Verbieten, schützen oder lernen, damit umzugehen?

Bereits im zarten Kindesalter werden unsere Kinder umworben - sei dies mit verlockenden Süssigkeiten, allerlei Sammelspielen, cooler TV-Werbung nicht nur für "pädagogisch wertvolle" Spielsachen und vielem mehr. Wie machen Eltern ihren Nachwuchs am besten fit für unsere Konsumgesellschaft?

Kinder sind nicht automatisch konsumreif. Ganz im Gegenteil. Sie müssen lernen, sich in unserer Konsumwelt zu behaupten, mit allen Gefahren und Risiken, die dies mit sich bringt. Als wichtiger Bestandteil dieses Entwicklungsprozesses gilt ein dem Alter angemessenes Taschengeld oder gar ein Jugendlohn - ein regelmässig ausbezahlter Betrag, über den die Kinder frei verfügen dürfen sollten und der mit zunehmender Konsumreife immer weiter erhöht wird - bei gleichzeitiger Übertragung von immer mehr Kompetenzen und Aufgaben. Im Idealfall bekommt spätestens ein 16-jähriger Jugendlicher so viel Taschengeld, dass er davon alle Ausgaben seines täglichen Lebens bestreiten kann, also Kleidung, Ausgehen, Telefon etc. Und dabei muss er immer wissen: Wenn das Geld einmal ausgegeben wurde, dann ist nichts mehr da und man muss darben. Denn nur so lernt man haushalten und stolpert nicht in die Schuldenfalle, wenn man irgendwann Geld verdient und sein eigenes Leben mit allen damit verbundenen Ausgaben selbst finanzieren muss.

"Kinder sollten deshalb vor allem lernen, dass Geld eine begrenzte Ressource ist und dass man nicht alles haben kann, was man gerne möchte oder dass man auch mal auf eine grössere Anschaffung hin sparen muss", sagt Axel Dammler, Leiter des Marktforschungsinstitutes iconkids&youth. "Sie müssen lernen, Prioritäten zu setzen und Entscheidungen zu treffen. Dabei sollen sie ruhig auch Fehler resp. entsprechende Erfahrungen machen dürfen, d.h. wer sein ganzes Geld bereits am Anfang des Monats für Süssigkeiten oder neue Klamotten ausgibt, muss dann halt später auf anderes verzichten. Frustrationserfahrungen sind fundamental wichtig dafür, dass man später nicht in einen Konsumrausch gerät. Kinder sollen lernen, Produkte zu beurteilen, zu vergleichen und abzuwägen - dieser Prozess hilft nicht zuletzt auch, Werbeversprechungen zu entlarven und ‹Mogelpackungen› zu demaskieren - eine weitere wichtige Erfahrung für das ganze Leben."

Doch: Weshalb haben trotz dieses Wissens immer mehr Kinder und Jugendliche bereits Schulden? Wie stärken Eltern ihre Kinder, sodass sie für die allgegenwärtig lockenden Verführungen unserer Kommerzwelt gewappnet sind? Diese Fragen beleuchten verschiedene Fachleute aus unterschiedlichen Blickwinkeln.

Wirkt Schuldenprävention?
Finanzkompetenz von Jugendlichen allein genügt nicht, um sie vor einer Verschuldung zu schützen. Noch entscheidender sind psychologische Faktoren wie Selbstvertrauen, die Fähigkeit, Belohnungen aufzuschieben, und Selbstkontrolle. Daneben erweist sich die Orientierung an Werten und Normen als bedeutsam. Handlungsspielräume für den selbstständigen Umgang mit Geld, offene Gespräche, elterliche Unterstützung und eine nicht konsumorientierte Erziehung spielen dabei eine wichtige Rolle.
Die Studie "Wirkt Schuldenprävention?" wurde von Akteuren aus der Jugendpolitik, der Schuldenprävention und dem Stiftungswesen in Auftrag gegeben und durch die Hochschule Luzern erstellt. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass unter anderem die Fokussierung der präventiven Arbeit auf die Eltern für die Schuldenprävention zentral ist.

Der Link zur Studie: www.schulden.ch