Die grössten Jugendverbände, ihre Aktivitäten und Werte

Pfadi, Cevi und Jubla sind die drei grössten Jugendverbände in der Schweiz. Sie zählen zusammen gegen 90 000 Mitglieder. Was die Verbände unterscheidet und was sie verbindet – eine Übersicht.

Pfadi

Hintergrund
Lord Robert Baden-Powell stellte um das Jahr 1900 in der englischen Armee Mängel in der militärischen Ausbildung fest, etwa selbstständiges Denken und Handeln. Er organisierte 1907 das erste Jugendlager für Buben, mit dem Ziel, ihnen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung zu bieten. Baden-Powell, in der Armee zuständig für die Ausbildung von Spähern («Scouts») gewesen, schrieb daraufhin sein Buch «Scouting for Boys». In diesem forderte er Buben auf, ihre Umgebung zu erkunden. Auch bei Mädchen stiessen die Pfadfinder-Gedanken auf grosses Interesse, sodass Baden-Powell mit seiner Schwester ein Handbuch für weibliche Scouts schrieb («Girl Guides»). Die Pfadfinder-Ideen verbreiteten sich von England aus in der ganzen Welt. Heute gibt es weltweit ungefähr 43 Millionen Mitglieder und nur ganz wenige Länder, in denen es keine Pfadi gibt. Darunter Nordkorea und Laos.

Anzahl Mitglieder in der Schweiz: 45 600

Organisation
Die Pfadibewegung ist in Kantonalverbänden und mehr als 500 lokalen Gruppen organisiert.

Aktivitäten
Im Zentrum der Aktivitäten der Pfadibewegung Schweiz stehen vor allem sportliche Aktivitäten, Spiele, körperliche Betätigung und Erlebnisse in der Natur. Eine zentrale Rolle spielen auch Rituale und Traditionen. So bekommt jedes Mitglied einen Pfadinamen, man grüsst mit der linken Hand und trägt Uniform. Zu Letzterer gehört auch die sogenannte Pfadi-Krawatte, das charakteristische Halstuch. Das Pfadi-Programm umfasst fünf Altersstufen. Die jüngsten Pfadis, die Fünf- bis Sechsjährigen, werden «Biber» genannt, wer älter als 17 ist, der ist ein «Rover». In den Gruppen der «Pfadi Trotz Allem» (PTA) können Kinder und Jugendliche mit einer Behinderung Pfadi-Aktivitäten erleben.

Werte
Die Pfadibewegung Schweiz möchte Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene unabhängig von Nationalität, Konfession oder sozialem Hintergrund ansprechen. Sie legt gemäss Leitbild besonders Wert auf die Kinder- und Menschenrechte sowie den respektvollen Umgang mit der Natur. Mitglieder lernen, für sich selbst, ihr Umfeld und die Umwelt Verantwortung zu übernehmen. Ziel ist weiter, dass Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in der Pfadi ihre Fähigkeiten entdecken und erweitern. Die internationale Dimension der Bewegung ermöglicht es, dass sich die Mitglieder als Weltbürger erlebten. So gehört die Auseinandersetzung mit der eigenen Kultur, aber auch mit anderen Kulturen zum Pfadiprogramm. Die Pfadiarbeit ist laut Leitbild ausserdem geprägt von Ehrenamtlichkeit und gleichberechtigter Zusammenarbeit beider Geschlechter.

www.pbs.ch

Jubla (Jungwacht / Blauring)

Hintergrund
In den 1930er-Jahren entstanden in der Schweiz verschiedene katholische Kinder- und Jugendgruppen. Die Bubengruppen wurden Jungwacht genannt, die Mädchengruppen Blauring. Später, in den 70er-Jahren, begannen die Gruppen zusammenzuarbeiten und fokussierten immer stärker auf Freizeitgestaltung und gesellschaftliches Engagement. Vor gut acht Jahren haben Jungwacht und Blauring als Jubla offiziell fusioniert.

