Was wissen Sie über unsere Natur in der Stadt?

Nicht nur auf dem Land, auch in den Städten gibt es eine überraschende Vielzahl von Tieren und Pflanzenarten zu entdecken. Also: Runter vom Sofa, hinein in die urbane Natur! Übrigens: mit Kindern machen Beobachtungen und Entdeckungsreisen riesigen Spass. Danach können Sie mit den Fragen des Biologen Andreas Jaun* prüfen, wie viele Geheimnisse Sie schon gelüftet haben.

01. Weshalb ist in klassischen Ziergärten keine grosse Artenvielfalt zu erwarten?

02. Wo kann man die Kraft der Natur auch in einer Stadt besonders gut erkennen?

03. Für welche Art Lebensräume können Gebäude und Brücken Ersatzlebensräume darstellen?

04. Welche Besonderheiten zeichnen den Lebensraum Dach aus?

05. Welche Artengruppen besiedeln oft als Erste neu entstandene städtische Bauwerke?

06. Wieso sitzen Schmetterlinge manchmal mit ausgebreiteten und manchmal mit geschlossenen Flügeln auf einer Pflanze oder am Boden?

07. Wieso sollten Engerlinge im Kompost nicht bekämpft werden?

08. Wieso sind Wanderfalken in Städten meist gerne gesehen?

09. Wieso werden Wespen in der Regel erst im Verlaufe des Spätsommers lästig und nicht schon früher?

10. Weshalb können fremdländische Pflanzen für einheimische Arten problematisch werden?

11. Weshalb sind Blindschleichen in Gärten gerne gesehene Tiere?

12. Wieso jagen Fledermäuse manchmal gerne im Bereich von Strassenlampen?

13. Wieso können sich Spinnen in ihrem Fangnetz bewegen, ohne selber darin festzukleben?

14. Wieso sind Stadtfüchse oft sozialer als Landfüchse?

15. Wieso kann man von den tot oder verletzt gefundenen Vögeln an Gebäuden mit Glasscheiben nicht auf die tatsächliche Opferzahl schliessen?

16. Wie kann man den Wintergästen unter den Vögeln am besten helfen?

Antworten

01. Diese Gärten werden meistens intensiv gepflegt und beherbergen oft auch fremdländische Zierpflanzen. Die fehlenden Futterpflanzen, Verstecke und Überwinterungsstrukturen verhindern, dass einheimische Arten sich dort in grosser Zahl ansiedeln.

02. Spuren der Rückeroberungskraft kann man fast überall in der Stadt erkennen. Besonders deutlich zeigen sich diese aber im Bereich von Industriebranchen.

03. Städtische Gebäude und Brücken bestehen grossenteils aus mineralischen Baumaterialien (Beton, Steine) und sind daher oft geeignete Ersatzlebensräume für Felsenbewohner.

04. Auf den Dächern gibt es oft extreme Schwankungen bezüglich Temperatur und Feuchtigkeit. Diese abiotischen Faktoren schwanken sowohl im Jahresverlauf als auch im Tagesverlauf stark.

05. Algen, Flechten und Moose können je nach Art auch extreme und klimatisch wechselhafte Standorte besiedeln. Entsprechend oft zählen sie zu den Pionieren, wenn es um die Besiedlung von Bauwerken geht.

06. Schmetterlinge regulieren über ihre Flügel ihre Körpertemperatur. Mit ausgebreiteten Flügeln können sie über das Sonnenlicht zusätzlich Wärme tanken, mit geschlossenen Flügeln verhindern sie, dass sich ihre Körper weiter aufheizen.

07. Weil im Kompost unter anderem die Engerlinge der Rosenkäfer leben, die sich von verrottendem Pflanzenmaterial ernähren und dabei beim Abbau des Komposts helfen.

08. Wanderfalken sind auf die Jagd nach Vögeln spezialisiert und können daher helfen, die Stadttaubenbestände zu regulieren.

09. Weil der Aufbau des Wespenstaates im Frühling jeweils neu beginnt. Es dauert daher einige Zeit, bis der Wespenstaat wieder so gross ist, dass Wespen in so grosser Zahl auftreten, dass sie lästig werden.

10. Aufgrund der oftmals fehlenden natürlichen Gegenspieler können sich solche Arten unter Umständen sehr stark ausbreiten und einheimische Arten verdrängen.

11. Weil Blindschleichen gerne und oft Nacktschnecken fressen.

12. Das Licht von Strassenlampen lockt gerne Nachtfalter an, die dann in deren Lichtkegel kreisen. Da Fledermäuse gerne Nachtfalter jagen, können sie dort besonders einfach reichliche Beute machen.

13. Spinnen können sich in ihren Netzen bewegen, weil nicht alle Fäden klebrig sind. Spinnen vermeiden Berührungen mit den «gefährlichen» Fangfäden. Zudem sind sie vermutlich mit einer Art Antihaftmittel imprägniert.

14. Weil die Lebensbedingungen - insbesondere das Nahrungsangebot - in der Stadt oft sehr gut ist. Dies begünstigt das Leben in Familienverbänden.

15. Weil von den Kollisionsopfern viele durch städtische Fleischfresser gefressen werden, bevor wir sie zu sehen bekommen.

16. Die beste Hilfe bietet man den Vögeln durch einen möglichst naturnahen Garten, wo neben den Samenständen von verschiedenen Pflanzen auch viele verschiedene natürliche und möglichst katzensichere Ruheplätze vorhanden sind (z.B. in naturnahen Hecken).

«in der stadt», von Andreas Jaun, Haupt Verlag, Fr. 26.90 ISBN 078-3-258-077180-5

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*Andreas Jaun ist Biologe mit einem eigenen Büro in Spiez. Neben verschiedenen Projekten in den Bereichen Naturschutz, Artenförderung und Landschaftsplanung ist er auch in der Umweltbildung tätig. Er ist Autor des neuen Naturführers «In der Stadt», Teil der sechsbändigen Edition «Natur erleben - beobachten - verstehen». Das neuartige Konzept zeichnet sich durch eine multimediale Vernetzung von Büchern, Website und iPhone App aus. Auf der Seite www.naturerleben.net finden sich Tonspuren mit Geräuschen von Tieren, Kurzfilme und ein Fotoquiz, das der Vertiefung der Artenkenntnis hilft.

erstellt von Redaktion: Christina Bösiger