Haarsträubend: Cooler Style braucht keinen Pelz!

Ein Blick auf die Strasse und in die Modezeitschriften zeigt: Auch in diesem Winter tragen wieder viele Menschen Pelz. Doch ist Pelz wirklich so anziehend? Wenn man bedenkt, dass Echtpelz mit unsäglichem Tierleid erkauft wurde?

Das wichtigste gleich vorneweg: Es gibt keinen Pelz aus artgerechter Tierhaltung! Auch 2014 nicht! Leider hat sich bis heute am Tierleid nichts geändert, obwohl seit den 80er-Jahren weltweite Proteste gegen die Pelzproduktion stattfinden. Seit nunmehr 30 Jahren sind auch die Fakten bezüglich Haltung, Fang und Tötung von Pelztieren auf dem Tisch. Zwar hat der Pelzkonsum zwischenzeitlich Einbrüche erlitten, trotzdem setzt die Branche nach wie vor auf Qualprodukte - leider mehr denn je!

Accessoires als Wegbereiter
Durch die Hintertür ist Pelz wieder salonfähig geworden. Mit preiswerten Pelz-Accessoires, die das Portemonnaie nicht übermässig belasten. Nicht im exklusiven Pelzfachgeschäft, sondern im Warenhaus, nicht als bodenlanger Pelzmantel, sondern als modische Bordüre an der Kapuze der Winterjacke, an der Handtasche und am Winterstiefel. Verbrämungen haben den Weg geebnet für die Rückkehr der Pelzmode im grossen Stil. Pelz ist nicht mehr auf eine wohlhabende Schicht beschränkt, sondern in der ganzen Gesellschaft verbreitet. Die kleinteiligen Pelzdekorationen sind billiger zu produzieren als ganze Felle und verteuern die Winterjacke nur geringfügig.

In diesem Modesegment wird nicht nur den "klassischen" Pelztieren wie Nerz, Fuchs oder Chinchilla das Fell über die Ohren gezogen, hier werden auch Haustiere wie Katzen, Kaninchen oder Hunde zu Accessoires verarbeitet. Den Unterschied kann nur noch eine Fachperson mit speziellen Messgeräten feststellen.

Fantasienamen: täuschend echt
Im Warenhaus stammen viele Artikel aus Billiglohnländern wie China. Zweifelhafte, unvollständige oder falsche Beschriftungen wirken irreführend und täuschen die Konsumentinnen und Konsumenten. Fantasienamen wie Finnraccoon für Marderhund, Asiatischer Waschbär für Haushund oder Chinchilette für Kaninchen verschleiern, welche Tiere hier wirklich zu Modezwecken misshandelt und getötet wurden. Dies ist zwar seit dem 1. März 2013 in der Schweiz nicht mehr zulässig. Pelze und Pelzprodukte müssen eindeutig deklariert werden, wobei die Tierart, die Herkunft und die Art der Pelzgewinnung ersichtlich sein muss. Trotzdem müssen heute weit über 65 Millionen Pelztiere pro Jahr für die Mode ihr Leben lassen!

Es geht auch ohne

Viele Konsumentinnen und Konsumenten würden auf Tierfelle verzichten, wenn sie wüssten, dass Pelztiere "industriell produziert" werden und unendlich leiden, meilenweit entfernt von tiergerechten Anforderungen. Deshalb:

Informieren Sie sich genau bevor Sie kaufen! Lassen Sie sich nicht von zweifelhaften Labels verführen!

Labels könnten für verantwortungsbewusste KonsumentInnen eine echte Hilfe sein. Wie in anderen Bereichen auch, ist es oftmals schwierig, sich im Labeldschungel zurecht zu finden. Denn je nach Herkunft des Labels steht es tatsächlich für tiergerechte Produkte oder es ist ein trickreicher Schachzug zur Verschleierung der Produktionsmethoden. Wem das Tierwohl wirklich am Herzen liegt, dem bleibt letztlich nur die Lösung, pelzfrei einzukaufen.

Modebewusstes Einkaufen ist ein Vergnügen.
Wenn wir dabei verantwortungsvoll handeln! Verantwortung haben wir Konsumentinnen und Konsumenten nicht nur gegenüber den Menschen, die in Billiglohnländern Kleider und Accessoires unter prekären Arbeitsbedingungen anfertigen, sondern auch gegenüber den Tieren, die für unsere Modewünsche grausam leiden.

 So erkennen Sie echten Pelz:

  • Ziehen Sie die Oberhaare des Pelzes auseinander. Bei Echtpelz sieht man eine Unterwolle.
  • Bei Echtpelz haften die Haare auf echtem Leder.
  • Pusten Sie ganz fein über den Pelz. Bewegen sich alle Haare? Höchstwahrscheinlich ist das Echtpelz.

 
Das kann jeder tun:

  • Keine Kleidungsstücke oder Accessoires mit Pelz kaufen.
  • Wenn doch, nachfragen: Kunstpelz oder echt? Im Zweifelsfall auf das Kleidungsstück verzichten.
  • Mit Bekannten über die Pelzproblematik sprechen.
  • Schweizer Designer statt Billigimporte aus Asien berücksichtigen.
  • Den Tierschutz unterstützen, denn er kämpft gegen Tierquälerei.


Wir wehren uns

Seit Jahren kämpfen Tierschutzorganisationen gegen den Missbrauch von Tieren für Modeartikel. Ergreifen auch Sie Partei für all die Tiere, die industriell produziert werden und für Modeaccessoires ihr Leben lassen müssen. Wehren Sie sich gegen Designer ohne Respekt vor dem Leben. Und gratulieren Sie modebewussten Mitmenschen, die Geschmack beweisen und ohne Fell auskommen.

Bleiben Sie am Ball, denn mündige und gut informierte Konsumenten und Konsumentinnen sind das einzige wirksame Mittel gegen millionenfaches Tierleid zu Modezwecken. Pelztragen ist und bleibt (Ge)wissensfrage!

Vertiefte Informationen auf www.pelzinfo.ch. Hier kann sich jeder aufgrund der Fakten sein eigenes BIld davon machen, wie es in der "Pelzproduktion" zugeht.Top! - "Fur Free Fox" Die Fur free alliance - der auch der Schweizer Tierschutz angehört - hat ein Label entwickelt, das Kleiderläden, Modemarken und Boutiquen verwenden dürfen, wenn sie auf Echtpelz verzichten. Wo ein schlafendes Füchslein mit dem Schriftzug "Hier wird kein Tierpelz verkauft" am Eingang prangt, können Tierfreunde also sicher sein, mit ihrem Kauf nicht die Tierquälerei in der Pelzindustrie zu unterstützen. Bis jetzt stehen 14 Firmen auf der Liste, welche auf der Homepage des STS veröffentlicht ist und laufend aktualisiert wird. Dieses Label kann uneingeschränkt empfohlen werden.

erstellt von Bernhard Trachsel, wissenschaftlicher Mitarbeiter, Zürcher Tierschutz