Wiesenschmaus und Kräuterwissen!

Packen Sie Ihre Kinderschar und gehen Sie raus ins Freie. Dort gibt es jetzt viele Wiesenblumen und Wildkräuter zu entdecken – diese eignen sich zum Spielen, zum Bestaunen, zum Essen und zum Brutzeln!

Am 21. März, wenn die Sonne genau senkrecht über dem Äquator steht, hat bei uns auf der Nordhalbkugel der Erde der Frühling begonnen. An diesem Datum war der Tag genauso lang wie die Nacht, nämlich zwölf Stunden. Und ab jetzt werden die Tage langsam wieder länger. Spüren Sie es auch? Mich jedenfalls reissen die frisch erwachenden Frühlingsgefühle jedes Jahr von Neuem vom Hocker! Auch in den Häusern, Büros und Schulen gibt es fast kein Halten mehr. Gross und Klein freut sich ab dem ersten zarten Grün in den Gärten und an den Waldrändern. Die Insekten tanzen, die Wildbienen erwachen und in den Wipfeln der Bäume zirpen, pfeifen und trällern die Vögel um die Wette. Jetzt ist es Zeit, die ersten Wildkräuter und Wiesenblumen zu sammeln und mit den Kindern die erwachende Natur zu beobachten. Lassen Sie sich mit den Ideen der Heilpflanzenfachfrau Violette Tanner einstimmen auf den Frühling!

Wie heisst  diese Pflanze?

Du stehst am Weg,
spitze Blätter trägt dein Kleid,
sie sehen aus wie Hasenohren,
den Husten vertreibt’s
und auch zum Orakeln  bist du bereit.
Wer bist du?

Oh Löwenzahn  – wie bist du schön!

Überall sichtbar ist jetzt das fröhlich strahlende Gelb der  voll erblühten Löwenzahnblüte. Das macht neugierig, nicht wahr? Was man wohl mit dieser allgegenwärtigen Pflanze  alles anstellen kann?

Kranz aus Löwenzahn

Das brauchen wir:

  • starker Nähfaden oder dünner Blumendraht
  • viele Löwenzahnblüten mit langen Stielen

Und so gehts:

Wir setzen uns auf eine Löwenzahnwiese und pflücken ungefähr 5 Löwenzahnblüten mit langen Stielen. Diese binden wir zu einem kleinen Bündel zusammen. Danach pflücken wir weitere Blüten und binden sie unterhalb der 1. Blütengruppe an. So fahren wir fort und ergänzen den Kranz mit so vielen Blüten, bis seine Länge dem Kopfumfang eines Kindes entspricht. Zuletzt wird der Abschluss der entstandenen Blütenschlange mit dem Anfang zu einem Kranz zusammengebunden.

Eier mit Löwenzahnblättern färben

Weisse Eier lassen sich wunderbar mit Zwiebelschalen färben. Dazu sammelt man Zwiebelschalen, die beim täglichen Kochen anfallen. Die Schalen in einem grossen Topf mit kaltem Wasser bedecken, zum Kochen bringen und  2 bis 3 Minuten kochen lassen. Den Sud abkühlen lassen und  die Schalen entfernen. Die Eier oben und unten mit einer Stecknadel einstechen (damit sie beim Kochen nicht platzen) und jeweils ein Löwenzahnblatt (oder auch andere Wiesenkräuter) auf die Schale legen. Mit einem Stück Feinstrumpfhose straff umwickeln, die Strumpfenden mit Nähfaden zubinden.  Die eingewickelten Eier in den kalten Sud legen und diesen langsam erwärmen. Eier 10 Minuten lang hart kochen. Den Strumpf und das Blatt entfernen, Eier abkühlen lassen. Wer möchte, kann die Eier mit Salatöl einreiben, damit sie schön glänzen.

Löwenzahnknospen als Gemüse

Probieren Sie einmal folgende Delikatesse: Solange die Blütenknospen noch geschlossen sind, lassen sich die kleinen, grünen Kugeln als Wildgemüse zubereiten. Dazu sammeln wir viele Knospen, säubern sie und dünsten sie dann mit Butter in der Pfanne. Ihr Geschmack erinnert ein wenig an Rosenkohl. Löwenzahnknospen können über Reis- und Nudelgerichte oder über Salate gestreut werden.

Gewusst: Junge Löwenzahnblätter geben Suppen, Omeletten-, Gnocchi-  und Nudelteig eine schöne grüne Farbe. Wichtig ist jedoch, dass die Blätter mit dem Wiegemesser sehr fein geschnitten werden und dass nicht zu viel davon verwendet wird, da das Gericht sonst bitter schmecken kann.

Das Gänseblümchen – ein wahres «Stehaufmännchen»

 So klein und schlicht sie sind – Gänseblümchen besitzen eine grosse Lebensenergie und sind wahre «Stehaufmännchen»: Wenn wir sie beim Rasenmähen abschneiden, wachsen sie schnell wieder nach und erblühen aufs Neue.

Ein Spiel für die Sinne

Wir zeigen den Kindern fünf verschiedene essbare Blüten  (z.B. Gänseblümchen-, Rosen-, Spitzwegerich-, Ringelblumen- und Löwenzahnblüten) und fünf verschiedene Früchte (z.B. Himbeere, Walderdbeere, Johannisbeere, Heidelbeere, Kirschen). Danach verbinden wir ihnen die Augen. Nun beginnt das Spiel. Reihum dürfen die Kinder die Blüten und Früchte probieren und herausfinden, um welche Blüte oder welche Frucht es sich handelt.

