Asthma - Bewegung ist Therapie

Asthma ist kein Hinderungsgrund, Sport zu treiben. Im Gegenteil, sportliche Aktivität gilt als wichtige therapeutische Massnahme. Regelmässiger Sport verbessert die Lungenfunktion, mildert die Überempfindlichkeit der Atemwege, reduziert den Medikamentenbedarf, steigert die Lebensqualität, verbessert den Umgang mit der Erkrankung und fördert die soziale Integration.

(Bild: Vasaleks)

Heute gilt: Bewegung ist Therapie. Die für den Alltag und die Bewältigung des Asthmas entscheidenden Effekte überwiegen bei Weitem die Einschränkung, die sich in einer kurzfristigen und vorübergehenden Verschlechterung des Asthmas im Falle einer ungenügenden Behandlung oder ungeeigneten körperlichen Belastung äussern kann. Dass Sport die Entstehung eines Asthmas fördern kann, gilt nur für Extremsportler. Bewegung in gesundem Ausmass wird unbedingt empfohlen. Allerdings gilt es, einige Besonderheiten zu beachten, um eine anstrengungsbedingte Atemwegsverengung zu vermeiden: Wird Sport unter ungünstigen Bedingungen durchgeführt, reagieren 80 bis 100 Prozent der Asthmatiker mit einer relevanten Verengung der Atemwege; bei den gesunden Menschen sind es 10 bis 15 Prozent. Als Ursache für dieses Phänomen gelten ein Wärmeverlust durch vermehrte Atmung, eine veränderte Salzkonzentration im Bronchialschleim, eine reaktive Mehrdurchblutung der Bronchialschleimhaut sowie die körperliche Aktivität per se.

Die anstrengungsinduzierte asthmatische Reaktion erfolgt vor allem bei kurz dauernden, aber intensiven Ausdauerbelastungen (ca. 8 Minuten; unter 4 Minuten kaum auftretend). Die Beschwerden treten vorwiegend in der Anfangsphase und kaum am Ende einer Trainingseinheit auf. Ausserdem spielen andere Faktoren wie Kälte, Belastungsart (z.B. Laufen, Fahrrad fahren, Schwimmen) oder Belastungstyp (z.B. Ausdauerbelastung, Intervallbelastung) eine wesentliche Rolle.

Berücksichtigt man die Eigenheiten des Asthmas, kann mittels einer medikamentösen Vorbehandlung, geeigneten Aufwärmübungen, angepassten Belastungsformen und intensitäten in fast allen Sportarten und bei den meisten Asthmatikern eine anstrengungsbedingte Verschlechterung vermieden werden. Asthmatiker sollten deshalb sporttherapeutisch instruiert, zu sinnvollem Sport im Alltag angeleitet und regelmässig betreut werden. Falls die sporttherapeutische Betreuung abgebrochen wird, werden nach ca. zwei Monaten wichtige Verhaltensregeln meist nicht mehr eingehalten und entsprechend treten wieder mehr Beschwerden auf.

Sport und Zähne putzen, regelmässig und täglich

Ziel einer Sporttherapie ist es, krankhaften Auswirkungen eines Asthmas auf andere Organe, auf die Persönlichkeit oder die soziale Integrität vorzubeugen, sie zu vermindern oder zu beseitigen. Bei diesen Auswirkungen steht eine reduzierte körperliche Leistungsfähigkeit im Vordergrund. So leiden bereits im Kindesalter 30 Prozent der Asthmatiker an einer körperlichen, krankhaften Leistungsfähigkeit (Nichtasthmatiker 5 Prozent). Dieser mangelhafte Fitnesszustand wiederum beeinträchtigt den körperlichen Aktionsradius, vermindert das Selbstwertgefühl, begünstigt Ängste und erschwert normale soziale Kontakte. Je ausgeprägter ein Asthma sich äussert und je länger es unbehandelt bleibt, desto stärker prägen sich die Folgeprobleme aus.
Ursächlich verantwortlich für diese mangelhafte Fitness ist bei leichten bis mittelschweren Asthmaformen nicht die Atemwegseinengung, sondern eine schonungsbedingte körperliche Inaktivität, was am ehesten mit einer Angst vor Asthmaattacken erklärbar ist. Um eine normale persönliche, schulische und berufliche Entwicklung zu gewährleisten, muss diesem Umstand unbedingt entgegengewirkt werden. Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass mit einem regelmässigen und gezielten Training eine normale körperliche Belastbarkeit erreicht werden kann; auch bei Kindern. Deshalb gilt: Sport sollte wie Zähne putzen zum täglichen Leben gehören.

Trotz den enorm wichtigen, therapeutischen Aspekten vermag Sport allerdings nicht, Asthma ursächlich zu heilen oder eine regelmässige und konsequente medikamentöse Therapie zu ersetzen.

Spitzensport bei Asthma
In den letzten Jahren häuften sich Hinweise, dass extreme körperliche Belastung unter ungeeigneten Bedingungen ein Asthma fördern oder sogar verursachen kann. Die Gründe für die Entstehung des sogenannten «Athletenasthmas» sind noch weitgehend unbekannt. Ob es am Ausmass des Trainings, an der Sportdisziplin, an Umgebungsfaktoren, an immunologischen Phänomenen, an Allergien oder an anderen Faktoren liegt, ist nicht schlüssig erforscht. Faktoren, die bei Athleten einen Einfluss auf die Überempfindlichkeit der Atemwege haben könnten, sind zum Beispiel mechanische Reize durch die gesteigerte sowie intensivierte Atmung, Flüssigkeitsverluste durch die gesteigerte Atmung, chemische Irritationen durch die atmungsbedingten, erhöhten Schadstoffbelastungen.

Auch ist nicht bekannt, ob die Asthmaform bei Spitzenathleten ein vorübergehendes Ereignis darstellt oder ob die betroffenen Athleten damit rechnen müssen, ein Leben lang davon betroffen zu sein. Untersuchungen an Langläufern weisen darauf hin, dass die Überempfindlichkeit der Atemwege auch in der Regenerationsphase vorhanden ist.

Wichtig ist aber, dass die erwähnten Sorgen lediglich den Spitzenathleten und nicht den Nachwuchssportlern und schon gar nicht den Hobbysportlern oder sportlich aktiven Asthmatikern zu gelten haben. Asthma gilt nicht als Ausrede, um sich der regelmässigen sportlichen Tätigkeit zu entziehen.

erstellt von Dr. med. Bruno Knöpfli, FMH Pädiatrie, Pneumologie und Sportmedizin Praxis für Kinder- und Jugend-Medizin, Zürich