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Hilfe! Mein Kind will (k)ein Musikinstrument spielen!

Die Rolle der Eltern - Welche Eltern-Arbeit ist zu tun? Macht Musik intelligent? Verbessert Musik die emotionale Entwicklung und das soziale Empfinden?

Macht Musik intelligent?
Wissenschaftler haben in aufwendigen Studien untersucht und festgestellt, dass sich die graue Substanz, d.h. Nervenzellen, Dendriten und Synapsen im Gehirn vermehren wenn häufig und intensiv musiziert wird. Musizieren stellt neben anderen Simulationsmöglichkeiten offensichtlich eine besondere Anregung für unser Gehirn bereit. Die graue Masse im Gehirn nimmt aber auch wieder ab, wenn längere Zeit  nicht  oder wenig trainiert wird! Die Wissenschaftler vermuten, dass die untersuchten Veränderungen im Gehirn eine positive Wirkung auf Sprach- und Denkprozesse entfalten und die kindliche Entwicklung fördern.

Auch Gedächtnisinformationen werden durch das Musizieren aktiviert und mit andern Gedächtnisinhalten gekoppelt. Das heisst es werden Töne, Rhythmen und Melodien, aber auch Erinnerungen an Episoden, Personen und Emotionen mit dem Musikstück assoziiert.

Verbessert Musik die emotionale Entwicklung und das soziale Empfinden?
In den letzten Jahren wird immer stärker betont, dass  es neben den intellektuellen Fähigkeiten auch "emotionale Intelligenz" gibt. Sie zu entwickeln und zu fördern wird für das Miteinanderleben und den Erfolg des Einzelnen in unserer Gesellschaft  als besonders wichtig betrachtet. Was leistet Musik und Musizieren hier?

Eigentlich erübrigt sich die Antwort auf diese Frage, denn es ist völlig eindeutig, dass Musik unsere Emotionen heftig beeinflusst. Kaum eine andere Reizklasse hat eine derart starke und breite Wirkung. Auf unsere Gefühle. Die Wirkung von Filmen ist ohne die Musik kaum mehr denkbar. Wichtig ist allerdings, dass unser Gehirn Musikgeschmack lernt: «Wir mögen, was wir schon gehört haben.» Dieser reine Darbietungseffekt (engl.: mere exposure effect) ist ein verblüffendes Phänomen, wonach wir Musikstücke (aber auch kurze akustische Reize) schon nach einmaliger kurzer Präsentation mehr mögen als vor der Präsentation. Der reine Darbietungseffekt ist auf unbewusstes (implizites) Lernen zurückzuführen. Diese Form des emotionalen Lernens funktioniert bis ins hohe Alter und auch noch bei Demenz.

Wer sein Kind liebt und ihm eine erfolgreiche Zukunft in unserer Gesellschaft ermöglichen will, der scheint zum heutigen Stand der wissenschaftlichen Diskussion kaum um die Anschaffung von Instrumenten und die Beschäftigung von Musiklehrern herum zu kommen. Aber leider kann man eine solche globale Schlußfolgerung nicht ziehen. Die konkrete Herausforderung in dieser Frage liegt darin folgende Punkte zu klären:

 

  • Welches Kind benötig Musik besonders und welches vielleicht weniger oder gar nicht?
    Musizieren ist nur eine von mehreren Förderungsmöglichkeiten und leider ist die Frage, welche Kindern mit welchen Persönlichkeitsmerkmalen und welchen Entwicklungsdefiziten besonders durch Musizieren profitieren nicht beantwortet. Deshalb ist im Einzelfall zu beobachten - etwa nach einem halben Jahre - ob sich auch in anderen Bereichen der Entwicklung durch das Musizieren Verbesserungen feststellen lassen. Zeigen sich diese überhaupt nicht, so stellt für dieses Kind das Musizieren vielleicht nicht die geeignete Anregungsmöglichkeit bereit. Kinder profitieren recht unterschiedlich und wie bei vielen anderen Maßnahmen müssen unterschiedliche Wege gegeneinander abgewogen werden. Hat ein Kind zum Beispiel ausgeprägte motorische und konstitutionelle körperliche Defizite, ist  Sport vielleicht wichtiger als Unterstützung. 
     
