebildete Lehrkräfte, nehmen Führungsaufgaben in öffentlichen Schulen wahr und waren über zehn Jahre im Vorstand des Elternvereins für hochbegabte Kinder EHK aktiv

Weitere Infos auf: www.hochbegabt.ch

Lesetipps

"Hochbegabte Kinder klug begleiten", ein Handbuch für Eltern, von Dietrich Arnold und Franzis Preckel, Beltz & Gelberg, Fr.26.90, ISBN: 978-3-407-85928-0

Dieses Handbuch unterstützt Eltern bei typischen Fragen und Problemen. Es gibt Anregungen für ein konstruktives und gelassenes Miteinander im Familienalltag.

"Lichtblick für helle Köpfe", ein Wegweiser zur Erkennung und Förderung von hohen Fähigkeiten bei Kindern und Jugendlichen auf allen Schulstufen, von Joëlle Huser, Lehrmittelverlag des Kantons Zürich, Fr. 57.-.  ISBN: 978-3-03713-054-4. Handbuch für Lehrer und Eltern, speziell mit Tipps für den Unterricht.

Linktipps

www.hochbegabtenhilfe.de
www.karg-stiftung.de

www.klugekinder.at

Kidy swissfamily April/2014

erstellt von *Porträt Flurin: Quelle www.hochbegabt.ch, Text U.B., thematische Informationen: Quelle www.hochbegabt.ch; Redaktion: Christina Bösiger