Jugendlichen den Wert persönlicher Kommunikation vermitteln

Ein Ratgeber für Eltern

Die Art, wie Jugendliche kommunizieren, finden viele Eltern besorgniserregend.

 

Nicht selten sind Jugendliche ihren eigenen Eltern fremd, kommunizieren über Kurznachrichten, anstatt das persönliche Gespräch zu suchen, lachen über Briefe, als wären es Relikte aus der Steinzeit, benutzen Jugendsprache, die Eltern nicht verstehen. Ein Grund zur Sorge? Verdummt die Jugend aufgrund von Neologismen und Emoticons womöglich? Können und sollten Eltern etwas tun und wenn ja, was?

1. Die wichtigsten Kommunikationskanäle der Jugend - damals und heute

Kommunikation ist ein grundlegendes menschliches Bedürfnis und das gilt natürlich auch für die Jugend. Interessant ist, dass sich die Bedürfnisse der Jugendlichen in den vergangenen Jahrzehnten kaum geändert haben, ihre bevorzugten Kommunikationskanäle sind, aufgrund der heutigen mobilen Vernetzung, jedoch ganz andere als noch vor 20 oder 30 Jahren.

Erlebinsorientierung
Unternehmungen mit Freunden, Internet, jederzeit und überall per Kurznachrichten kommunizieren

Wunsch nach Zugehörigkeit
Freundeskreis, Sportverein, Familie, Soziale Netzwerke, internetbasierte Nachrichtensysteme - nie von Freunden getrennt sein

Entwicklung einer eigenen Identität
Tagebuch, Auseinandersetzung mit anderen, Web-Blog, Profile in sozialen Netzwerken, Online-Rollenspiele

Streben nach Freiheit und Unabhängigkeit
Auflehnung gegen Autoritäten, Reisen, "elternferie Zone Internet", per Smartphone jederzeit für Freunde, aber auch Eltern erreichbar sein

Suche nach Orientierung und Sicherheit
TV, Marken, Zeitschriften, Autoritäten; Internet-Foren, online trifft man immer Leute

Umgang mit Sexualität
Flirten in der Schule oder im Schwimmbad, Flirten per Kurznachtricht, über Online-Singlebörsen oder in Chatrooms, Aufklärung per Internet, Zugang zu nicht jugendfreien Inhalten

Streben nach Status
Mode, Sport, Smartphones, Freundeslisten in sozialen Netzwerken, cooler Content zum forwarden, Online-Bestenlisten, z.B. für Gamer

Bedürfnisse der Jugend (Quelle: Circuits of Cool)

a)  Von Festnetztelefonaten und schriftlichen Briefen

Bevor es Handys gab und jeder einen Internetanschluss zuhause hatte, wurde mittels Festnetztelefon oder schriftlichen Briefen kommuniziert. Wollten Jugendliche miteinander sprechen, mussten sie zum Haus des anderen laufen oder eben das Festnetztelefon nutzen. War der gewünschte Gesprächspartner gerade nicht zuhause, hieß es warten. Bestanden Freundschaften über große Distanzen hinweg, etwa Urlaubsfreundschaften, wurde oft mittels Brief kommuniziert, schließlich waren Festnetz-Flatrates damals noch wenig verbreitet und Ferngespräche entsprechend teuer. So entwickelte sich auch der Trend der sogenannten Brieffreundschaften. In Jugendzeitschriften gab es beispielsweise Annoncen, auf die sich Jugendliche melden konnten, wenn sie einen Brieffreund suchten. Ebenfalls sehr beliebt waren damals sogenannte Freundschaftsbücher. Dabei konnte es sich um Bücher handeln, in die jeder Freund einige Angaben über sich schrieb und ein Foto einklebte, also sozusagen das Facebook-Profil von früher oder es handelte sich um Bücher, in denen sich die Jugendlichen gegenseitig Briefe schrieben. Das Buch wurde dann in der Schule ausgetauscht und immer abwechselnd wurde hineingeschrieben, gemalt oder es wurden Fotos hineingeklebt. Besonders einfallsreiche Jugendliche besprachen damals sogar Kassetten, um diese dann untereinander auszutauschen.

