Dossier Campen mit Kids

Willkommen! Ferien auf dem Campingplatz sind vor allem bei Familien beliebt. Nicht nur der günstigere Preis lockt, vor allem das Leben in der Natur und Kontakte mit anderen Familien machen das Camping zu einem schönen Erlebnis.

Am Morgen durch das nasse Gras laufen, den Kaffee mit den ersten Sonnenstrahlen geniessen, seine Lungen mit frischer Luft füllen, dabei den Eichhörnchen zusehen, auf dem Kocher Spaghetti mit Tomatensauce kochen, am Lagerfeuer eine Wurst braten und nachts das Sternenzelt bewundern – wer campieren geht, nimmt die Elemente Luft, Erde, Feuer und Wasser intensiver wahr als sonst. «Man erlebt einfach mehr», bringt es die vierzehnjährige Dani auf den Punkt. Auch für ihre Eltern ist Zelten die beste Art, schöne Ferien zu machen. «Ich geniesse es, dann immer draussen zu sein. Das ist für mich Erholung pur.» Ausserdem lernten sie stets andere Familien kennen, ein besonderer Pluspunkt von Campingferien.

Ausrüstung muss stimmen

Viele Familien wollen in den Ferien einmal das einfache Leben geniessen. Andere wiederum graut allein schon der Gedanke an ein Zelten mit der Familie. Sie denken dabei an unbequeme Betten und kalte Nächte, Chaos, Dreck und quengelnde Kinder. Doch wer sich richtig ausrüstet und etwas organisiert, kann im Zelt ebenso komfortable und geruhsame Ferien erleben wie in vier festen Wänden.

Ob Einsteiger oder gewiefter Outdoor-Fan – wesentlich ist eine zweckmässige Ausrüstung. (siehe Interview). Ratsam ist es, sich im Fachhandel zu informieren, was man braucht und was sinnvoll ist. Man muss längst nicht alles kaufen, was der Markt hergibt, sollte jedoch wissen, was wirklich sinnvoll ist. Gut sortierte Fachgeschäfte führen etwa auch für Kinder funktionelle Bekleidung, kürzere Matten und Kinder-Schlafsäcke. Anfänger nehmen oft zu viel und dann noch das falsche Material mit. Wer sich jedoch mit robustem und funktionellem Material ausrüstet, braucht weniger. Leicht geht vergessen, dass auch bei schönem Wetter das Gras morgens nass ist, abends sitzt man gerne lange draussen, und am Lagerfeuer ist es von hinten kalt.

Von Zelt bis Stirnlampe

Einfach und naturnah leben bedeutet nicht, dass man auf wesentliche Dinge verzichten muss. Wir geben einige Tipps, auf was man achten sollte, damit das Leben auf dem Zeltplatz richtig Spass macht.

Zelt:

Gute Zelte lassen sich klein zusammenpacken, sind leicht und gut transportierbar, dazu sind sie rasch aufgestellt. Manche öffnen sich sogar von selbst, sie sind allerdings sperriger für den Transport. Die Wassersäule – die Höhe des Wasserdrucks, den das Aussenmaterial der Zeltwand und der Zeltboden aushalten soll – sollte (beim Boden) mindestens 5000 Millimeter betragen. Beim Aussenzelt kommt es auf die Beschichtung an, bei Silikon reichen 2000 Millimeter. Zelte, die sich alleine aufstellen, sind nicht sehr windstabil.

Ein gutes Familienzelt empfiehlt sich bei längerem Aufenthalt und bei mehr als drei Personen. Separate Schlafkabinen und ein Vorraum bieten mehr Platz für Gepäck, Küchenzeug oder auch zum Sitzen. Bei mehreren Kindern empfiehlt sich ein Mehrkabinenzelt. Fehlt im Wohnbereich der feste Boden, kann man eine grosse Plane unterlegen.

Schlafutensilien:

Selbst aufblasbare Matten isolieren gut und sind bequem. Herkömmliche Luftmatratzen eignen sich nicht. Wer neben Kindern schläft, baut am besten ein Isomattenlager, fixiert mit einem Spannbettlaken, und legt Baby oder Kleinkind in die Mitte. Babyreisebetten sind wärmer, aber auch sperriger.

