Wer schön sein will, muss nicht leiden!

Schönheit kommt von innen - so lautete einst eine Werbebotschaft für Dragees. Stimmt! Denn nur wer selbstbewusst ist, kann dem heutigen Schönheitskult widerstehen. Mütter sind aufgefordert, ihren Töchtern ein gutes Körperbild zu vermitteln.

Unaufhörlich locken die Bilder der Schönen und Faltenlosen. Models im Teenageralter räkeln sich lasziv im Leopardenlook auf dem Sofa oder liegen in Hotpants im Schnee, "totally sexy", versteht sich. Madonna oder Angelina Jolie verdrehen uns den Kopf mit ihren mal prallen, mal spitzen Brüsten und den stets jugendlichen Gesichtern. Wer kann diesem Modediktat wirklich widerstehen? Und was können wir von Teenagern in der Pubertätsphase erwarten?

Schönheit' ist präsent wie noch nie. Die Kunstwelt der Mode scheint allerdings aus den Fugen geraten zu sein: "Size Zero" wird zum Ideal erklärt und berühmte Models mit dem Body-Mass-Index einer Unterernährten stolzieren auf dem Catwalk oder brechen sogar tot zusammen, wie das 22jährige Model Luisel Ramos im August 2006. Schon ist es gesellschaftsfähig, wie Britney Spears, sich mit 17 Jahren die Brüste vergrössern zu lassen. Und bald ist es normal, sich mit 25 Jahren das Nervengift Botox gegen die ersten Lachfalten spritzen zu lassen. Alles sei machbar, das Lebensglück sei nur über den gestylten und gelifteten Körper zu erlangen, so die Botschaft.

Angeknackstes Selbstwertgefühl
Dass aber ausgerechnet Superstar Britney abstürzte, sollte deutlich machen, dass ein ‚getuneter Body' und Erfolg allein nicht ausreichen für Glück und Zufriedenheit. Aber der Schönheitskult lässt keinen kalt, schon gar nicht die Teenies - beunruhigend für viele Eltern. "Schönheit ist für die meisten Mädchen - und mehr und mehr auch für die Buben - in den letzten Jahren zunehmend zum Thema geworden. Die Unzufriedenheit mit Figur und Körpergewicht beginnt oft schon früh: So ergab eine weltweit durchgeführte Studie der Kosmetikfirma Unilever, dass nur 56 Prozent der 12 bis 13-jährigen Mädchen mit ihrem Aussehen zufrieden sind. Bei den acht- bis neunjährigen Mädchen waren es noch 75 Prozent. Ein Drittel aller 14 bis 17-jährigen Mädchen glaubt, zu dick zu sein, 60 Prozent versuchen abzunehmen.

Wahre Schönheit kommt von innen
Dass sich schon Kinder mit dem Schön-Sein und ihrem Körper befassen, ist ganz normal und gehört zur Pubertät. In der Pubertät wird alles in Frage gestellt. Der Körper verändert sich stark. Alle grossen Veränderungen bringen Unsicherheiten mit sich und erschüttern das Selbstwertgefühl. Wer ein schwaches Selbstwertgefühl hat, lässt sich leicht von den Werbebotschaften und den Bildern aus der Welt des Glamour, der Schönen und Reichen beeinflussen.

Der Stärkung des Selbstwertgefühls kommt eine zentrale Rolle zu. Selbstbewusst werden Kinder, wenn Eltern ihnen ein gesundes Körpergefühl vermitteln und ihre Individualität akzeptieren. Abweichungen von irgendeiner Norm sind zu begrüssen und nicht etwas, das man bekämpfen muss. Vielfalt sollte man gelten lassen. Das gilt sowohl für die körperliche Vielfalt als auch die Vielfalt der Meinungen und Lebensphilosophien. Wer seine Kinder ermutigt, eine eigene Meinung zu bilden und die zu vertreten, hilft ihm ein starkes Selbstwertgefühl zu entwickeln. Es ist zudem wichtig, dass Eltern am Leben der Kinder teilnehmen, ohne zu Werten, dass sie echtes Interesse an der Welt der Kinder haben und ihnen Respekt entgegenbringen.

Wesentlich ist, den Kindern innere Werte zu vermitteln. Heute soll die Verpackung auf den Inhalt wirken. Dabei sollte man das Innere nähren, anreichern und wertschätzen. Sich nur auf Äusserlichkeiten zu konzentrieren, bleibt immer unbefriedigend. Und wer schon als Kind keine Interessen für andere Dinge entwickelt, wird es später schwer haben, zur Selbstbestätigung auf etwas anderes als sein eigenens Äusseres zurückzugreifen.

Mütter spielen als Vorbilder eine grosse Rolle, so banal dies klingt. Es ist darum wichtig, dass Mütter oder andere Bezugspersonen selbstkritisch ihr Verhältnis zu ihrem Körper und Schönheitsideal hinterfragen. Eine Mutter, die eine Diät nach der anderen macht, sich Teenie-Klamotten kauft, damit sie - von hinten wenigstens - mit ihrer Jüngsten verwechselt werden kann, ist nicht gerade das beste Vorbild für eine Heranwachsende.

Machtmittel Schönheit
Den "eigentlichen Sinn" des Schönheitsterrors kann man nur verstehen, wenn man den gesellschaftlichen Zusammenhang betrachtet. So stellt die Buchautorin Sandra Heim in ihrem Buch "Das Meerjungfrauenvirus, Befreiung aus der Schönheitsfalle" fest: "Frauen, die ihre Weiblichkeit unterdrücken und an ihrem Äusseren zweifeln, sind leichter zu manipulieren und zu missbrauchen. Zweifeln sie an ihrer Attraktivität, zweifeln sie gleichzeitig auch an ihrer Individualität und ihrem Recht auf Respekt, Anerkennung und Liebe. Sie fühlen sich nicht gut genug, um ein selbstbewusstes Leben zu führen."

Kritikerinnen sehen im Schönheitswahn vor allem ein Instrument der Macht, als eine Waffe gegen das Vordringen der Frauen. Der Kult um die Schönheit habe mit Weiblichkeit nicht viel zu tun. Schriftstellerin Naomi Wolf schreibt: "Wir befinden uns in einer heftigen reaktionären Bewegung gegen den Feminismus. In dem Masse, wie es den Frauen gelang, sich vom Weiblichkeitswahn frei zu machen, übernahm der Schönheitsmythos dessen Funktion als Instrument sozialer Kontrolle." Schlussendlich stecken hinter dem Schönheitskult politische und wirtschaftliche Interessen einer boomenden Mode- und Kosmentikindustrie. Auch das sollte man seinen Kindern und sich selber immer wieder klar machen.

erstellt von Lioba Schneemann