Sind die Zeiten der handschriftlichen Kommunikation vorbei? © Ivan Kruk - Fotolia.com

 b) Der Siegeszug der Mobiltelefone

Die zwischenmenschliche Kommunikation revolutionieren, sollten die Mobiltelefone. Wer ein Handy sein eigen nennen konnte, war fortan immer und, je nach Netzabdeckung, fast überall erreichbar. Zuerst waren die Mobiltelefone noch sehr groß, schwer und klobig und aufgrund ihres hohen Preises nur reichen Geschäftsleuten oder Prominenten vorbehalten. Mit der Zeit wurden die Geräte jedoch kleiner, leichter, günstiger und verfügten über immer mehr Funktionen. Wie der Sonntagszeitung zu entnehmen ist, besitzen heute rund 97 Prozent der Schweizer ein Mobiltelefon, bei den über 65-jährigen sind es sogar erstaunliche 93 Prozent. Dabei ist, so der Beitrag weiter, vor allem in den vergangenen vier Jahren ein rasanter Anstieg der Handynutzer zu verzeichnen. Vor allem bei der älteren Bevölkerung ist ein deutlicher Zuwachs festzustellen. Besaßen 2010 noch 56 Prozent ein Handy, sind es heute wie erwähnt bereits 93 Prozent. Zu erklären ist dies damit, dass mittlerweile auch immer mehr ältere Menschen das Handy als ein praktisches Multifunktionsgerät anerkennen. Hinzukommt, vor allem bei jugendlichen Nutzern, der soziale Druck. Wer heute kein Smartphone oder wenigstens ein Handy besitzt, wird in der Schule schnell zum Außenseiter.

c) Die internetbasierten Kurznachrichtendienste lösen Chatrooms, SMS und E-Mails ab

Wie einer repräsentativen Umfrage, welche vom Hightech-Verband BITKOM in Auftrag gegeben wurde, zu entnehmen ist, ist die Kommunikation per Smartphone oder Handy mittels Kurznachrichten für die meisten Jugendlichen wichtiger, als persönliche Gespräche von Angesicht zu Angesicht. Die Befragten waren zwischen zehn und 18 Jahren alt und sollten im Zuge der Erhebung die drei für sie persönlich wichtigsten Kommunikationskanäle angeben. Der am häufigsten genannte Weg, sich innerhalb des Freundeskreises auszutauschen, waren dabei die Kurznachrichten. Die persönlichen Gespräche schafften es nur auf den zweiten Platz. Festnetztelefonate erreichten gerade einmal 36 Prozent und landeten damit auf Platz drei. Jugendliche möchten immer und überall mit ihren Freunden in Kontakt blieben und das schnell und unkompliziert. Diesem Bedürfnis kommen die Kurznachrichten entgegen. Die klassische SMS ist dabei längst nicht mehr das Maß aller Dinge. Viel häufiger kommuniziert die Jugend über internetbasierte Kurznachrichtendienste, wie WhatsApp, Joyn oder iMessage. Heute ist es nicht nur möglich, sich einen Text hin und herzuschicken, sondern auch Fotos, Videos oder Sprachnachrichten können jederzeit mit den Freunden geteilt werden. Rund 32 Prozent der befragten Jugendlichen zählten zudem soziale Netzwerke, wie Facebook oder Twitter, zu ihren liebsten Kommunikationskanälen. Auf diese wird jedoch im folgenden Abschnitt noch näher eingegangen. Chatrooms, welche sich bei der Jugend vor einigen Jahren noch größter Beliebtheit erfreuten, haben heute kaum noch eine Bedeutung. Nur 13 Prozent zählen sie noch zu ihren wichtigsten drei Kommunikationskanälen. Die klassische E-Mail spielt für die Jugendlichen fast gar keine Rolle mehr, denn gerade einmal sieben Prozent der Befragten gaben an, bei E-Mails würde es sich in ihren Augen um ein wichtiges Kommunikationsmittel handeln. Handgeschriebene Briefe auf Papier belegen mit drei Prozent übrigens den letzten Platz.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch eine Erhebung des Credit Suisse Jugendbarometers, wie in folgender Statistik deutlich wird:

Vor allem die Nutzung von Smartphones ist unter Schweizer Jugendlichen stark angestiegen (© Credit Suisse / In: Statista)

d) Facebook, statt Freundschaftsbücher

Jugendliche suchen sich ihre Bestätigung heute oft online. © Photographee.eu - Fotolia.com

