Zahnpflege - Zeigt her eure Zähne

Früh übt sich, wer ein Meister werden will - dies gilt auch für die Zahnpflege. Je eher Eltern ihren Kindern das tägliche Zähneputzen schmackhaft machen, desto kleiner ist das Risiko für Kariesbefall und umso angstfreier ist der Vorsorgetermin beim Zahnarzt. Wir haben die wichtigsten Elternfragen für Sie auf den Punkt gebracht.

Wann kommen die ersten Zähne?
Die ersten Zähne erscheinen, wenn das Kind zwischen sechs und acht Monate alt ist. Säuglinge erkunden die Welt über ihren Mund und die Zunge. Dies kann wunderbar für die Angewöhnung an die Zahnbürste ausgenutzt werden, denn sobald die ersten Zähne kommen, müssen sie mit einer weichen Kinderzahnbürste und einer erbsengrossen Menge einer fluoridhaltigen Kinderzahnpasta gebürstet werden. Wenn das Kind älter wird, können Sie gemeinsam die Zähne putzen und ihm den spielerischen Umgang mit der Zahnbürste zeigen. Sicher möchte auch Ihr Kind die Zähne bald selbst bürsten. Lassen Sie es machen, bürsten Sie aber immer nach.

Wie verläuft das Zahnen?
In der Regel verläuft bei Kindern das Zahnen ohne grosse Probleme. Der «Kalender» des Zahnens verläuft ungefähr folgendermassen: Zwischen dem 6. und 12. Monat erscheinen die 8 Schneidezähne, zwischen dem 12. und 18. Monat die ersten 4 Backenzähne, zwischen dem 18. und 24. Monat die 4 Eckzähne und zwischen dem 24. und 30. Monat die letzten 4 Backenzähne. Das Milchgebiss zählt 20 Zähne, das bleibende Gebiss 32 Zähne. Der Zahnwechsel dauert etwa bis zum 12. Lebensjahr. Das Zahnen ist oft schmerzhaft. Ihr Kind hat vielleicht schlechte Laune oder sogar etwas Fieber. Das ist normal. Vor dem Durchbruch sorgt der Zahn für eine kleine Schwellung auf dem Zahnfleisch. Sie können Ihrem Kind helfen, den Schmerz zu lindern: Für eine örtliche Behandlung am Zahnfleisch eignen sich beispielsweise kleine Massagen mit einem entsprechenden Balsam. Auch Kälte wirkt: bieten Sie Ihrem Kind einen gekühlten Beissring an.

Warum sind gesunde Milchzähne wichtig?
Gesunde Milchzähne sind wichtig für das Kauen und die allgemeine Gesundheit und Entwicklung des Kindes. Deshalb ist auch die Vermeidung von Karies bei Milchzähnen von grosser Bedeutung. Löcher - also Karies - entstehen durch häufigen Konsum zuckerhaltiger Getränke und Nahrungsmittel sowie durch ungenügende Zahnpflege. Die Bakterien in den Zahnbelägen, die Plaque, verarbeiten den Zucker innerhalb weniger Minuten zu Säuren, die den Zahn angreifen und zerstören können. Deshalb sollen die Zähne nach jedem Essen gereinigt werden. Wichtig: Zwischenmahlzeiten sollten keinen Zucker enthalten - weder in fester noch in flüssiger Form! Auch Nuggis dürfen nie in Honig oder Zucker getaucht werden.

