Erziehung - quer durchs Alphabet (H-N)

Kinder grosszuziehen ist Knochenarbeit. Im Alltag hilft ab und zu nur noch eine gute Prise Humor und ganz viel gesunder Menschenverstand. Hier der zweite Teil unseres Erziehungs-ABC.

Hausmittelchen
So manches Übel muss im Familienalltag bekämpft werden. Laufende Nasen, verstauchte Knöchel, Zahnspangen und Pickel- gehören zur Kinder- und Jugendzeit. Sind die Beschwerden störend aber nicht schlimm, können sie gut mit den -altbewährten Hausmittelchen angegangen werden. Zum Beispiel so:

Schnupfen:
Ein Kopfdampfbad mit ein paar Tropfen Pfefferminz-, Eukalyptus-, Thymian- oder Latschenkiefernöl hilft, die Nase und den Kopf freizubekommen. Babys/Kleinkin-der: Die Kleinen hassen ja in der Regel Nasensprays, egal welchen Inhalts. Eine über Nacht über dem Bett aufgehängte Zwiebelsocke wirkt manchmal Wunder: Zwiebel schälen und in grosse Stücke hacken, in einen Nylonkniestrumpf füllen, über dem Bett aufhängen. Der Geruch am andern Morgen ist ehrlich gesagt übel - aber der Nutzen hoch!

Halsweh:
Gekochte Kartoffeln zerstampfen, in ein Küchenhandtuch wickeln, heiss um den Hals legen und einen Schal drüberbinden.

Husten:
Die gute alte warme Milch mit Honig hilft einfach immer. Die Milch sollte aber nicht heiss, sondern bloss warm getrunken werden, denn die heilenden Enzyme des Honigs werden bei Temperaturen über 40 Grad Celsius zerstört. Hilft aber nur bei trockenem, bellendem Husten. Bei schleimigem Husten lieber gesüssten Zitronensaft nehmen.

Hausaufgaben
Bei den einen gehts schwuppdiwupp und die Hausaufgaben sind erledigt, die andern quälen sich ewig vor dem Blatt und kommen nicht vom Fleck. So verschieden die Kinder die Hausaufgaben erledigen, so unterschiedlich sind auch die Anforderungen, die der Lehrer oder die Lehrerin stellen. Die Hausaufgaben sollten von den Kindern - theoretisch - alleine bewältigt werden. Die Kunst des Helfens besteht nun darin, dem Kind in bestimmten Situa-tionen ganz gezielt zur Seite zu stehen - nicht zu viel und nicht zu wenig. Von den Lehrpersonen darf erwartet werden, dass sie sich am Elternabend zum Thema Hausaufgaben äussern: Was erwarten sie von den Kindern, den Eltern? Wie lange sollte das Kind (höchstens) an den täglichen Hausaufgaben sitzen? Folgende Rahmenbedingungen helfen: Der Ort, an dem die Hausaufgaben gemacht werden, sollte ordentlich sein und nicht zu viele Ablenkungen bieten. Motivieren Sie Ihr Kind, den Schreibtisch aufgeräumt zu halten und auf genügend Platz zum Schreiben zu achten.
Zeit: Überlegen Sie mit Ihrem Kind gemeinsam, wann es am besten die Hausaufgaben machen kann. Lob: Loben Sie Ihr Kind, wenn es Aufgaben gut erledigt oder besonders schön geschrieben hat. Wenn Sie etwas zu kritisieren haben, loben Sie Ihr Kind zuerst und versuchen dann, das Augenmerk des Kindes auf Dinge zu richten, die weniger gut gelungen sind. Wenn Sie feststellen, dass Ihr Kind Mühe mit den Hausaufgaben hat, diese vergisst, regelmässig zu lange darüber brütet oder nicht weiss, wie es die Hausaufgaben bewältigen muss, warten Sie nicht lange und erkundigen Sie sich bei der Lehrperson, wie diese die Situation wahrnimmt.
Weitere Infos: Jeweils beim Volksschulamt des betreffenden Kantons

