Sex nach Kalender

Was tun, wenn man auf Kommando, na Sie wissen schon was, tun soll? Ein echtes Problem. Und ein klarer Fall für unsere aktuelle Satire.

"Lieber Ratgeber. Wir haben eine Tochter (2 Jahre) und wünschen uns ein zweites Kind. Meine Frau hat es damit ziemlich eilig, weil sie keinen zu grossen Abstand zwischen den Kindern möchte. Ich fühle mich dadurch leicht unter Druck gesetzt, wenn Sie wissen, was ich meine, und darunter leidet meine Performance. Das ist ein Teufelsk«Wir haben eine Tochter (2 Jahre) und wünschen uns ein zweites Kind. Meine Frau hat es damit ziemlich eilig, weil sie keinen zu grossen Abstand zwischen den Kindern möchte. Ich fühle mich dadurch leicht unter Druck gesetzt, wenn Sie wissen, was ich meine, und darunter leidet meine Performance. Das ist ein Teufelskreis"

Vielleicht müssen wir Ihre hochinteressante Anfrage für die geistig weniger Beweglichen unter den Leserinnen und Leser zunächst einmal in klare Worte übersetzen. Ihre Frau wünscht sich ganz offensichtlich den Beischlaf nach Kalender. Sie zerrt Sie also immer an den Tagen grösster Fruchtbarkeit ins Bett, und dann so oft wie möglich, während Sie sich an den weniger fruchtbaren Tagen keine Hoffnung auf körperliche Liebe machen müssen, weil diese dann nicht zum gewünschten Ziel führt – wenigstens für Ihre Frau nicht.

Sex nach Plan könnte man das reichlich unromantisch nennen. Im Grunde ist das nichts Verwerfliches, es ist sogar sehr verbreitet – und zwar in der Landwirtschaft bei Zuchtbullen. Da wir Männer – entgegen bösartiger Gerüchte – beim Sex nicht nur unterhalb der Hüfte einsatzbereit sein müssen, sondern auch der Kopf mitspielen sollte, ist das nicht so lustig. Ganz schlimm wird es dann, wenn Ihre Frau zur Steigerung der Motivation versucht, verbal und mimisch so zu tun, als wäre der Akt an sich gerade umwerfend. Dabei wissen Sie genau, dass Sie im Moment gerade nur als mobile Samenbank fungieren. Irgendwelche vor sich hin gestöhnten Satzfetzen wie «Ja, gibs mir» erhalten vor diesem Hintergrund eine völlig neue Bedeutung, denn für einmal ist das wörtlich gemeint. Sie wissen ja sehr genau, was Sie der Dame Ihres Herzens «geben» sollen. Dass Ihr Stehvermögen darunter leidet, will ich gerne glauben. Gewisse Leistungsschwächen sind im ganz alltäglichen Sexleben meist nur ein temporärer Betriebsunfall, den man gemeinsam weglachen kann. Aber daraus wird natürlich ein echtes Problem, wenn Ihre Frau schon während der Kopulation den Schwangerschaftstest griffbereit hält.

Was tun? Wenn Ihnen die Weitergabe Ihrer Gene nicht so wichtig und Ihre Frau relativ flexibel ist, können Sie sich vielleicht externe Hilfe holen in Form eines dauerwilligen Freundes. Dann müssen Sie einfach hoffen, dass die Beschäftigung mit dem Stellvertreter Ihrer Frau neben dem Samengewinn nicht auch noch Spass macht, ansonsten haben Sie statt einer grösseren Familie vielleicht plötzlich gar keine mehr. Ach ja, und bitte behalten Sie dieses Problem künftig für sich und sprechen Sie es auf gar keinen Fall in einer Männerrunde an. Denn wenn Sie dort erzählen, dass Sie darunter leiden, regelmässig und oft Sex zu haben, könnte das Ihre Position als echter Kerl am Stammtisch erheblich gefährden.