Die Zeiten der analogen Freundschaftsbücher sind längst gezählt, heute präsentieren sich Jugendliche mittels ihrer Profile in sozialen Netzwerken, wie Facebook, Twitter oder Tumblr. Die Vernetzung bringt dabei eine Reihe an Vorteilen mit sich, wie zum Beispiel das Wiederfinden alter Freunde. Wer seine persönlichen Daten mit anderen teilt, gibt ihnen zusätzliche Informationen, welche zum Beispiel bei der Auswahl eines geeigneten Geburtstagsgeschenks hilfreich sein können. Zudem helfen die persönlichen Erinnerungen der Netzwerke dabei, die Geburtstage von Freunden nicht zu vergessen. Dies kann jedoch auch als Negativargument ausgelegt werden, so der Beitrag «Wie SMS, E-Mail und Soziale Netzwerke die persönliche und schriftliche Glückwunschüberbringung ersetzen» des Raab-Verlags. Wer sich nur an den Geburtstag eines Freundes erinnert, weil Facebook ihn darauf hinweist, hat den Freund ansonsten möglicherweise nicht mehr so sehr im Bewusstsein. Verewigen sich viele Gratulanten auf der Pinnwand, ist dies zwar schön, dennoch ist es weitaus weniger persönlich, als ein netter Anruf, eine Glückwunschkarte oder ein Besuch inklusive Umarmung. Es gibt natürlich heute noch genauso viele persönliche Beziehungen, wie zuvor, doch gerade die Kommunikation zwischen Jugendlichen hat sich, wie bereits erwähnt, stark ins Internet verlagert und viele Freundschaften sind deshalb kurzweiliger oder oberflächlicher. Wer hat schließlich im echten Leben 400 Freunde und würde das überhaupt funktionieren? Eltern geht es jedoch meist gar nicht um diese Frage, sie sind viel besorgter um die Sicherheit ihres Nachwuchses und seiner Daten. Gerade Jugendliche gehen mit ihren Daten im Netz oft unvorsichtig um, posten Selfies in sozialen Netzwerken oder greifen auf nicht-jugendfreie Inhalte zu. Die PDF der Züricher Hochschule für angewandte Wissenschaften vermittelt Eltern wichtige Medienkompetenzen, klärt sie über die Gefahren im Netz, wie Cybermobbing, Gewalt, Online-Sucht und die altersgerechte Mediennutzung auf.

2. Jugendlichen den Wert persönlicher Kommunikation vermitteln

Viele Eltern wünschen sich, ihr Nachwuchs wäre etwas aufmerksamer und kommunikativer. Vor allem innerhalb der Familie ist eine gute Kommunikation sehr wichtig, doch scheinbar, dank der Smartphone-verrückten Jugend, leider nicht immer möglich. Doch die meisten Eltern wissen auch, dass sie mit Vorhaltungen meist nicht sehr weit kommen. Um Jugendlichen den Wert persönlicher Kommunikation zu vermitteln, ist es erst einmal nötig, die Beweggründe sowie die Sprache der Jugend zu verstehen.

a)    Die Beweggründe der Jugend verstehen
Vielen Eltern fällt es schwer, sich in ihren jugendlichen Nachwuchs hineinzuversetzen. Warum muss der Sohn auf dem Heimweg von der Schule unentwegt mit seinen Freunden Kurznachrichten austauschen, er hat sie doch vor wenigen Minuten noch gesehen? Zudem haben viele Eltern die Sorge, ihre Kinder würden, aufgrund der Jugendsprache und der ganzen Abkürzungen, welche sie im Chat mit Freunden nutzen, allmählich verdummen.  Erstmal vorweg: Die Jugendsprache führt in der Regel nicht zur Verdummung. Die Jugendlichen sind sich sehr wohl bewusst, mit wem sie gerade sprechen und welche Ausdrucksweise angemessen ist. Ob sie diese in ihrem jugendlichen Trotz dann auch verwenden, steht allerdings auf einem anderen Blatt geschrieben. Die Pubertät stellt für die meisten Familien eine große Herausforderung dar, denn Eltern werden plötzlich mit Dingen konfrontiert, bei welchen sie ihre eigenen Kinder kaum wiedererkennen. Die Jugendlichen wiederum befinden sich in der schwierigen Phase der Selbstfindung, wollen sich von ihren Eltern abgrenzen, sind dabei aber häufig noch orientierungslos und suchen nach Vorbildern im Freundeskreis oder den Medien. Es ist ganz natürlich, dass dieser Ablösungsprozess von den Eltern mit einem rebellierenden und ablehnenden Verhalten einhergeht. Wichtig ist, dass Eltern sich nicht alles bieten lassen, ihrem Nachwuchs aber dennoch den nötigen Freiraum bieten, den er zur eigenen Entfaltung braucht. Diese Balance zu finden, fällt natürlich nicht immer leicht.