Internet
Ausser auf dem Schulhof treffen und verabreden sich ältere Kinder und Jugend-liche heute vor allem im Internet. Oft kennen sich Eltern damit nicht besonders gut aus - leider, denn es ist sehr wichtig, dass sich Erziehende über Gefahren und Risiken von Chatrooms, Downloads etc. schlaumachen. Wenn Sie sich nicht sicher sind, wie und wo Sie beginnen sollen, finden Sie hier einige Denkanstösse.
1. Nutzen Sie das Internet gemeinsam mit Ihren Kindern. Ermuntern Sie Ihre Kinder, Ihnen ihre Erfahrungen im Internet mitzuteilen.
2. Wenn Ihre Kinder Chaträume besuchen, Instant Messaging verwenden, an Onlinespielen teilnehmen oder andere Aktivitäten im Internet ausführen, die einen Anmeldenamen zur Identifika-tion erfordern, helfen Sie Ihren Kindern bei der Namensauswahl und vergewissern Sie sich, dass dabei keine persönlichen Informationen preisgegeben werden.
3. Bestehen Sie darauf, dass Ihre Kinder niemals Ihre Adresse, Telefonnummer oder andere persönliche Daten angeben und auch keine Angaben zu besuchten Schulen oder bevorzugten Aufenthaltsorten machen.
4. Zeigen Sie Ihren Kindern, wie sie andere Onlinebesucher mit Respekt behandeln.
5. Weisen Sie Ihre Kinder an, Onlinefreunde niemals persönlich zu treffen. Erklären Sie, dass Onlinefreunde nicht immer unbedingt die Personen sind, als die sie sich ausgeben.
6. Bringen Sie Ihren Kindern bei, dass nicht alles, was Sie online lesen oder sehen, auch wahr ist. Ermutigen Sie Ihre Kinder, Fragen zu stellen, wenn sie sich nicht sicher sind.
7. Überwachen Sie die Onlineaktivität Ihrer Kinder mit moderner Internetsoftware. Über Jugendschutzeinstellungen können Sie schädigende Inhalte herausfiltern.

Jugendkultur
Hey, wie siehst du denn aus? Am Morgen huscht jemand an Ihnen vorbei und Sie erkennen ihn/sie/es nicht? Es könnte Ihre pubertierende Tochter oder Ihr Sohn sein. Und Sie sind so was von weg vom Fenster, dass Sie nicht mal den Style erkennen! Was ist der Krocha-Style? Wie unterscheiden sich Gothics und Emos? Wenn Teenager eine Jugendkultur für sich entdecken, stellen sich Eltern viele Fragen und sie sollten sich nach den Antworten auf die Suche machen.
Hier können Sie Fragen stellen:
fragen.focus.de
Mehr Infos zu Emos, Gothics & Co.:
wikipedia.org

Jungs und Schule
Stricken? Salsa tanzen? Probleme diskutieren? Sicher gibts Jungs, die das megasuper finden. Vielleicht kennen Sie einen? Der Grossteil der Buben funktioniert aber anders. Und gerät in der Schule genau deshalb oft ins Abseits. Wie Buben funktionieren und welche Art von Unterricht sie in der Schule gebrauchen könnten, schildert der Kinder- und Jugendpsychologe Allan Guggenbühl in seinem Buch «Kleine Machos in der Krise» (Werder Verlag)

Kleider
Jüngere tragen sinnvollerweise die Kleider der Älteren nach. Manchmal kriegen sie dann aber auch Schreikrämpfe - wenns einfach nie was Neues gibt, sondern nur die zerkratzten Skier des älteren Bruders. Auch die Jüngeren haben mal was Neues verdient! Bestimmt schenkt das Grosi oder der Götti gerne ein herziges Kleid oder eine coole Hose. Übrigens: Das alte Gerücht «Gebrauchte Schuhe machen Füsse schief» stimmt leider. Das Problem bei gebrauchten
Schuhen: Fusssohle und -bett sind vom Vorbesitzer «eingetragen» und können die noch schwache Fussmuskulatur oder das noch im Wachstum begriffene Skelett ungünstig beeinflussen.
Kleider werden auch in der Pubertät zum grossen Thema: Was, wenn sich die Tochter aufbretzelt wie Christina Aguilera? Oft tun sie das in erster Linie, um sich selbst zu inszenieren, und nicht unbedingt, um bei den Jungs anzukommen. Und ganz oft sind sie schlicht noch zu naiv, um selbst zu verstehen, was sie damit ausdrücken. Logo, Empörung seitens der Eltern bringt hier gar nichts. Wohl aber die Erklärung, dass allzu freizügige Outfits missverstanden werden könnten und dass man sich in der Schule an gewisse Kleiderregeln halten muss.