  • Mit welcher Art der Förderung schade ich meinem Kind nicht?
    Auch noch so förderliche Aktivitäten können das Gegenteil erreichen, wenn sie falsch durchgesetzt werden. Taxi fahren reicht nicht aus! Bei 3-11 jährigen Kindern hat sich gezeigt, dass der Erfolg des Musikunterrichts positiv beeinflusst wird, wenn die Eltern  am Unterricht inhaltlich beteiligt sind. Die Kinder kennen und spielen ihr Instrument besser, je mehr die Eltern in den Unterricht einbezogen werden.
    Übermässige Strenge verdirbt den Spass! Negative Einflussnahme, wie Ermahnung, Drohung, Beschimpfung wird vom Kind langfristig mit Musik assoziiert und kann einen Zugang zur Musik über Jahre verleiden. Hilfe anbieten und an das Üben erinnern ist sinnvoll, da man bei vielen Kindern anhaltende Selbstmotivation nicht annehmen kann. Kleine Kinder brauchen das gemeinsame Üben mit den Eltern. Sie lernen dadurch im Laufe der Zeit sich selber strukturieren. Das Kind in seiner musikalischen Entwicklung begleiten, Interesse an seinen Gedanken zu bekunden, ihm in einem gewissen Sinn interessiert folgen, begünstigt seine musikalische Entwicklung. Musizieren sie zusammen mit dem Kind! Eltern sind Modell! Das gemeinsame Erleben weckt Freude und motiviert weitere Fortschritte am eigenen Instrument zu erreichen. Wählen sie als Eltern einen Lehrer, der sein Handwerk versteht! Ihr Kind sollte gut mit ihm auskommen, beide sollten sich mögen und einander respektieren. Ein noch so "guter Musiklehrer" nützt wenig oder schadet sogar, wenn ihr Kind aus welchen unnachvollziehbaren Gründen auch immer keine gute Beziehung zu ihm aufbauen kann.

     

     

  • Wie vermeide ich mögliche Belastungen, die zwischen Kindern und Eltern auftauchen können, wenn durch Musizieren und dem Musikunterricht mehr Belastungen entstehen als Freude aufkommt?
    Wenn der noch so gut gemeinte Musikunterricht zu einer Belastung für die Beziehung zwischen Eltern und Kindern wird,  sollten Sie im Zweifel eher der guten Beziehung zu ihrem Kind den Vorzug geben, was aber nicht zu bedeuten hat, bei den ersten Schwierigkeiten gleich aufzugeben. Das Instrument zu finden, das ihrem Kind entspricht braucht oft mehrere Anläufe und kann sich auch wieder verändern. Die Blockflöte ist nicht unbedingt der beste Einstieg für jedes Kind. Erkunden sie in aller Ruhe mit ihrem Kind welches Instrument etwas Faszinierendes hat und warum ihr Kind daran Interesse hat und helfen sie ihrem Kind dabei sich dazu Gedanken zu machen. Dabei braucht es  oft ihre Unterstützung, weil es sich diese Gedanken nicht einfach selber machen kann.
    Hilfe mein Kind spielt kein oder ein Instrument ist nur in wenigen Fällen tatsächlich ein Problem. Vielleicht ist nur der Zeitpunkt oder das anvisierte Instrument ungeeignet. Musizieren ist für viele, aber nicht für alle, Kinder eine entwicklungsfördernde Angelegenheit. Wird das Erlernen eines Instrumentes aber zum Beziehungshindernis zwischen Kindern und ihren Eltern kann sich die positive Wirkung nur schwer entfalten. Folgen sie bei der Entscheidung ob ihr Kind ein oder kein Instrument lernen soll ihrer Intuition.

Quelle: Antoinette Niggli, Musiktherapeutin SFMT,  praxis-musiktherapie.ch