Mit welcher Zahnputztechnik reinigt man Milchzähne?
Die Milchzähne werden mit fluoridhaltiger Zahnpasta mit vertikalen Bewegungen - also auf und ab - bis über das Zahnfleisch gebürstet. Die Kauflächen reinigt man mit kleinen, horizontalen Bewegungen. Am Schluss möglichst nicht mit Wasser nachspülen, ausspucken genügt. So kann das wertvolle Fluorid die Zähne länger schützen. Wenn die Kinder grösser sind, lernen sie in Kindergärten und Schulen, wie man die Zähne richtig putzt. Die Methode wurde von den zahnmedizinischen Zentren der Schweizer Universitäten und den Schweizer Dentalhygieneschulen entwickelt. Diese Methode beruht im Wesentlichen auf zwei Elementen: einer einheitlich festgelegten Reihenfolge der zu reinigenden Zahnflächen (Systematik) sowie der richtigen Technik: vertikale Bewegungen der Zahnbürste für die Reinigung von Aussen- und Innenflächen, horizontale Reinigung der Kauflächen. Die Zähne sollten mindestens zweimal pro Tag gereinigt werden, am besten nach den Mahlzeiten.

Wann steht der erste Zahnarztbesuch an?
Die Schweizerische Zahnärztegesellschaft (SSO) empfiehlt den ersten Zahnarztbesuch ab etwa 24 Monaten. Die Mitglieder der SSO bieten in einigen Kantonen Gratisuntersuchungen für Kinder im Vorschulalter an.

Was beinhaltet die zahnärztliche Untersuchung?
In der Zahnarztpraxis untersucht der Zahnarzt Zähne und Zahnfleisch. Der Zahnarzt zeigt den Kindern und Jugendlichen, wie sie der Karies vorbeugen können. Dazu gehören auch Massnahmen zur Fluoridierung, die Entfernung von Zahnstein und die sogenannte Fissurensiegelung (Verschliessen der Grübchen gesunder Backenzähne mit Kunststoff). In Kindergärten und Schulen erfolgt die Prophylaxe-Instruktion in Gruppen. Die Gruppenprophylaxe beinhaltet Zahnputzübungen, Informationen über die richtige Ernährung und das Einbürsten von Fluoridgelée.

Was sind zahnfreundliche Produkte?
Für die Zahngesundheit ist nur ein Faktor entscheidend: Die Häufigkeit des Konsums von zuckerhaltigen Speisen und Getränken. Dabei kommt es nicht darauf an, ob es sich um Saccharose (gewöhnlicher Kristallzucker), Glukose (Traubenzucker), Fruktose (Fruchtzucker), Maltose (Malzzucker), Laktose (Milchzucker) oder Invertzucker handelt. Deshalb ist die wichtigste Empfehlung für gesunde Zähne, bei Zwischenmahlzeiten auf Zucker weitgehend zu verzichten. Wer auf Süssigkeiten zwischendurch nicht verzichten mag, sollte ausschliesslich zahnfreundliche Produkte konsumieren. Süssigkeiten mit der Bezeichnung «zahnfreundlich» werden mit Zuckeraustauschstoffen und Süssstoffen gesüsst. Diese Substanzen können von den Bakterien der Plaque nicht zu Säure vergärt werden. Die so bezeichneten Produkte durchlaufen ein festgelegtes Prüfverfahren und sind sicher für die Zähne. Folgende Süssstoffe sind in der Schweiz und in der EU zugelassen: Saccharin, Cyclamat, Aspartam, Acesulfam-K und Thaumatin. Zuckerersatzstoffe können bei gewissen Personen zu Blähungen und Durchfall führen. Zahnfreundliche Produkte sind für Kleinkinder (vor dem Kindergarten) nicht geeignet.

Welche Zahnbürste braucht mein Kind?
Die erste Zahnbürste sollte eine Handzahnbürste sein. Kleinkinder können damit spielen und sich daran gewöhnen, bevor die Eltern ihnen die Zähne bürsten. In Kindergärten und Schulen wird auch in Zukunft nur der Gebrauch von Handzahnbürsten geübt. Der Umgang mit elektrischen Zahnbürsten (rotierende Zahnbürsten oder Schallzahnbürsten) muss speziell erlernt werden. In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass Zahnbürsten mit weichen Kunststoffborsten wirksam in der Plaqueentfernung sowie schonend für das Zahnfleisch und die Zahnhälse sind. Bei der Wahl der Zahnbürste sollte man ausserdem auf die Form des Kopfes achten. Es gilt: Eher klein als gross! Kleine Bürsten mit abgerundeten Formen erlauben auch die Reinigung von sonst schwer zugänglichen Zahnflächen.

