Ist mein Kind onlinesüchtig?

Stundenlanges surfen oder Wochenende für Wochenende gamen - Jugendliche verweilen gerne in den Weiten der digitalen Welt.

Wenn Eltern sich fragen, ob dies noch normal ist, kann die Wissenschaft mit Zahlen zur durchschnittlichen Nutzung einen Richtwert geben, jedoch spielen diverse andere Faktoren ebenfalls eine Rolle. Die JAMES-Studie 2012 zeigt, dass Jugendliche im Alter von 12 bis 19 Jahren unter der Woche durchschnittlich etwa 2 Stunden online sind. Am Wochenende surfen sie etwa eine Stunde mehr. Die Dauer allein reicht jedoch nicht als Merkmal aus um auf eine sogenannte Onlinesucht zu schliessen, genauso wichtig ist es zu wissen, ob bisherige Hobbies oder Freundeskreise vernachlässigt werden und die Leistungen in der Schule oder am Arbeitsplatz sinken.

Auch eine gedankliche Eingenommenheit mit dem Game oder mit den Webinhalten ist ein Anzeichen, genauso wie körperliche Entzugserscheinungen wie Zittern und Schlafstörungen, bei Nichtausüben der gewünschten Tätigkeit. Jugendliche, die viel Zeit online verbringen oder täglich mit Videogames beschäftigt sind, sind nicht per se gefährdet, solange sie weiterhin ihre Freunde auch ausserhalb des Internets treffen und zum Beispiel auch mal einen echten Fussball ins Tor schiessen, statt lediglich FIFA 14 auf der X-Box zu spielen. Ist dies jedoch nicht mehr der Fall, leidet meist die ganze Familie mit, am wenigsten Leidensdruck ist scheinbar bei den betroffenen Jugendlichen selbst zu erkennen.

Bei Onlinesucht kann geholfen werden, wenn es auch in der ersten Phase meist darum geht, die betroffenen Jugendlichen zu überzeugen, dass sie überhaupt Hilfe brauchen. Um umfassend zu unterstützen ist der Ansatz der systemischen Psychotherapie sinnvoll - dazu wird die gesamte Familie zum Erstgespräch eingeladen. Zusammen wird entschieden in welcher Konstellation die weiteren Sitzungen abgehalten werden. Die Jugendlichen werden hierbei nicht als das Problem dargestellt, sondern als Experten ihrer selbst in den Lösungsprozess mit eingebunden.
 
Hilfe oder Beratung gibt es hier:
Psychologische Beratung bei Onlinesucht & Cybermobbing am IAP Institut für Angewandte Psychologie.
Weitere Informationen unter: www.iap.zhaw.ch/onlinesucht

Quellen:
Willemse, I., Waller, G., Süss, D., Genner, S. & Huber, A.-L. (2012). JAMES - Jugend, Aktivitäten, Medien - Erhebung Schweiz. Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Zürich.
Download unter: www.psychologie.zhaw.ch/james