Gespräche, die es in sich haben

Gespräche zwischen Eltern und Lehrpersonen verlaufen nicht immer harmonisch. Sie stellen für beide Parteien eine Herausforderung dar, die jedoch durchaus auch Chancen birgt.

«Gespräche mit Eltern machen einen grossen Teil meiner Arbeit als Lehrerin aus», berichtet Claudia Ott, die als Lehrperson zusammen mit einer Heilpädagogin eine erste Primarschulklasse unterrichtet. «Solche Gespräche sind wichtig, wenn man die Kinder besonders gut fördern möchte. Ich bin auf eine gute Zusammenarbeit mit den Eltern angewiesen und möchte gleichzeitig kompetent vor ihnen auftreten.» Bis jetzt habe es in ihren dreieinhalb Berufsjahren eher selten negative Vorkommnisse in Elterngesprächen gegeben. «Ich schätze diese Gespräche, denn dadurch fühle ich mich meist zum einen in meiner Meinung bestätigt, und zum andern lerne ich oftmals eine neue Seite des Kindes kennen», erzählt Claudia Ott. Sollten Elterngespräche schwierig verlaufen, sei es ihr wichtig, Kritik anzunehmen, aber nicht persönlich zu nehmen. Stets sollten die Interessen des Kindes im Zentrum eines Elterngesprächs stehen. Gerade in heiklen Situationen sei es zudem sinnvoll, das Gespräch zusammen mit einer weiteren Lehrperson oder der Schulleitung zu führen. Engagierte sowie auch kritische Eltern möchte Claudia Ott auf jeden Fall nicht missen: «Ich schätze es, wenn sich Eltern in der Schule engagieren. Gleichzeitig sollte man aber auch klar definieren, wo die Elternmitwirkung beginnt und aufhört.»

Optimal unterstützen und fördern
Lehrpersonen stehen in ihrem Berufsalltag vielen Herausforderungen gegenüber. Eine davon ist der Kontakt und die Zusammenarbeit mit den Eltern, um die Schülerinnen und Schüler mit ihren unterschiedlichen individuellen Voraussetzungen und Fähigkeiten möglichst optimal zu unterstützen und zu fördern. Dieser Aspekt hat in den letzten Jahren stark an Bedeutung zugenommen. Und mit ihm folglich auch der Stellenwert von Elterngesprächen, haben doch Eltern ein grosses Interesse, die Laufbahn ihres Kindes zu unterstützen. Die Eltern tragen die Verantwortung für ihr Kind und sind emotional extrem attachiert.Die Lehrperson indes hat die Entscheidungskompetenz und die gesamte Klasse im Blickfeld. Hier liegt oftmals das grösste Konflikt-Potenzial: Verantwortung bei den Eltern, Entscheidungskompetenz beim Lehrer. Eltern und Lehrpersonen können gemeinsam Möglichkeiten und Strategien besprechen, wie das Kind zu Hause und in der Schule nachhaltig unterstützt werden kann. Nicht immer verlaufen Elterngespräche jedoch harmonisch und zielorientiert. Für beide Parteien sind solche Gespräche nicht selten mit Unsicherheiten und Ängsten verbunden. Im Rahmen des Forschungsprojekts «elbe» - Beratungen im Rahmen von Elterngesprächen - geht die Kooperation der Pädagogischen Hochschule Zürich und dem Frankfurter IDeA* näher auf die Herausforderungen, Bedürfnisse und Verbesserungspotenziale von Gesprächen zwischen Eltern und Lehrpersonen ein.

