Diabetes bei Kindern und Jugendlichen - Das Krankheitsbild

Mit fünf Jahren wird bei Noémi die Zuckerkrankheit, in der Fachsprache Diabetes mellitus, festgestellt. Sie leidet an Typ-I-Diabetes, der bei Kindern und Jugendlichen häufigsten Form der Zuckerkrankheit. In der Schweiz erkrankt jährlich eines von 1200 Kindern an Diabetes.

Diabetes wird oft mit ungesunder Ernährung und Bewegungsmangel in Verbindung gebracht. Deshalb wird Noémi von vielen Leuten gefragt, ob sie ein Schleckmaul sei. Eltern eines diabeteskranken Kindes wird manchmal vorgeworfen, sie hätten ihm zu viel Zucker gegeben. Aber Noémi und ihre Eltern haben sich nicht falsch ernährt, die Ursache des Typ-I-Diabetes ist eine andere. Das Immunsystem des Kindes richtet sich gegen die für die Insulinproduktion zuständigen Zellen in der Bauchspeicheldrüse. Sie werden zerstört. Das bringt mit sich, dass das Hormon Insulin fehlt und der Blutzucker gefährlich ansteigt.
Nachdem Noémi ins Diabeteskoma gefallen war, wurde auf der Notfallstation schnell klar, was dem kleinen Mädchen fehlte. Vor diesem unvergesslichen Einschnitt in ihrem Leben waren die typischen Zeichen einer Überzuckerung da: Häufiges Wasser lösen, starker Durst, Gewichtsverlust, Müdigkeit und Mundgeruch nach Azeton.

Nun muss Noémi ihr Leben lang Insulin spritzen und auf Menge und Zusammensetzung ihrer Nahrung achten. Im Kinderspital lernte sie zusammen mit ihren Eltern den selbständigen Umgang mit dem Diabetes: Blutzucker messen, Insulin dosieren und spritzen, sowie Kohlenhydratmenge und Nahrungsmittel berechnen. Den Blutzucker kann Noémi mit einem Tropfen Blut aus dem Finger in wenigen Sekunden mit dem Blutzuckergerät messen. Die Bestimmung des Blutzuckers vor dem Insulin spritzen erlaubt ihr, die Dosis an die folgende Mahlzeit anzupassen. Dadurch ist sie flexibel und darf entscheiden, wie viel sie essen mag. Der Bedarf an Kohlehydraten eines diabeteskranken Kindes entspricht dem eines gesunden Kindes und wird in Brotwerten ausgedrückt. 10-12 g Kohlenhydrate entsprechen einem Brotwert. Für die achtjährige Noémi entspricht eine Zwischenmalzeit ungefähr einem Brotwert. Die benötigte Insulinmenge ist abhängig vom Grundbedarf und der körperlichen Aktivität des Kindes. Noémi misst diszipliniert ihren Blutzucker und spritzt sich das notwendige Insulin. Diese Disziplin ist wichtig, um Unter- oder Überzuckerung und Folgeerkrankungen zu vermeiden. Diabetesfachberaterin Vreni Ritschard weiss: "Mit einer guten Insulineinstellung und einer ausgewogenen Ernährung ist ein Kind mit Typ-I-Diabetes ein gesundes Kind wie jedes andere auch."

 

 

erstellt von E. Seidel, K. Kambli, A. Kocher, S. Chettata, Studentinnen Pflegewissenschaft Universität Basel