Gemeinsame elterliche Verantwortung - das Kind im Zentrum

Kinder brauchen Eltern, die gut für sie sorgen. Und sie brauchen Schutz vor schlechter Behandlung. Eine verlässliche Betreuung und ein gesicherter Lebensunterhalt sind entscheidend, damit sich Kinder wohlfühlen und mit guten Zukunftschancen aufwachsen.

Die konsequente Ausrichtung auf das Kind kommt am Ende auch den Eltern zu Gute. (Bild: ejwhite)

Der SVAMV (Schweizerischen Verbands alleinerziehender Mütter und Väter) begrüsst deshalb den Entscheid von Bundesrätin Sommaruga, die Revision der elterlichen Sorge auf die ganze elterliche Verantwortung auszuweiten und Unterhaltsfragen einzubeziehen.

Getrennt lebende Eltern sollen die elterliche Sorge gemeinsam ausüben, wenn sie gemeinsam entscheiden können. Sind sie dazu nicht in der Lage, muss das Gesetz die Kinder schützen. Denn die gemeinsame Entscheidungsbefugnis führt in solchen Situationen zu ständigen Auseinandersetzungen, die die Kinder gefährden. Der SVAMV wird sich am Runden Tisch für konstruktive Lösungen einsetzen, die das Wohl und die Rechte der Kinder wahren.

Kinder brauchen Eltern, die verlässlich für ihre Betreuung und ihren Lebensunterhalt sorgen, ihre Bedürfnisse ernst nehmen, ihre Rechte achten und die Beziehung zu ihnen auf kindgemässe Weise pflegen. Sie brauchen Eltern, die sie ins Zentrum stellen, wenn sie Entscheide für sie fällen. Die UNO-Kinderrechtekonvention garantiert Kindern das Recht, von beiden Eltern erzogen zu werden. Sie gibt dem Kind das Recht, dass seine Meinung gehört und berücksichtigt wird, und sichert ihm Schutz zu. Bei andauernden elterlichen Auseinandersetzungen, häuslicher Gewalt, oder wenn eine Elternperson nicht angemessen für ihre Kinder sorgen kann, weil sie zum Beispiel sucht- oder psychisch krank ist, muss das Gesetz die Kinder schützen. Die Scheidungsforschung zeigt, dass gravierende Konflikte und nicht die Trennung die Kinder am meisten belasten.

Konsequente Ausrichtung auf das Kind hilft auch den Eltern
Die heutige gesetzliche Regelung der Kinderbelange garantiert die verbrieften Kinderrechte nicht ausreichend. Der Verband der Alleinerziehenden begrüsst deshalb, dass der von Bundesrätin Simonetta Sommaruga einberufene Runde Tisch das Kind ins Zentrum stellt und die gemeinsame elterliche Verantwortung zum Thema macht. "Nur die konsequente Ausrichtung auf das Kind macht den Weg frei für eine kindgerechte gesetzliche Regelung der elterlichen Verantwortung", betont SVAMV-Präsident Roland Lüthi. "Dies verbessert schlussendlich auch die Situation der Eltern, denn es ermöglicht ihnen, gut für ihre Kinder zu sorgen."

Gemeinsame finanzielle Verantwortung für das Kind
Die elterliche Unterhaltspflicht gehört untrennbar zur elterlichen Verantwortung. Wenn das Einkommen nicht ausreicht, können aber heute die Väter und Mütter, deren Kinder nicht bei ihnen aufwachsen, ihre finanzielle Verantwortung nicht wahrnehmen. Sie erhalten keine Hilfe, um für ihre Kinder zu sorgen. Der SVAMV verlangt deshalb Regelungen, die das Recht des Kindes auf seine Unterhaltsbeiträge wirksam schützen. Dazu gehört die Mankoteilung mit Berücksichtigung des Betreuungsaufwands, der vor allem werktags mit der Erwerbsarbeit konkurriert.

Ein Mindestunterhaltsbeitrags, der jedem Kind getrennter Eltern zusteht und der einfachen maximalen Waisenrente entspricht, muss deshalb ins Bundesrecht eingeführt werden. Mütter und Väter, die ihre Unterhaltsbeiträge nicht zahlen können, müssen Anspruch auf finanzielle Unterstützung zum Beispiel durch die Sozialhilfe haben, damit sie ihre Kinder nicht im Stich lassen müssen.

Gemeinsames Entscheiden fördern und regeln

Es entspricht dem Gedanken der gemeinsamen Verantwortung, dass Eltern Entscheidungen für das Kind gemeinsam treffen. Der SVAMV begrüsst deshalb, dass heute bereits 40 Prozent der nicht verheirateten oder geschiedenen Eltern die elterliche Sorge gemeinsam ausüben. Er befürwortet alle Massnahmen, die Eltern unterstützen und befähigen, mit Blick auf die Rechte und Bedürfnisse ihrer Kinder in den Kinderfragen gemeinsam zu entscheiden.

Das Gesetz muss Kindern aber auch den nötigen Schutz bieten, wenn ihre Eltern sich nicht einigen können. Gerade dies tun die heute geltenden Gesetzesbestimmungen über die gemeinsame elterliche Sorge geschiedener und nicht verheirateter Eltern, denn sie sind für den Fall formuliert, dass die Eltern mit einem gemeinsamen Antrag und einer Vereinbarung zeigen, dass sie gemeinsam entscheiden können und wollen.

Kinder schützen
Es würde die Lage vieler Kinder massiv verschlechtern, wenn die gemeinsame elterliche Sorge nicht zusammen lebender Eltern zur Regel gemacht würde, ohne geeignete Gesetzesbestimmungen zum Schutz der Kinder zu erlassen.

Der SVAMV verlangt deshalb, dass die zuständige Behörde auch in Zukunft jeden Einzelfall überprüft, damit die Verteilung der elterlichen Entscheidungsbefugnisse dem Kindeswohl entspricht. Besonders berücksichtigt werden müssen dabei die Betreuungsregelung vor der Trennung oder Scheidung, die Fähigkeit und die Möglichkeiten der Eltern im Alltag, gemeinsam zu entscheiden, sowie eine allfällige Problematik in den Bereichen häusliche und Trennungs-Gewalt, Sucht, psychische Erkrankungen und Hochkonfliktsituationen.

Es braucht in jedem Fall eine Vereinbarung der Eltern, welche die Unterhaltsbeiträge für das Kind, die Regelung der Betreuung und des persönlichen Verkehrs und allenfalls der Entscheide, die gemeinsam gefällt werden, festlegt. Die Vereinbarung muss behördlich daraufhin überprüft werden, ob sie mit dem Kindeswohl übereinstimmt. Am besten ist es, wenn Eltern eine solche Vereinbarung bereits im Hinblick auf die Geburt des Kindes hin abschliessen. Dies hilft ihnen, sich bei einer allfälligen späteren Trennung darüber zu einigen, wie sie für ihr Kind sorgen wollen.

Für weitere Informationen: www.einelternfamilie.ch

erstellt von SVAMV