Elterngespräche als Forschungsprojekt
Das Projekt begann 2010 und dauert noch bis Ende dieses Jahres. Es setzt sich aus drei Phasen zusammen. In der ersten Phase wurden Lehrpersonen und Eltern zum Beratungsbedarf und zur Beratungspraxis im Schulalltag befragt. Im Zentrum standen gemäss Susanna Larcher, diplomierte Psychologin und Dozentin der PH Zürich, die schulischen Rahmenbedingungen, die Einstellungen, Überzeugungen und Selbsturteile der Lehrpersonen sowie die Einstellungen der Eltern zu Elterngesprächen und die Einschätzung relevanter Kompetenzen von Lehrpersonen für das erfolgreiche Gestalten von Elterngesprächen. Die Wirksamkeit eines Trainings zur Förderung von Gesprächsführungskompetenz bei Lehrpersonen mit dem besonderen Fokus auf die Beratung und Begleitung von Eltern stand im Zentrum der zweiten Projektphase. Zudem wurden in dieser Phase die Wirkung von Elterngesprächen und einer Zusammenarbeit von Eltern und Lehrpersonen auf Ebene der Schülerinnen und Schüler erfasst. In der Projektphase drei schliesslich geht es um die Erfassung der Effekte eines Trainings in Elternberatung und Elterngesprächen bei Studierenden. «Diese Erkenntnisse sollen uns zeigen, ob Kompetenzen im Bereich der Gesprächs führung und der Elternberatung bereits im Studium erworben werden können», erläutert Susanna Larcher.

Im Gespräch bleiben
Weil das Projekt erst Ende dieses Jahres abgeschlossen wird, sei es noch zu früh, konkrete Schlüsse zu ziehen. Trotzdem können gewisse Tendenzen und Erkenntnisse aus den bisherigen Ergebnissen abgeleitet werden. «Eltern erwarten von den Lehrpersonen nicht, dass sie über alles Bescheid wissen. Doch es ist wichtig, dass die Lehrpersonen ihnen Kontakte für eine weitere fachliche Unterstützung vermitteln können», berichtet Susanna Larcher. Weiter sei es den Eltern ein Anliegen, dass sie mit den Lehrpersonen im Gespräch bleiben und auf dem Laufenden gehalten werden. «Elterngespräche bedeuten für die Lehrpersonen stets ein grosser Zeitaufwand. Doch dieser lohnt sich meiner Meinung nach, denn dadurch fällt der Kontakt bei Problemen leichter», stellt Susanna Larcher fest. Die Lehrpersonen ihrerseits erwarten von den Eltern, dass diese mit ihnen am gleichen Strick ziehen und sich für die Schulleistungen ihrer Kinder interessieren.

Lernen in der Praxis
Wie werden die Studierenden der Pädagogischen Hochschulen auf die Elterngespräche vorbereitet? «An der PH Zürich werden die Studierenden in Konfliktmanagement und Gesprächskommunikation mit speziellen Trainingseinheiten geschult», sagt Susanna Larcher, räumt jedoch ein: «Den Umgang mit Eltern lernt man am besten in der Praxis. Leider besteht während der Praktika oft gar nicht die Möglichkeit, an Elterngesprächen teilzunehmen.» Das Projekt «elbe» habe gezeigt, dass vor allem jüngere Lehrpersonen in ihrer Ausbildung auf Elterngespräche vorbereitet wurden, währenddem sich ihre älteren Kolleginnen und Kollegen meist erst in der Praxis damit auseinandergesetzen konnten. «Die Nachfrage nach unseren Weiterbildungsangeboten im Bereich Elterngespräche und Kommunikation ist bei den Lehrpersonen äusserst gross. Deshalb werden wir diese Angebote auf jeden Fall weiterführen. Dabei können auch Schulen für ihr Lehrerkollegium ein solches Training absolvieren», betont Susanna Larcher.

Für eine gute Gesprächskultur
zwischen Schule und Elternhaus Wie erlebt eine Mutter, die sich im Vorstand von Schule und Elternhaus St. Gallen engagiert, die Gespräche zwischen Eltern und Lehrpersonen? «Elterngespräche sind bekanntlich oft Auslöser von Missverständnissen, die man vermeiden könnte. Meist geht es darum, wie Kritikpunkte formuliert werden oder und in welcher Offenheit und Transparenz aufeinander zugegangen wird», stellt Franziska Cavelti Häller aus Jonschwil fest. «Grundsätzlich sollte es ja darum gehen, für das Kind das Beste zu erreichen.

erstellt von Fabrice Müller, Redaktor Schule und Elternhaus Schweiz.