Wer zuerst weiss, was er im Mund hat, darf laut rufen und es den anderen Kindern mitteilen.  Zum Schluss des Spiels schauen wir uns alle Pflanzenteile noch einmal an. Mit diesem Spiel verinnerlichen die Kinder den Geschmack der Blüte und erinnern sich später gut an die verkosteten Pflanzen und Beeren.

Ein kleiner Leckerbissen!

Gänseblümchenblüten und -blätter enthalten wie alle Wildkräuter viele Vitamine und Mineralstoffe. Die geschlossenen Blütenknospen können in einen milden Gewürzessig  eingelegt und als «einheimische Kapern» genossen werden.

Gewusst: Ein in den Händen zerriebenes Gänseblümchenblatt wirkt dank seiner entzündungshemmenden, abschwellenden und schmerzlindernden Eigenschaften als Wundauflage lindernd bei Insektenstichen und kleinen Schürfungen.

Der Wegerich  – das häufigste aller  Heilkräuter!

In früheren Zeiten war der Wegerich eine sehr bekannte Heilpflanze, dies wusste auch der Schweizer Kräuterpfarrer Johann Künzle (1857 – 1945).  Er schrieb über die Pflanze: «Der Wegerich hat der liebe Gott an alle Wege gesetzt, damit wir ihn stets bei der Hand haben, denn es ist unstreitig das erste, beste und häufigste aller Heilkräuter.»

Als «Soforthilfe»

Wegerichpflanzensaft ist bei kleinen Verletzungen, Insektenstichen, Schürfwunden und bei Hautkontakt mit Brennnesseln eine gute «Soforthilfe». Dazu werden einige lange Spitzwegerichblätter verknotet; dieses «Pflanzenknäuel» zerreibt man so lange zwischen den Handflächen, bis der Pflanzensaft austritt. Dieser entzündungshemmende und kühlende Pflanzensaft wird auf die betroffene Stelle aufgetragen.

Schuheinlage: Wegerich wirkt kühlend bei müden und brennenden Füssen, zum Beispiel während einer Wanderung. Einfach die breiten Blätter des Breitwegerichs mit der Oberseite auf die Fusssohle legen (Blattstiel vorher entfernen) und die Socke darüberziehen.

Sonnenbrand: Ein abgekühlter, starker Teeaufguss, der auf  die betroffenen Hautpartien aufgetupft wird, sorgt für Linderung nach einem zu langen Sonnenbad. Für den  Tee 2 Esslöffel frisch geschnittenes Spitzwegerichkraut mit 150 ml kochendem Wasser übergiessen und zugedeckt  7 Minuten ziehen lassen.

Hustentee: Bei Reizhusten und Bronchitits wirkt ein Hustentee aus getrocknetem oder frischem Spitzwegerich lindernd. Hierzu  1 Teelöffel getrocknetes oder  2 Teelöffel frisches Spitzwegerichkraut mit 150 ml kochendem Wasser übergiessen, zugedeckt   7 Minuten ziehen lassen, durch ein Teesieb abgiessen und eventuell mit etwas Honig süssen. Mehrmals am Tag eine Tasse frisch zubereiteten Tee trinken.

Interview: «Wissen ist da, um weitergegeben zu werden!»

Die Natur hat viel zu erzählen und überrascht mit unglaublichen Genüssen:  Heilpflanzenfachfrau und Buchautorin Violette Tanner möchte ihr grosses Wissen  allen weitergeben, die mit Kindern einen spielerischen Zugang zur Natur suchen.

Violette Tanner, was fasziniert Kinder an der Natur?

Als Mutter von drei erwachsenen Töchtern und ehemalige Leiterin von Spiel- und Waldspielgruppen bin ich immer fasziniert zu spüren, mit welchem Eifer und welcher Fantasie die Kinder mit ihren Erfahrungen in der Natur umgehen. Kindern ist es ein grosses Bedürfnis, sich in der Natur zu bewegen, sie mit allen Sinnen zu erfahren und kennenzulernen.

Wie können Eltern diesem Bedürfnis Rechnung tragen?

Für uns als Erziehende und Lebensweg-Begleitende unserer Kinder ist es wichtig, sich selber mit dem Reichtum der Natur, die unmittelbar um uns herum wächst, vertraut zu machen. Ein alltägliches Integrieren der Wildkräuter gehört für mich seit Jahren zu meinem Familienalltag. Ich möchte alle Eltern, Kindergärtnerinnen und Lehrpersonen einladen, dieses Wissen um die alten  und jederzeit neuen Kräuterschätze wieder aufleben zu lassen und zu  spüren, welcher Reichtum, Kraft und Energie sich uns damit erschliesst.

Wo finden Eltern entsprechende Anregungen?

Einerseits in meinem Buch (siehe Buchtipp), andererseits gebe ich auch Kurse, die sich insbesondere durch das praktische Tun und Geniessen auszeichnen. Wir sammeln Kräuter, Beeren und Wurzeln, betrachten diese und bereiten sie anschliessend gemeinsam in der Küche zu einem schmackhaften Mahl zu. Natürlich kommt auch wichtiges Hintergrundwissen über die einzelnen Pflanzen und deren Heilwirkung nicht zu kurz.  Da ich dieses Jahr selbst an einer Weiterbildung teilnehme, biete ich meine  Kurse zum Thema Wildkräuter und Heilpflanzen nur auf Anfrage an.

Kontakt über violette.tannersunrise.REMOVE-THIS.ch oder Telefon 052 741 12 91.

erstellt von Christina Bösiger