Eine Plattform mit Verbesserungspotenzial

Elternabende sind eine wichtige Plattform in der Kommunikation zwischen Schule und Elternhaus, aber auch für den Austausch unter den Eltern. Das Potenzial solcher Abende könnte aber noch besser genutzt werden.

An der Schule Mellingen-Wohlenschwil im Kanton Aargau wird die Kommunikation zwischen Schule und Eltern bewusst flach und mit möglichst wenig Umwegen und Umleitungen gepflegt, wie die zentrale Schulleiterin Brigitta Roth betont. Verschiedene Plattformen wie Elternabende, Themenabende, Elterncafé und ein Tag der offenen Tür sollen den Dialog zwischen Eltern und Lehrpersonen proaktiv fördern. «Wir nehmen die Anliegen der Eltern ernst und zeigen ihnen auf, welche Dienstleistungen sie an unserer Schule bei Fragen oder Problemen nutzen können. Ausserdem ist es uns wichtig, dass die Eltern gut über unsere Schule und Projekte informiert sind. Dadurch vermeiden wir Missverständnisse und Fehlinformationen.» Brigitta Roth ist überzeugt, dass gut informierte Eltern meist am gleichen Strick ziehen wie die Lehrpersonen. Wichtig sind der Schulleiterin auch gegenseitiges Verständnis, Vertrauen und Respekt. «Uns ist es ein Anliegen, dass die Eltern nicht die Faust im Sack machen, sondern offen darüber sprechen, uns aber auch das nötige Vertrauen schenken. So können wir gemeinsam eine Lösung finden.» Bei sensiblen Themen nimmt häufig auch die Schulleitung an einem Elternabend teil, um als – so Brigitta Roth – «neutrale» Instanz zu moderieren und die Lehrperson zu entlasten. Die Schulleiterin wünscht sich, dass sich die Eltern vermehrt für das Kind und weniger für ihre persönliche Ehre einsetzen. «Viele Kinder haben wunderbare Begabungen und sollten darin gefördert werden. Diese Begabungen stehen allerdings nicht selten in einem Widerspruch zu den Vorstellungen und Ansprüchen der Eltern.»  

Gemeinsam nachhaltige Erfolge erzielen
Der Elternabend biete die Chance, ein Team aus Eltern und Schule zu bilden mit dem Ziel, ein bestmögliches Umfeld für die Kinder an der Schule zu schaffen, ist Urs Wolf von der Beratungsfirma «Lernerfolg Wolf» in Greifensee überzeugt. «Wird das Potenzial des Elternabends wie auch die Zusammenarbeit zwischen Eltern und Schule positiv genutzt, können gemeinsam nachhaltige Erfolge erzielt werden.» Denn der Elternabend biete unter anderem die Möglichkeit, den Eltern zu gewissen Themen wie etwa Arbeits- und Lerntechniken oder neue Medien Tipps auf den Weg zu geben, damit sie selber einen Beitrag zum Schulerfolg ihrer Kinder leisten können. «Manchmal führen auch die kleinen Schritte zu einer nachhaltigen Veränderung, wenn man die nötige Geduld dafür hat», so Urs Wolf.  

Lösung statt Schuldzuweisung
Damit ein Elternabend seine Aufgabe als Informations- und Austauschplattform gut erfüllen kann, sollte die Schule oder Lehrperson bereits im Vorfeld klar über die Inhalte des Abends informieren. Urs Wolf hält zusammen mit seiner Frau Dr. med. Heidi Wolf Elternabende zum Thema «Erfolg in der Schule» ab. Sie haben die Erfahrung gemacht, dass sich die Eltern von diesem positiv ausgerichteten Thema sehr viel Nutzen versprechen und daher oft doppelt bis fünffach so viele Eltern wie sonst üblich am Programm teilnehmen. Dass die praktischen Tipps sehr geschätzt werden, zeigen auch die vielen begeisterten Feedbacks.  Natürlich kommen immer wieder auch heikle und kontroverse Themen an einem Elternabend zur Sprache. «Die Beteiligten sollten sich bewusst sein, dass wir alle unsere Herausforderungen zu bewältigen haben und im gleichen Boot sitzen. Deshalb sollte nicht die Schuld, sondern die Lösung im Zentrum einer Diskussion stehen», fordert Urs Wolf und warnt davor, mit Gerüchten zu argumentieren. Hilfreicher seien klärende  Gespräche und eine offene Kommunikationskultur. Heikle Themen, die nur einzelne Kinder betreffen, haben an einem Elternabend keinen Platz und sollten im Rahmen eines persönlichen Gesprächs zwischen Eltern und Lehrperson besprochen werden. Lehrpersonen empfiehlt Urs Wolf, die Themen des Elternabends so zu präsentieren, dass sie von allen Eltern verstanden und praktisch umgesetzt werden können. «Eine interaktive Gestaltung des Elternabends, wo die Eltern mitwirken, fragen und sich austauschen können, bringt meist die besseren Lösungen. Gute Erfahrungen machen wir auch, wenn die Eltern gebeten werden, eine Aufgabe zu Hause umzusetzen – zum Beispiel bei der Lernunterstützung ihrer Kinder», erzählt Urs Wolf. Eltern und Lehrpersonen sollten sich zudem bewusst sein, dass es für Probleme keine Patentrezepte gibt und jedes Kind anders ist. «Während die einen Kinder beim Lernen Ermutigung und Zuspruch benötigen, gilt es bei andern, den Zusammenhang zwischen Lernen, Üben und dem Lernerfolg näherzubringen. Die Eltern kennen ihr Kind am besten und wissen, was es braucht.» 