Lügen haben Elternbeine
Dürfen Eltern lügen? Zum Beispiel: Wenn du weiterhin so schielst, bleiben die Augen so stehen! Das stimmt nämlich gar nicht, wir wissen das. Erziehen durch Lügen? Haben wir doch gar nicht nötig. Schielen stört ja niemanden. Auch Lügenmärchen über Gemüse kann man sich sparen, besser läufts, wenn man ein paar gluschtige Rezepte findet und Gemüse und Salat täglich auf dem Tisch anzutreffen sind. Wir Eltern wissen auch, dass es den Osterhasen, den Samichlaus und den Weihnachtsmann nicht gibt. Wie ist es aber nun mit den schönen Geschichten, die seit je die Fantasie von Kindern beflügelt haben? Belüge ich mein Kind, wenn ich ihm erzähle, die Geschenke bringe der Weihnachtsmann oder betrüge ich es um eine zauberhafte Illusion, wenn ich ihm von Anfang an ehrlich sage, dass es einen Weihnachtsmann nicht gibt? Wer Kinder hat, stellt fest, dass durchaus beides geht.

Man kann im Fantastischen schwelgen und den Kindern dabei gleichzeitig klarmachen, dass all dies «in Wirklichkeit» nicht geht. Immer ehrlich sein zu wollen verlangt nicht, ein trockener Realist zu werden.
Allerdings sollte man im Alltag bei der Wahrheit bleiben und nicht «Bequem-Lügen» auftischen: Zum Beispiel wenn man ein altes, zerfleddertes Mickey-Mouse-Comic weggeworfen hat und der Sohn es verzweifelt sucht oder auch vor einem Arztbesuch, wenn gefragt wird, ob es wohl wehtun wird. Auch wenn die Wahrheit unangenehme Konsequenzen hat!

Läuse
Oh Mann, die Läuse! Eltern schulpflichtiger Kinder dürfen heute im Minimum einmal jährlich Jagd auf Läuse machen. Schätzungen zufolge macht heute jedes dritte Kind mindestens einmal Bekanntschaft mit Kopfläusen. Um Kopfläuse wieder loszuwerden, hilft nur eine Doppelstrategie: die Anwendung eines Mittels zur Kopfläuse-Behandlung und wiederholtes sorgfältiges Auskämmen. Nach acht, neun oder zehn Tagen nach der ersten muss unbedingt eine zweite Behandlung folgen. Lassen Sie sich in der Apotheke oder Drogerie beraten.

Mindestens genauso wichtig wie die Behandlung ist aber noch etwas anderes: Wenn bei Ihrem Kind Kopfläuse entdeckt wurden, können Sie davon ausgehen, dass die Plagegeister längst auch schon andere befallen haben. Wenn die jeweilige Gruppe nicht auch gegen die Kopfläuse vorgeht, können all Ihre Bemühungen vergebens bleiben. Da hilft nur eines: Informieren Sie die Schule, den Kindergarten, die Freunde. Mehr Infos: kopflaus.ch

Meins!
Teilen will gelernt sein. Und dies von klein auf. Wer auf dem Spielplatz mit dem Bobbycar eines Freundes fahren möchte, muss ihn vorher fragen. Und gegebenenfalls ein «Nein» akzeptieren. Das ist Übungssache, es lohnt sich dranzubleiben.

Nette Kumpels? Nicht immer.
Schön wärs, die Kinder hätten nur «nette» Freunde mit «guten» Ideen. Da wir aber in der realen Welt und nicht in Utopia leben, ist klar, dass das im richtigen Leben anders ist. Was also, wenn den kleinen Gästen einfällt, mit ihren schmutzigen Gummistiefeln durchs Wohnzimmer zu stapfen oder über die Poolabdeckung im Garten zu turnen? Was, wenn absichtlich Spielzeug kaputt gemacht oder ein heimlicher Griff in die Panini-Sammlung des Freundes getan wird? Gibts nicht? Gibt es! Bloss - wie gehen wir Eltern damit um? Nichts sagen? Zusehen? Akzeptieren? Nein. Es braucht keine ewigen Standpauken, es braucht kein Geschrei (auch wenn man mal echt sauer ist), aber es braucht die Aussage: «Das ist nicht richtig. Ich erlaube es nicht, dass du das hier bei uns tust.» Bei wiederholten Verstössen: «Hältst du dich nicht an die Regeln, musst du für heute nach Hause.» Punkt. Dafür gilt auch: Neuer Tag, neue Chance.

Null Risiko
Es gibt kein Leben ohne Gefahr. Viele Jungen und Mädchen wachsen heute in Watte gepackt auf und das Abenteuer, auch das kleinste, bleibt auf der Strecke. Dabei sind Abenteuer so schön - und umso schöner, wenn sie nicht «nur» in Büchern oder im Fernseher nacherlebt werden, sondern ganz real.

erstellt von Esther Mogicato