Trotzige Jugendliche treiben ihre Eltern in den Wahnsinn. © Markus Bormann - Fotolia.com 

Doch was hat es nun mit dem ständigen Schreiben am Smartphone und dem pausenlosen Surfen im Internet auf sich? Ganz einfach: Jugendliche wollen möglichst ständig mit ihren Freunden in Kontakt sein und das Smartphone bietet ihnen die Möglichkeit dazu. Des Weiteren gibt es immer die Angst, etwas zu verpassen, etwa eine Party oder den neusten Klatsch und Tratsch aus der Schule, weshalb natürlich auch die sozialen Netzwerke regelmäßig gecheckt werden müssen. Hätte die heutige Elterngeneration die Möglichkeit gehabt, sich 24/7 mit ihren Freunden auszutauschen und sich lustige Videos oder selbst geschossene Fotos zuzuschicken, hätte sie es nicht auch getan?

b)    Die Sprache der Jugend verstehen
Die Sprache der Jugend zu verstehen, ist für Erwachsene besonders knifflig, nutzen sie doch ständig neue fantasievolle Ausdrücke, die Eltern selbst im Kontext nur schwerlich zu interpretieren wissen. Doch warum ist das eigentlich so? Welchen Zweck verfolgen Jugendliche, wenn sie Wortneuschöpfungen entwickeln und sich daraus ihre ganz eigene Jugendsprache schaffen?

2.b.1)    Abgrenzung der Jugend durch Sprache
Einer der Hauptgründe für Jugendliche eine eigene Sprache zu entwickeln, ist der der Abgrenzung. Jugendliche leben in einem stetigen Prozess der Identitätsfindung. Sie brauchen Distanz zu ihren Eltern, um ihre eigenen Wertvorstellungen zu entwickeln, so ein Beitrag von familienleben.ch. Zur Entwicklung der eigenen Persönlichkeit gehört auch, sich frei und ungestört ausprobieren zu können. Den nötigen Halt suchen Jugendliche dabei meist lieber bei Gleichaltrigen, als bei ihren Eltern – ein Umstand an den sich viele Eltern nur schwer gewöhnen können. Die Jugendsprache fördert den Zusammenhalt in der Gruppe und ist eine klare Abgrenzung der Erwachsenengeneration gegenüber.

2.b.2)     Sprache als Stilbastelei 
Jugendsprache ist keinesfalls ein neues Phänomen. Denken Eltern mal an ihre eigene Jugend zurück, fallen ihnen sicher auch die einen oder anderen Begriffe ein, die sie früher regelmäßig nutzten und die ihre Eltern in den Wahnsinn trieben. Schon der griechische Epiker Hesiod schrieb 700 Jahre vor Christus:

«…denn fremd fühlt sich der Vater den Kindern (…) und eilend entziehen sie die Ehre den altersgebeugten Erzeugern, mäkeln an ihnen und fahren sie an mit hässlichen Worten».

Die heutige Jugend hat vor allem Spaß daran, Zitate, seien sie nun aus Filmen oder aus Werbebotschaften oder sonst einer anderen Quelle, in die eigene Rede einzubauen oder auch Äußerungen spielerisch zu verfremden. Auch formelhafte Redewendungen werden von den Jugendlichen aufgegriffen. Der Beitrag des Familienhandbuchs nennt in diesem Zusammenhang das Beispiel: «Lassen Sie mich Arzt, ich bin durch». Des Weiteren sprechen Jugendliche, die nicht über einen Migrationshintergrund verfügen, gern in fehlerhaftem Deutsch. Hier in der Schweiz wird diese Sprechweise als «Balkandeutsch» oder «Jugodeutsch» bezeichnet. Nicht zuletzt sind jedoch auch intensivierende Ausdrücke ein typischer Aspekt der Jugendsprache, schließlich ist bei Jugendlichen alles echt «krass», «mega», «brutal» oder «fett». Jugendliche haben meist so lange Spaß an ihren Sprachwendungen, bis Erwachsene anfangen sie zu adaptieren, dann ist der bis dato hippe Begriff plötzlich alles andere als angesagt.