Schlafsäcke sollten dem Temperaturbereich angepasst sein. Wenn es nachts sehr kalt sein sollte, kann man Mütze, Schal und zusätzliche Kleidung anziehen. Kinderschlafsäcke braucht man nur für kleinere Kinder, ab einer Grösse von 1,40 Metern bindet man einfach den unteren Teil ab.

Küchenausstattung:

Zwei Töpfe aus Aluminium, ein Schneidebrett, ein scharfes Messer, ein Schweizer Messer oder Dosenöffner, für jeden Besteck, Teller und Becher sowie Salz und Pfeffer sollten als Mindestausstattung mit. Viele Campingplätze bieten Kochecken und Sitzgelegenheiten sowie Kühlschränke. Ein Gas- oder Spirituskocher dient als praktische Kochstelle.

Kleidung:

Funktionelle, atmungsaktive Bekleidung trocknet rasch, sei es nach schweisstreibender Aktivität oder nach der Wäsche. Baumwolle wird schnell feucht und trocknet nur langsam. Unterwäsche und Shirts aus Merinowolle sind praktisch, denn die Naturfaser wirkt im Gegensatz zu synthetischen Materialien als natürlicher Geruchskiller, sie hält zudem warm, kühlt bei Hitze und ist sehr leicht. Fleece-Jacken sollten ebenfalls ins Gepäck, ebenso wind- und wasserdichte Jacken, robustes Schuhwerk und dicke Strümpfe.

Sonstiges:

Toilettenpapier, Haushaltsrolle, Zündhölzer und Taschenlampen sollte man dabei haben. Stirnlampen sind praktisch beim Nachtessen oder zum Lesen. Neben Laternen mit Petroleum sind solche mit LED auch innenzelttauglich, das ist vor allem dann gut, wenn Kinder Angst im Dunkeln haben.

Ein Kanister Wasser, eine Kühlbox, eine Wäscheleine, eine rechteckige Schüssel zum Spülen, ein Handfeger und kleinere Mülltüten sollte man einpacken. Eine grosse Plane, genannt Tarp, die mit Stangen und Seilen abgespannt wird, schützt das Zelt und den Esstisch vor Feuchtigkeit oder Regen und spendet Schatten.

Auf vielen Campingplätzen kann man auch Bungalows oder andere Unterkünfte, wie kleine Hütten, Jurten, Tipis oder sogar Baumhäuser mieten. Dies ist eine gute Alternative zur Ferienwohnung, vor allem für diejenigen, die nicht campieren wollen, aber dennoch die Umgebung eines Campingplatzes geniessen und die Einrichtungen nutzen wollen. Teurer aber komfortabler ist die Miete eines Campers oder Wohnmobils.

Interview: «Wenig Material, dafür funktionell»

Dieter Chrétien ist Geschäftsführer von Transa Basel. Als Outdoor-Spezialist hält er viele Tipps für stressfreies Campen bereit.

Dieter Chrétien: Was sollte man  beachten, wenn man das erste Mal campen geht?  

Viele Leute nehmen zu viel Material mit, beispielweise zusätzliche Decken, weil sie Angst haben, es könnte sonst zu kalt sein. Es gibt heute praktische, funktionelle und preislich attraktive Materialien und Outdoor-Bekleidung. In den letzten Jahren hat sich der Markt, auch für Kinder, sehr entwickelt.

Auf was sollte man besonders  achten, sowohl bei Ausrüstung als auch Bekleidung?

Es kommt darauf an, ob man mit dem Auto reist oder mit Rucksack und öffentlichen Verkehrsmitteln. Wichtig ist ein funktionelles Zelt, gute Schlafunterlagen und Schlafsack. Alle Utensilien sind heute gut transportierbar, leicht und trotzdem komfortabel. Die Zelte lassen sich rasch aufstellen und sind geräumig, die Schlafmatten sind so bequem, dass viele sie daheim als Gästebett verwenden. Baumwollbekleidung ist vor allem, wenn es feucht-kalt ist, nicht empfehlenswert. Funktionsbekleidung ist leicht, trocknet rasch und bietet Schutz gegen Kälte, Nässe und Schmutz.

Mit welchen Ausgaben muss man  in etwa rechnen?

