Lasst uns spielen!

Babys und kleine Kinder spielen gern - das macht ihnen nicht nur Spass, sondern ist auch wichtig für ihre Entwicklung. Sie lernen - im wahrsten Sinne des Wortes - spielerisch die Welt um sich herum zu begreifen.

(Bild: Calek)

Spielen mit Babys ist etwas Besonderes. Ihr vergnügtes Quietschen ist ansteckend und macht auch die Eltern glücklich.Im Spiel erleben Eltern ihre Kleinen aufgeweckt und zufrieden. Gleichzeitig nehmen sie staunend die Entwicklungsschritte ihres Kindes wahr: Plötzlich spielt schon der wenige Wochen alte Säugling ganz alleine mit seinen Fingern und Füssen, versucht dann nach allem zu greifen, was er erreichen kann, es zu betasten und in den Mund zu stecken. Für die gesunde Entwicklung eines Kindes ist Spielen extrem wichtig: Nicht nur der gesamte Organismus wird angeregt. Auch die Umwelt wird so nach und nach erforscht. Spielen macht ein Kind körperlich und geistig fit. Spielen ist deshalb untrennbar mit der Entwicklung der Fähigkeiten und Fertigkeiten, also der gesamten Persönlichkeit eines Kindes verbunden. Im Spiel können Kinder wichtige Lebenserfahrungen sammeln und gleichzeitig verarbeiten, wobei dies je nach Alter sehr verschieden aussehen kann. Die früheste Form ist das Funktionsspiel, die Freude am Berühren und Fühlen, am Hören und Entdecken. Wenn die Kinder grösser werden, sitzen können, laufen lernen und Gegenstände halten können, dann versuchen sie damit zu spielen, zu bauen, zu formen, sie auseinanderzunehmen, sie wegzuwerfen. Sie lernen, was man damit machen kann und entwickeln so Schritt für Schritt ihre praktische Intelligenz.

Wie und was spielen mit einem Baby?
Frischgebackene Eltern, die vor der Geburt ihres Babys kaum oder gar keinen Kontakt zu Kindern hatten, tun sich vielleicht anfangs schwer, mit ihrem Baby zu spielen, doch wer dann ganz persönlich miterlebt, wie konzentriert und leidenschaftlich das eigene Baby spielt, wird sich sicher mit Freude immer wieder neue Spiele ausdenken, um auch gemeinsam Spass zu haben. Keine Sorge, Sie brauchen dafür keine extra Baby-Spielsachen zu kaufen und Sie müssen auch nicht ständig in die Rolle des Alleinunterhalters schlüpfen. Ein Baby braucht zwischendurch immer wieder Ruhe, um zu verarbeiten, was es gemeinsam mit Ihnen erlebt hat und die Chance, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Ihr Ziel sollte es sein, ungefähr in der Hälfte der Zeit, die Ihr Baby wach ist, sich mit ihm zu beschäftigen. Dazu gehört auch die Zeit, in der Sie Ihr Kleines füttern, wickeln, massieren, baden, pflegen oder herumtragen. Bei allen Tätigkeiten lassen sich wunderbar immer wieder kleinere Spiele einbauen: Guckspiele, Fingerspiele, Kitzelspiele oder Hand- und Fussspiele. Erzählen Sie ihm, was Sie gerade tun oder singen Sie dazu. Spazieren Sie mit ihm durch die Wohnung und erklären Sie ihm, was Sie gerade sehen.

Bloss nicht zu viel Action
Junge Eltern neigen dazu, es (zu) gut zu meinen - auch mit zu viel Action: Man sollte sein Kind nicht wie ein Unterhaltungskünstler bespielen. Achten Sie genau auf seine Reaktion. Das gelingt am besten, wenn Sie ruhig und langsam mit dem Kind umgehen. In einem Moment findet das Baby es noch lustig, wenn Sie eine Grimasse schneiden, im anderen Moment erschrickt es. Wenn Babys den Kopf wegdrehen oder weinen, signalisieren sie eindeutig: Das Spiel gefällt mir nicht (mehr). Beobachten Sie also, wann Ihr Baby in Spiellaune ist - in der Regel nach dem -Essen und wenn es ausgeschlafen ist - und planen Sie Ihre Spielzeit entsprechend in den Tagesablauf ein. In den ersten drei Monaten ist ein Baby ganz besonders an Gesichtern, Farben und Stimmen interessiert. Zwischen drei und sechs Monaten begreift es seinen Körper und die Welt, es spielt mit seinen Händen und Zehen und steckt alles, was es fassen kann, in den Mund, um es zu erforschen. Es sind also Ihr Gesicht, ihre liebevollen Worte oder die Bewegungen eines Gegenstandes, die die Sinne Ihres Babys anregen.

Nachahmen ist wichtig

Auch durch Nachahmung werden im Spiel neue Fähigkeiten erworben. Im ersten Lebensjahr beginnt das Kind zum Beispiel Laute nachzuahmen. Ein wichtiger Schritt, um sprechen zu lernen. Um sich angemessen zu entwickeln, müssen Baby deshalb nach Meinung des Kinderarztes und Buchautoren Remo H. Largo ausreichend Gelegenheit haben, zu «mundeln» (also Gegenstände mit dem Mund zu befühlen und zu untersuchen), zu hantieren und Gegenstände zu betrachten. Die «Spielzeuge» sollten natürlich für das Baby ungefährlich sein, also zum einen gross genug sein, dass Säuglinge sie nicht vollständig in den Mund nehmen können. Zum anderen sollten sie weder scharfe Kanten noch Spitzen haben und aus unzerbrechlichem, ungiftigem Material sein.

In den ersten Monaten machen sich folgende Spiele gut:

Guckspiele   
Hängen Sie Ihrem Kind ein buntes Mobile über seine Wickelkommode oder über sein Bettchen. Bei jedem Lufthauch bewegen sich die Motive - das ist spannend zu beobachten.   

Imitieren Sie Ihr Baby. Schauen Sie es mit grossen Augen an, machen Sie den Mund auf und zu, strecken Sie ganz langsam die Zunge heraus, lachen Sie es an.

Greifspiele
Sie bieten sich an, sobald Ihr Baby Reifen, Ringe oder Rasseln festhalten kann. Befühlen Sie mit ihm zusammen verschiedene Oberflächen und Formen, lassen Sie sich spielerisch auf ein gegenseitiges Ziehen an den Rasseln ein.  

Wie fühlt sich Wasser an, wie das Gras unter den Füssen? Wenn Grashalme seine Fusssohlen kitzeln, wird es erkunden wollen, was das ist.

Schaukelspiele

Schaukel- und Tanzspiele untermalt mit selbst ausgedachten Versen oder Liedern sind auch bei Babys sehr beliebt. Es gibt unzählige Varianten. Wer sich nicht traut oder keine Idee hat: Im Internet oder in Büchern gibt es jede Menge davon!

erstellt von Kidy Swissfamily Ausgabe Februar 2011