2.b.3)    Der Einfluss der Medien auf die Sprache 

Jugendsprache ist auch immer durch die Medien geprägt. © Jürgen Fälchle - Fotolia.com

Die Medien nehmen einen großen Einfluss auf die Sprache der Jugend. Zum einen entlehnen Jugendliche Sprüche oder Begriffe aus der Werbung oder aus diversen TV-Formaten, zum anderen tragen die Medien auch in entscheidender Weise zur Verbreitung von Jugendsprache bei.

2.b.4)    Die beliebtesten Ausdrücke der Schweizer Jugend 
Es folgt für alle Eltern, die gern verstehen möchten, was ihr Nachwuchs da den ganzen Tag so von sich gibt, eine Übersicht der beliebtesten Ausdrücke der Schweizer Jugend:

  • Was lauft? – Was ist los?

  • Voll easy – Ganz einfach!

  • Chills! – Reg dich ab!

  • Fail! – Grober Fehler!

  • Schliifts? – Spinnst du?

  • Wo läbsch du? – Du benimmst dich gerade daneben

  • Hängs! – Nimm es locker!/Entspann dich!

  • Tviel! – Mega!

  • Ciao Läbe – ich tauche jetzt in den Ernst des Alltags ab

c)    Die persönliche Kommunikation innerhalb der Familie pflegen

Vielen Eltern wird dies sicher bekannt vorkommen. © doble.d - Fotolia.com

Wie Jugendliche untereinander kommunizieren, ob sie sich nun lieber persönlich treffen, um Informationen auszutauschen oder Kurznachrichten bevorzugen, darauf haben Eltern keinen Einfluss. Worauf sie jedoch Einfluss nehmen können und sollten, ist die Gesprächskultur innerhalb der Familie.

2.c.1)     Den Jugendlichen die eigenen Beweggründe näherbringen
Mit Anschuldigungen kommen Eltern bei ihrem jugendlichen Nachwuchs in der Regel nicht weiter. Anstatt ständig Du-Botschaften zu senden, wie zum Beispiel «Du bringst dich viel zu wenig in das Familienleben ein» oder «Dein Handy ist dir offensichtlich wichtiger als wir», sollten Eltern lieber sich selbst offenbaren und ihrem Nachwuchs sogenannte Ich-Botschaften schicken. Diese könnte zum Beispiel folgendermaßen lauten «Mich macht es traurig, dass wir in unserer Familie so wenig miteinander reden. Hast du vielleicht eine Idee, was wir ändern könnten?». Den Jugendlichen müssen die eigenen Beweggründe mit viel Feingefühl erklärt werden. Es nutzt nichts, dem Nachwuchs Schuldgefühle einzureden, denn oft sind es die Eltern selbst, die aufgrund des stressigen Alltags zu wenig Zeit für gute Gespräche mit ihren Kindern haben. Hinzukommt, dass viele Jugendliche das Gefühl haben, ihre Eltern würden sich überhaupt nicht wirklich für sie und ihre Lebenswelt interessieren, ihnen ginge es nur darum, dass die Noten stimmen und der Teller immer hübsch aufgegessen wird. Ehrliches Interesse an dem Jugendlichen, seinen Ängsten, Sorgen und Problemen, ist also der Schlüssel zu guter Kommunikation, genau wie zu respektieren, dass es Dinge gibt, über die Pubertierende nun wirklich nicht mit ihren Eltern sprechen wollen.

2.c.2)     Sich Zeit nehmen
Eltern müssen sich Zeit für ihren jugendlichen Nachwuchs nehmen, auch, wenn dieser meist den Eindruck erweckt, daran keinerlei Interesse zu haben. Nimmt sich jemand Zeit für einen anderen und lässt sich auf ihn ein, ist interessiert und hört aufmerksam zu, so ist dies sehr förderlich für das Selbstwertgefühl des Betreffenden. Doch um wirklich zuzuhören, muss erstmal aktiv Raum dafür geschaffen werden, so der Ratgeber «Gespräche brauchen Zeit». Im Alltag bleibt jedoch oft nur sehr wenig Raum für Gespräche. Die Eltern haben ihren Vollzeitjob, die Kinder sind mit Schule, Hobbys und Freunden beschäftigt. Doch jedes Familienmitglied entwickelt sich stetig weiter und wenn nicht regelmäßig ehrlich und ausführlich miteinander kommuniziert wird, bewohnen irgendwann einander völlig fremde Menschen dasselbe Haus. Wie also Zeitinseln schaffen und eine gute Gesprächskultur innerhalb der Familie etablieren?