Zu wenig Austausch und Offenheit
Sandra Zehren, Leiterin der Geschäftsstelle von Schule und Elternhaus Schweiz, schätzt die Elternabende als Informationsplattform sowie als Möglichkeit, sich kennenzulernen und einen ersten Eindruck von der Lehrperson zu erhalten. Deshalb sollte – so Sandra Zehren – der Besuch des Elternabends für alle Eltern verbindlich sein. Dass hingegen bei 15 bis 20 Eltern kein wirklicher Austausch stattfinden kann, bedauert die Geschäftsstellenleiterin. «Meiner Ansicht nach könnte das Potenzial solcher Treffen noch besser für den Meinungsaustausch genutzt werden.» So wünscht sich Sandra Zehren zum Beispiel, dass Projekte nicht nur vorgestellt, sondern die Eltern auch gefragt werden, ob sie als Elternteil etwas dazu beisteuern können – indem zum Beispiel ein Vater und Förster beim Waldthema einen Waldrundgang durchführt. «Dies bedingt aber eine Offenheit gegenüber den Eltern, die manche Lehrpersonen einfach nicht haben wollen», kritisiert Sandra Zehren. Was sollten die Eltern bei Elternabenden beachten?  «Eltern müssen wissen, dass der Elternabend nicht dazu da ist, grosse Probleme anzusprechen. Diese sollten in Einzelgesprächen diskutiert werden», gibt Sandra Zehren zu bedenken. «Wenn man aber ein Problem hat, das man mit allen Eltern besprechen möchte, wäre es gegenüber der Lehrperson nur fair, wenn man sie vorgängig darüber informiert und die Meinung einholt», betont Sandra Zehren. Eltern sollten aber auch die Möglichkeit haben, zwischen den Elternabenden Themen an die Adresse der Lehrperson richten zu können, damit diese Punkte dann an einem nächsten Treffen diskutiert werden. Damit ein Eltern-Lehrer-Team entsteht, brauche es den regelmässigen Kontakt und Austausch. 

Eindrücke, Gespräche und Informationen
Wie sollte ein Elternabend aufgebaut sein? Der Elternabend kann bereits im Schulunterricht beginnen, indem die Schülerinnen und Schüler zum Beispiel Aussagen zum Klassenklima und zum Unterricht sowie Verbesserungsvorschläge machen können. Diese Resultate fliessen dann in den Elternabend ein. Am Abend selber sollten die Eltern die Möglichkeit haben, ihre eigenen Eindrücke und Erfahrungen zum Schulunterricht mitzuteilen. Dabei dürfen auch mögliche Spannungen und Konfliktpotenziale angesprochen werden. Die Lehrpersonen ihrerseits informieren beispielsweise über den Leistungsstand der Klasse, die Inhalte und Neuerungen im Lehrplan, Prüfungen sowie organisatorische Punkte wie Hausaufgaben, Entschuldigungspraxis, benötigte Materialien sowie Sprechstundenzeiten. Oft steht am Elternabend ein ganz bestimmtes Schwerpunktthema im Zentrum. Dadurch leistet der Elternanlass wertvolle Aufklärungsarbeit – zum Beispiel zum Thema neue Medien, Sexualität oder Ethik. Je nach Thema ergänzen Referate von Fachpersonen das Programm des Elternabends.  

Links:
www.schule-mewo.ch
www.erfolginderschule.ch 

erstellt von Fabrice Müller, Redaktor Schule und Elternhaus Schweiz (S&E)