Asthma bronchiale bei Kindern

Schätzungen des Deutschen Allergie-und Asthmabundes zufolge leiden rund zehn Prozent der Kinder und Jugendlichen an Asthma. Bei jedem siebten Kind tritt die Erkrankung bereits vor dem fünften Lebensjahr auf. In der Schweiz leiden etwa 8% der Bevölkerung an der Atemwegserkrankung, wobei jedes zehnte Kind betroffen ist. Somit gehört Asthma bronchiale in Deutschland zu den häufigsten Ursachen ambulanter pädiatrischer Arztkonsultationen. In der Schweiz sieht es nicht anders aus.

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Definition von Asthma bronchiale

Bei Asthma bronchiale handelt es sich um eine Erkrankung der Atemwegsorgane, die eine Entzündung im Bronchialsystem verursacht, was medizinisch als bronchiale Hyperreagibilität bezeichnet wird. Das bedeutet, die Bronchien verengen sich, was die Atemfunktion erheblich einschränkt.

Ursachen und Auslöser

Im Kindes- und Jugendalter ist vor allem allergisches Asthma zu beobachten. Allergene – Reizstoffe, die eine Immunreaktion auslösen können – führen zur Atemwegserkrankung. Zu solchen Auslösern können Pollen, Hausstaubmilben oder Tierhaare gehören.

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Neben auslösenden Reizstoffen wird es auch durch genetische Faktoren bedingt. Leiden bereits beide Elternteile am Asthma bronchiale erhöht dies die Wahrscheinlichkeit, dass auch das Kind erkrankt.
Weniger typisch ist nicht-allergisches Asthma, welches durch Chemikalien, Umweltgifte und vor allem virale Infektionen ausgelöst werden kann.

Symptome

Bei Kindern entwickeln sich so asthmatypische Syptome wie Kurzatmigkeit, Dyspnoe (= Luftnot), pfeifende Atmung und Husten. Viele Patienten klagen zudem über eine Art Engegefühl im Torax-Bereich (Brust).

Rund 25 Prozent der Säuglinge und Kleinkinder sind zudem von einer Virusinduzierten Bronchitis betroffen. Allerdings entwickeln nur wenige ein Asthma bronchiale. Bis zu Beginn der Schulzeit sind die
meisten der Kinder jedoch beschwerdefrei. Bezeichnend ist, dass die Symptome eher anfallsartig auftreten und meist nach kurzer Zeit rückläufig sind. Es kann sogar zwischen den Anfällen zu längeren beschwerdefreien Zeiten kommen.

Das erklärt, warum das Asthma bronchiale von einigen Eltern als solches nicht oder erst spät erkannt wird. Es gibt bestimmte Asthma-Symptome an denen sich Eltern orientieren können. Dabei wird zwischen zwei Altersstufen unterschieden:

Asthmaspezifische Symptomatik bei Kleinkindern unter drei Jahren:

  • Das Kind ist oft und lang andauernd erkältet
  • Die Atmung ist Pfeifend und das Kind leidet unter Atemschwierigkeiten
  • Obwohl keine Erkältung vorliegt besteht ein hartnäckiger Husten
  • Das Kind wirkt geschwächt und müde
  • Atemgeräusche sind kaum zu hören

Asthma-Symptome bei Kindern im Alter von drei bis 15 Jahren:

  • Sowohl in der Nacht als auch am Tag kommt es zu teilweise heftigen Hustenanfällen
  • Die Atmung ist pfeifend und schwerfällig

  • Das Kind ist nur gering belastbar
  • Atemgeräusche sind kaum wahrnehmbar
  • Hustenanfälle sind ausgeprägt und langwierig

Ein Arzt ist unbedingt hinzuzuziehen, wenn das Kind eine blaue Zunge und Lippen aufweist, über akute Atemnot klagt oder die Asthma-Anfälle besonders intensiv sind. Zu solchen Anfällen kommt es insbesondere bei körperlicher Anstrengung, Kälte, dem Einatmen von Zigarettenrauch sowie dem Kontakt mit Allergenen.

Möglichkeiten der Diagnose bei Kindern

In der Medizin stehen heute mehrere Möglichkeiten zur Diagnose von Asthma bronchiale zur Verfügung. Dabei ist die Patienten-Anamnese von besonders essenzieller Bedeutung. Nur im Patientengespräch kann der Arzt etwas über eventuell ursächliche Faktoren erfahren. So können
auch genetische Aspekte eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung einer Asthmaerkrankung spielen. Insbesondere bei Kleinkindern ist dies von Bedeutung, da in diesem Alter noch nicht auf einen Lungenfunktionstest zurückgegriffen werden kann.

Etwas ältere Kinder können eine Lungenfunktionsanalyse mittels Peak-Flow-Meter durchführen. Hierbei wird die Luftströmung beim Ausatmen gemessen. Auf diese Weise kann genau ermittelt werden ob bzw. wie stark die Bronchien verengt sind. Der Vorteil ist, dass diese Messung nicht unbedingt im Spital oder in der Praxis, sondern auch mobil Zuhause durchgeführt werden kann. Zudem besteht die Möglichkeit durch eine Spirometrie oder Bodyplethysmographie die Atmungsdynamik und den Gasgehalt des Blutplasmas festzustellen.

Kommt jedoch am ehesten eine Allergie als Ursache für das Asthma in Betracht, wird der Arzt zur Untersuchung der für die Allergenermittlung
wichtigen Immunglobuline eine Blutentnahme vornehmen und einen Hauttest (Prick-Test) durchführen.

Stufentherapie zur Symptom-Linderung

Asthma bronchiale ist bis heute nicht heilbar. Dennoch können Asthmatiker durch entsprechende Therapien beschwerdefrei leben. Insbesondere bei Kindern ist es entscheidend mit einer bedarfsgerechteten Behandlung eine uneingeschränkte physische, psychische und soziale Entwicklung zu ermöglichen.

Es hat sich vor allem eine Stufentherapie bewährt. Dabei kommen verschiedene Medikamente zur Bedarfs- oder Dauerbehandlung zum Einsatz.

  • Bronchialerweiternde Sprays mit schneller Wirkung in akuten Fällen
  • Bronchialerweiternde Tabletten (Theophylin) mit langanhaltender Wirkung zur Dauertherapie
  • Entzündungshemmende Kortisonsprays zur Dauertherapie
  • Entzündungshemmende Tabletten (Leukotrienantagonisten) zur Dauertherapie
  • Antiallergische Sprays (Cromoglycinsäure) bei allergischen Anfällen

Wichtig ist, dass die Kinder den richtigen Umgang mit den Inhalatoren lernen. Eine Patientenschulung ist unerlässlich um neben den Umgang mit den Medikamenten auch Tipps zur Bewältigung des Alltags und Handlungsanweisungen für den Notfall zu erlernen. Besondere Atemtechniken können erlernt werden, die das Atmen bei einem Anfall erleichtern. Auch Sport kann Kindern helfen die Atemmuskulatur zu trainieren – sollte jedoch immer innerhalb der individuellen körperlichen Grenzen erfolgen.