Welche Rolle spielen Fluoride für die Zahngesundheit?
Fluoride, das heisst, Salze des Elementes Fluor, kommen überall in der Natur vor. Man findet sie natürlicherweise im Boden, in Gewässern und in der Luft. Spuren davon sind in praktisch allen Nahrungsmitteln vegetarischen und tierischen Ursprungs vorhanden. Für den menschlichen Organismus ist Fluor ein unentbehrliches Spurenelement, das die Knochenbildung überhaupt ermöglicht. Dazu spielen Fluoride eine wesentliche Rolle in der Kariesvorbeugung. Ihr verbreiteter Einsatz ist der Hauptgrund für den Kariesrückgang, der in der Schweiz und weltweit in vielen industrialisierten Ländern während der letzten Jahrzehnte beobachtet wurde. Fluoride entfalten ihre karieshemmende Wirkung direkt auf der Zahnoberfläche, indem sie die Säureproduktion der Plaque-Bakterien hemmen und somit die Entkalkung des Zahnschmelzes verlangsamen. Sie erhöhen den Widerstand des Zahnschmelzes gegenüber Säuren und fördern die Wiedereinlagerung von Mineralien aus der Mundflüssigkeit in bereits entkalktem Schmelz, sodass eine beginnende Karies gestoppt werden kann. Der Gebrauch von fluoridhaltigen Zahnpasten gilt deshalb weltweit als die wichtigste Massnahme zur Kariesvorbeugung.

Was tun, wenn sich mein Kind einen Zahn abbricht?
Bei Zahnunfällen ist es wichtig, schnell und richtig zu reagieren. Das Informationsblatt «Zahnunfälle» vermittelt nützliches Wissen bei Notfällen (siehe Infos ganz unten am Text). Bei einem abgebrochenen Zahn muss man sofort zum Zahnarzt. Je mehr abgebrochen ist, desto dringender ist die Behandlung (innert Stunden!). Grosse abgebrochene Stücke mitnehmen - diese können eventuell wieder angeklebt werden. Bei herausgeschlagenen Zähnen gilt: Wenn möglich sofort wieder einsetzen. Dabei den Zahn nicht an der Wurzel anfassen und nicht mechanisch reinigen oder desinfizieren! Bei sichtbarer Verschmutzung kurz unter fliessendem Wasser abspülen. Falls ein Wiedereinsetzen nicht möglich ist: den Zahn beim Transportieren in Milch, einer physiologischen Kochsalzlösung oder in einem Plastiksäcklein mit etwas Speichel aufbewahren. Nicht geeignet sind reines Wasser oder Desinfektionsmittel wie Alkohol etc.

Ab welchem Alter ist eine Spange sinnvoll?
Es ist recht häufig, dass sich die Zähne beim Wachstum gegenseitig behindern. Wenn Sie Fehlstellungen bei Ihrem Kind beobachten, sollten Sie Kontakt mit Ihrem Zahnarzt aufnehmen. In seltenen Fällen werden Fehlstellungen bereits im Alter von drei bis sechs Jahren behandelt. Unregelmässigkeiten beim Zahnwechsel oder bei der Zahnstellung sollten spätestens mit zehn Jahren dem Zahnarzt gezeigt werden. Eine kieferorthopädische Behandlung wird in der Regel nach Eintreten der Pubertät vorgenommen, da Wachstum und Entwicklung ab elf Jahren einen optimalen Eingriff erlauben. In diesem Alter ist das Kind auch ausreichend «reif», um das Tragen einer Zahnspange zu akzeptieren. Viele Kinder sind heute stolz auf ihre Zahnspange und betrachten sie als modisches Accessoire!