2.c.2.1)    Das gemeinsame Familienessen 
Das gemeinsame Familienessen sollte regelmäßig stattfinden und nicht etwa nur sonntags. Wenn alle zusammen an einem Tisch sitzen, kann sich in Ruhe ausgetauscht werden. Eltern wie Jugendliche legen ihre Smartphones für die Zeit des Essens zur Seite und erzählen sich gegenseitig, was es so neues gibt. Klingt an sich gut, dass Problem ist nur, dass sich wirklich persönliche Themen meist besser unter vier Augen besprechen lassen. Deshalb hat der oben genannte Ratgeber die Idee, einfach einmal die Woche mit dem Nachwuchs auswärts zu essen. Jedoch soll sich nicht die ganze Familie im Restaurant einfinden, sondern nur Mutter und Tochter beziehungsweise Sohn  und Vater und Sohn beziehungsweise Tochter. Dies kann immer im Wechsel passieren, sodass jeder Elternteil mit dem Nachwuchs mal alleine ist und sich in Ruhe austauschen kann.

Unter vier Augen spricht es sich besser - einfach mal Zeit zu zweit genießen. © Christian Schwier - Fotolia.com

2.c.2.2)    Geteilte Familienausflüge und Kurzurlaube
Dieses Prinzip der Zeit zu zweit lässt sich noch ausweiten. So kann jeder Elternteil ab und an gezielt Ausflüge mit nur einem der Kinder planen oder sogar mal einen Kurzurlaub unternehmen. Dies muss nicht jede Woche passieren, dazu hätten die Jugendlichen wahrscheinlich auch gar keine Lust. Die Familie kann sich aber vornehmen, dass zum Beispiel vier Mal im Jahr jeweils Mutter und Sohn beziehungsweise Tochter und Vater und Sohn beziehungsweise Tochter als Zweiergespann einen ganzen Tag oder sogar ein ganzes Wochenende miteinander verleben. Gerade diese Zeit zu zweit schweißt die Familie als Ganzes zusammen und sorgt für intensive Gespräche in welchen sich die Beteiligten von ganz neuen Seiten kennenlernen können.
Fazit

Kommunikation war und ist ein sich stets wandelndes Gebilde. Wenn Eltern mal ganz ehrlich zu sich sind, werden sie feststellen, dass auch sie damals Ausdrücke ihrer Jugendsprache verwendet haben und dies wiederum ihren Eltern nicht gepasst hat. Warum sollte dem eigenen Nachwuchs dann nicht etwas Verständnis entgegengebracht werden?

 Diskussionen mit dem Nachwuchs wird es immer geben. © Monkey Business - Fotolia.com

Eltern sollten das Kommunikationsverhalten der Kinder beobachten, aber nicht überkritisch beurteilen. Wir leben nun mal im digitalen Zeitalter und Jugendliche nutzen die Möglichkeiten, die Smartphones und ständige Vernetzung ihnen bieten. Sie kürzen Wörter und Sätze ab und anstatt ein Gefühl zu formulieren, senden sie einfach ein Emoticon. Deshalb verdummen sie noch lange nicht und in der Regel wissen sie sich in Situationen, wo dies gefordert ist, auch entsprechend auszudrücken.  Eltern sollten ihren Kindern Interesse entgegenbringen und sich Zeit nehmen, um ihnen so den Wert der persönlichen Kommunikation näherzubringen. Wichtig ist vor allem, nicht gleich aufzugeben, nur weil der Nachwuchs keinerlei Interesse an intensiven Gesprächen zu haben scheint. Die Pubertät ist ein ständiges Auf und Ab der Gefühle und mal suchen Jugendliche den Kontakt zu den Eltern mehr und mal können sie gar nicht genug Abstand bekommen.

erstellt von Olaf Aperdannier