Anzahl Mitglieder in der Schweiz: 29 000

Organisation
Die Jubla ist in 15 Kantonalverbänden organsiert und in 21 Kantonen in der Deutschschweiz vertreten. Es gibt etwa 420 sogenannte Scharen, also einzelne Gruppen. Darunter reine Jungwacht- und Blauring-Scharen, aber auch geschlechtergemischte.

Aktivitäten
Die Jubla bedeutet Freizeitspass und Lebensschule»: Unter diesem Motto bietet die Jubla einerseits Gruppenstunden an, in denen beispielsweise gemalt, gesungen, spaziert oder geschlittelt wird. Das Freizeitprogramm kann von den Kindern mitbestimmt werden. Ausserdem finden mehrmals jährlich grössere Schar-Anlässe oder Lager statt. In den meisten Scharen beginnt das Angebot für Kinder ab der dritten Primarstufe, es gibt allerdings auch Scharen, die Programme für jüngere Kinder anbieten.

Werte
Die Jubla orientiert sich an fünf Grundsätzen: «zusammen sein», «mitbestimmen», «kreativ sein», «Natur erleben» und «Glauben leben». Christliche Werte und Traditionen nehmen nach wie vor eine wichtige Rolle bei den Schar-Aktivitäten ein: Am Lagerfeuer singen, Tischrituale sprechen, Kuchen für den guten Zweck verkaufen oder Aktivitäten für Asylsuchende zu veranstalten gehören beispielsweise dazu. Viele Scharen werden finanziell, materiell oder personell von katholischen Pfarreien unterstützt und stehen somit der katholischen Kirche sehr nahe. Gemäss Leitbild steht das Miteinander, stehen die Gemeinsamkeiten, allerdings an oberster Stelle. So nimmt die Jubla nicht nur katholische Kinder auf, sondern Kinder und Jugendliche aller Religionen, Konfessionen und Kulturen.

www.jubla.ch

Cevi

Hintergrund
Cevi ist der älteste der drei grössten Jugendverbände der Schweiz. Bereits um 1850 entstanden in England erste Cevi-Vereine, 1852 gründete Henry Dunant die erste Cevi-Gruppe in der Schweiz. Dunant war auch massgeblich an der Gründung der «Young Men’s Christian Association» (YMCA) im Jahr 1855 in Paris beteiligt, zu der Cevi gehört. Der Verein trägt heute offiziell den Namen «Schweizer Verband der Christlichen Vereine Junger Frauen und Männer».

Anzahl Mitglieder in der Schweiz: 14 000

Organisation
Der Verein umfasst 13 Mitgliederorganisationen, genauer sieben Regionalverbände und sechs Arbeitsgebiete, und 200 lokale Vereine.

Aktivitäten
Der Cevi bietet Freizeitangebote, Lager und Ausbildungskurse für Mitglieder. An den sogenannten Jungschar-Nachmittagen finden vor allem Aktivitäten in der Natur statt, es wird gebastelt und gespielt. Den «Jungschis» gehören Kinder und Teenager zwischen 6 und 16 Jahren an. Die meisten Jungscharen haben gewisse Traditionen, es werden auch Cevi-Namen vergeben. Für Mädchen und Buben im Kindergartenalter gibt es ebenfalls bereits Gruppen, diese heissen Fröschli. Zudem existieren in der Schweiz etwa 20 Ten-Sing-Gruppen des Cevi, in welchen Jugendliche gemeinsam Bühnenshows auf die Beine stellen, beispielsweise mit Gesang und Tanz.

Werte
Der gemeinsame Glaube an Jesus Christus und die christlichen Werte sollen im Cevi gelebt und weitergegeben werden. Der Glaube ist also grundlegend und wird im Cevi in verschiedensten Formen gelebt. Der Cevi-Grundsatz lautet «Wir trauen Gott, den Menschen und uns selbst Grosses zu.» Gemeinschaft, die Förderung von Begabungen und die Unterstützung bei der Persönlichkeitsentwicklung sind gemäss Leitbild ausserdem zentral.

www.cevi.ch

erstellt von Malolo Kessler