Ein Zelt für vier Personen gibt es bereits ab 600 Franken, Matten ab 60 Franken und Schlafsäcke ab 80 bis 100 Franken. Dazu empfehle ich zusammenklappbare Möbel. Einen leichten, stabilen Stuhl gibt es ab 60 Franken, einen Campingtisch ab 100 Franken. Für eine vierköpfige Familie ist man mit knapp 2000 Franken, inklusive Kocher und Geschirr, bereits gut ausgerüstet.»

So finden Sie Ihren Campingplatz

«Camping ist beliebt, und meines Erachtens wird die Nachfrage steigen, vor allem, wenn mehr Wohnwagen oder Bungalows angeboten werden. Im Winter besteht im Alpenraum grosses Potenzial an Mobilhomes», sagt Paul Schnidrig, Präsident des Walliser Campingverbands. Familien suchten eher Spass und ein breites Angebot, die ältere Generation eher Ruhe. Der Campingplatz müsse diesen Erwartungen entsprechen.

Trotz Internetseiten und Campingführern ist es oft nicht einfach, den richtigen Platz zu finden. Man sollte sich vorher im Klaren sein, was einem wichtig ist: Soll es ein kleinerer Platz sein, vielleicht auf einem Bauernhof, oder reizt eher ein grosser mit vielen Angeboten wie Animationsprogramm für Kinder und Eltern? Braucht es ein Familienbad? Soll ein Pool da sein oder ist es schöner, direkt an einem See  zu campieren?

Wer einige Dinge vor der Buchung oder der Abreise klärt, kann gezielter suchen und vermeidet Enttäuschungen vor Ort. Naturnahe Campingplätze sind meist einfacher in der Ausstattung, verfügen jedoch oft über einen kleinen Laden, ein Restaurant, einen Spielplatz oder ein Volleyballfeld, Grillplätze oder bieten den Gästen einen Aufenthaltsraum an. Häufig gibt es selbst dort Kühlschränke und Kochnischen für Zeltler. Vorteile der kleineren Campingplätze sind die günstigeren Preise und die Möglichkeit, in einer naturnahen Umgebung seine Ferien zu verbringen.

Nachfolgend eine – recht willkürliche – kleine Auswahl von meist kleineren und naturnahen Campingplätzen in der Schweiz. Viele Informationen, aber nicht alle Plätze in der Schweiz, findet man auf www.camping.ch, www.swisscamps.ch.

Informationen gibt es bei allen örtlichen Tourismusbüros und auf der Webseite von Schweiz Tourismus www.myswitzerland.com. Rund 30 Campingplätze bietet der TCS an. www.tcs.ch 

Innerschweiz:

Gerbeweid Camping, Camping Hostetten Ennetmoos, Camping Ebnet, Camping Ewil, Sachseln, Camping Seefeldpark, Sarnen, Camping Naas-Sod, Morgarten, Camping am Seelisberger Seeli

Jura:

Camping Tariche, St. Ursanne, Camping Vermes, Vermes, Camping Les Grottes, Réclère (Vermietung von Jurten)

Berner Oberland:

Camping Hasenweide, Lenk, Camping Rütti, Stechelberg, Bauernhofcamping Wang, Beatenberg

Wallis und Waadtland:

Camping Vissoie, Anniviers, Camping Swiss Plage, Salgesch, Camping Glacier,  Le Fouly, Camping Giessen, Binntal. TCS-Camping Genf, Vésenaz  (u.a. POD-Hotel)

Graubünden :

Camping Carrera, Valendas, Camping Thusis, Viamala, Camping Flims, Flims-Waldhaus (u.a. POD-Hotel),  Camping Pè da Munt, Sta. Maria

Camping Muglin, Mustair  (auf ehemaligem Bauernhof),  TCS-Camping Disentis

Campingführer:

Kleine Campings, www.anwb.nl 

Guter Campingführer des Automobilklubs der Niederlande mit Auflistung  von kleinen Campingplätzen in Europa (mit max. 40 Standplätzen).

Der deutsche Automobilclub ADAC  gibt jedes Jahr einen Campingführer

für Europa heraus.  www.campingfuehrer.adac.de 

erstellt von Lioba Schneemann