Weihnachtstraditionen neu gedacht

Mit dem Adventskranz sollte die Zeit bis Weihnachten schneller vergehen. Weihnachtsguetzli sollten Götter, milde Stimmen und Dämonen vertreiben. Geschenke sollten versichern, dass das alte Jahr einen harmonischen Abschluss findet. Viele Weihnachtstraditionen haben überraschende Ursprünge. Die FamilienSPICK-Redaktion hat einige genauer unter die Lupe genommen und mit familiengerechten Ideen aufgepeppt.

Die Weihnachtsbaum-Tradition stammt ursprünglich aus dem Elsass und den Gebieten auf der gegenüberliegenden Seite des Rheins, wie aus einem Fachbeitrag der eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft hervorgeht. Bereits im Mittelalter schmückten die Menschen zu bestimmten Anlässen ganze Bäume. Etwa zur Aufrichte, wenn die Fertigstellung eines Hauses Anlass zum Feiern gab. Ab dem 16. Jahrhundert berichten zahlreiche gesicherte Quellen von geschmückten Weihnachtsbäumen im Inneren des Hauses. Ab dem 17. Jahrhundert kamen die brennenden Kerzen dazu. Und Ende des 19. Jahrhunderts setzte sich der lichtergeschmückte Nadelbaum als zentrales Element der familiären Weihnachtsfeier durch. Zunächst in reformierten, später auch in katholischen Familien. Heute gehen in der Schweiz jährlich rund eine Million Weihnachtsbäume über den Ladentisch. Die Verkäufe generieren einen Umsatz von 40 bis 50 Millionen Franken. Jeder Weihnachtsbaum braucht einen Weihnachtsengel. Am besten einen einzigartigen, von Ihrem Kind designt. Auf einem weissen Stück Stoff lassen Sie Ihr Kind mit Textilstiften einen Engel malen. Anschliessend schneiden Sie diesen aus und scheren eine passende Rückseite, beispielsweise aus einem weihnächtlich gemusterten Stoff. Nähen Sie die beiden Teile auf links zusammen, bis auf eine kleine Aussparung. Wenden Sie nun die rechte Seite nach aussen und stopfen Sie den Engel mit etwas Watte aus. Nähen Sie den Engel ganz zu. Um ihn am Baum befestigen zu können, stricken oder häkeln Sie eine Schlaufe aus einfachen Maschen. Unser Bild zeigt übrigens zwei handgemachte Weihnachtsengel aus der viktorianischen Epoche. Ganz so exklusiv muss es bei Ihnen zu Hause ja nicht sein.

Schenken mal ganz anders

Weihnachtsgeschenke tauschen wir erst seit rund 200 Jahren aus, wie der Historiker Ronald Hutton von der Bristol University weiss. Die Wintersonnenwende feierten die Menschen jedoch bereits in der vorchristlichen Zeit. Sie beschenkten sich, um das alte Jahr glücklich abzuschliessen und das neue Jahr einzuläuten. Die Christen des 19. Jahrhunderts griffen diese Tradition auf und betteten sie in ihre Religion ein: Die Heiligen Drei Könige folgten dem Weihnachtsstern zum Geburtsort Jesu und huldigten ihm mit Gold, Weihrauch und Myrrhe. Somit sollten moderne Christen Weihnachten ebenfalls mit Geschenken feiern. «2 x Weihnachten» ist ein gemeinsames Engagement des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK), der Schweizerischen Post und der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG). Hauptziel ist, Geschenke für bedürftige Familien in der Schweiz und in Osteuropa zu sammeln. Um Ihrem Kind die Freude am Schenken näherzubringen, machen Sie gemeinsam eine Shopping-Tour. Lassen Sie Ihr Kind geeignete Artikel aussuchen und hübsch einpacken. Besonders erwünscht sind Artikel des täglichen Bedarfs wie nicht verderbliche Lebensmittel oder Schulmaterial. Die 20. Auflage von «2 x Weihnachten» findet vom 24. Dezember 2016 bis zum 7. Januar 2017 statt.

Adventskranz ohne Brandgefahr

Auch der Adventskranz ist eine junge Tradition. Der Erzieher und Theologe Johann Hinrich Wichern erfand ihn 1839, um den Kindern die Wartezeit bis zum Weihnachtsfest zu verkürzen. Allerdings trug Wicherns Kranz stolze 24 Kerzen. Rund hundert Jahre später war es vor allem die katholische Kirche, die die Beliebtheit der Adventskränze vorantrieb. Nach katholischem Brauch symbolisieren drei violette Kerzen und eine rosafarbene Kerze die Adventssonntage und den ersten Weihnachtstag. Heute sind jedoch ganz verschiedenartige Kränze mit Kerzen in allen Farben gang und gäbe. Dieses Jahr können Sie Ihr Haus mit zwei, drei oder sogar zehn Adventskränzen schmücken. Ganz ohne Brandgefahr. Dazu falten Sie eine A4-Seite in der Längsrichtung zusammen. Auf der gefalteten (geschlossenen) Seite des Papiers schneiden Sie nun mehrere rund 1 cm tiefe Ritzen, die senkrecht zum Falz verlaufen. Kleben Sie die beiden Längsseiten des Papiers mit Klebeband zusammen, sodass eine längliche Röhre entsteht. Wiederholen Sie das Ganze mit einer zweiten A4-Seite und verbinden Sie die beiden Röhren zu einem Ring. Schliesslich lassen Sie Ihr Kind die Akzente setzen: Schleifen, Tannzapfen, Weihnachtskugeln, Glitzer oder Kerzen aus Pappmaschee passen zum Papierkranz. Besonders hübsch und langlebig werden die Adventskränze mit grünem Bastelpapier. Ebenfalls hübsch und recht einfach umzusetzen ist die Papierkranz-Variante, die wir hier im Bild zeigen.

 

Redaktion: Tamara Johnson