Wenn Kinder ständig streiten

Das ewige Geschrei im Kinderzimmer geht mir an die Substanz. Kaum sind unser Sohn, 4 Jahre und unsere Tochter, 3 Jahre, zu Hause, beginnen sie zu streiten. Meistens geht es um Spielsachen, die sie unbedingt zur gleichen Zeit haben wollen. Wenn ich dann eingreife, wird es noch schlimmer…

Was tun, wenn Kinder streiten?

Ja, davon können sicher viele Eltern ein Lied singen, leider kein fröhliches…

Zuerst einmal entlastet es Sie aber bestimmt, dass das Verhalten Ihrer Kinder vollkommen normal ist. Sie sind im gleichen Alter, die Konkurrenzsituation ist erhöht und sie wollen immer wieder erleben, dass die Eltern zu ihren Gunsten eingreifen.

Deshalb ist es ratsam, müde Kinder nach der Heimkehr erst einmal getrennt spielen zu lassen. Sind sie dann ein wenig ausgeruht, spielt es sich wieder leichter zusammen. Hilfreich könnte auch ein Ritual sein, dass eines der beiden Ihnen abwechslungsweise beim Tisch decken oder etwas Anderem helfen darf. Wenn Sie sich dann lobend äussern und vom Kind gleichzeitig erfahren, was es ausserhalb der vier Wände erlebt hat, fühlt es sich wahr genommen und geliebt. Nachher könnten Sie auch kurz zum anderen Kind gehen, das in der Zwischenzeit für sich gespielt hat und sein Spiel wertschätzen. Ist der Ablauf stets der gleiche, gewöhnen sich alle daran und es muss nicht ständig neu verhandelt werden.

Das sind die kleinen Dinge, die wir oft intuitiv richtig machen. Allzu oft denken wir aber beim Heimkommen zuerst auch an unsere vielen Verpflichtungen und sind zwar präsent, aber doch abwesend. Kinder spüren sehr gut, wieviel „Stress“ in der Luft liegt und reagieren sehr empfindlich darauf. Besonders, wenn sie auch gerade selber erschöpft sind. Solch kleine „Zuwendungs-Rituale“ bewirken oft Wunder und sparen Zeit und Energie. Denn wenn alle gut zu Hause „landen“ und man sich – ev. auch bei einem sofortigen kleinen feinen Imbiss – ein wenig Zeit füreinander nimmt, verfliegen Anspannung und Eifersucht oft wundersam…

Geht es mit Streiten doch weiter im Kinderzimmer, ist es das Beste, die Kinder kurz zu trennen. Idealerweise im etwa gleichen Abstand zur Bezugsperson. Sie könnten sich dann beispielsweise wie folgt äussern: „Es ist mir egal, wer angefangen hat, ich will, dass der Streit aufhört. Deshalb spielt ihr jetzt 5 Minuten für euch allein. Nachher könnt ihr selber abmachen, wer das Murmelspiel zuerst erhält und wann ihr tauscht.“

Es ist ratsam, die Kinder eigene Lösungen für ihre Konflikte finden zu lassen. Ein Vorschlag, wie der Konflikt zu lösen wäre, kann ab und zu gegeben werden. Doch stärkt es das Selbstvertrauen, wenn eigene Ideen umgesetzt werden. Dann wächst auch der Zusammenhalt unter den Geschwistern und die Eifersucht nimmt ab. Deshalb sollten wir Auseinandersetzungen im Kinderzimmer zulassen, vorausgesetzt, sie werden nicht mit den Fäusten ausgetragen oder das stets gleiche Kind muss immer einstecken und/oder gehorchen. In diesem Falle braucht es klare Regeln und auch regelmässig getrennte Spielräume und -kameraden.

So oder so ist es wichtig, dass wir das Geschehen wachsam verfolgen. Im Idealfall aber von weitem.

Marie-Louise Spinnler, Elternberaterin, www.elternberatung-spinnler.ch

erstellt von Christina Bösiger