Essen was der Umwelt schmeckt

Wussten Sie, dass unsere Ernährung für einen Drittel der Umweltbelastung verantwortlich ist? Das lässt sich mit dem ökologischen Fussabdruck berechnen. So, wie wir in der Schweiz wohnen, unterwegs sind und essen, reicht ein Planet schon lange nicht mehr.

Die Lösung ist eigentlich kinderleicht
Der junge Vater schiebt den Einkaufswagen geduldig durch die Gemüseabteilung. Kommt es da vor, dass sein 9-jähriger Sohn sich schon mal ein Rüebli schnappt und begeistert hineinbeisst? Oder beginnt das Gequengel «ich will dies, ich will das!» erst beim Schokoriegel-Gestell an der Kasse? Jens Müller aus Zürich, Vater von Istvan, 8, und Abel, 5, bestätigt, was zu befürchten war: «Wenns ums Essen geht, sind Pommes Chips und Süssigkeiten die absoluten Favoriten der beiden.» Ihre Lieblingsgerichte entsprechen den Erwartungen: Spaghetti, Omeletten, Pommes frites, Wienerli mit Ketchup. Punkt. Gemüse und Früchte bleiben auf der Strecke. Oder kommt es etwa vor, dass Ihre Tochter nach Gemüse-Lasagne mit Gurkensalat zum Znacht schreit? Macht man Kindern nicht mit Tiefkühlpizza eine viel grössere Freude? Oder mit einer Bratwurst? «Wir kaufen bewusst Bio-Produkte ein, viel Früchte und Gemüse», erläutert der 38-jährige Vater. Das ist zwar nicht das Lieblingsessen der Kinder, aber so ist die vierköpfige Familie auf dem besten Weg zum kleinen Fussabdruck.

Wir leben auf zu grossem Fuss
Der ökologische Fussabdruck zeigt uns, wie viele Ressourcen wir für Wohnen, Mobilität und Ernährung verbrauchen. In der Schweiz sind das 2,4 Mal so viele Ressourcen, wie die Erde uns langfristig bieten kann. Wir bräuchten also 2,4 Planeten, wenn alle so leben würden wie wir in der Schweiz. Das heisst: Unser Fussabdruck ist viel zu gross. Auf Dauer kann das nicht gut gehen. Wer sich einem nachhaltigen Lebensstil verschreibt und bei der Ernährung auf die Umwelt achtet, hilft mit, den Fussabdruck zu verkleinern. Sie kennen den ökologischen Fussabdruck Ihrer Familie nicht? Berechnen Sie ihn auf footprint.ch.

Zurück zum Sonntagsbraten
Fleisch sollte nicht auf dem täglichen Menüplan stehen und etwas Besonderes sein. Denn zwischen fleischhaltigen und vegetarischen Gerichten zeigt sich ein drastischer Unterschied, misst man den ökologischen Fussabdruck. Fleischkonsum hinterlässt einen deutlich grösseren Fussabdruck, weil die Tierhaltung das Klima belastet und viel Ackerfläche für die Futtermittelproduktion braucht. Wer nur drei Mal pro Woche Lammkotelett, Lasagne bolognese oder ein Schinkensandwich isst und dafür mehr Salat, Gemüse, Reis, Teigwaren und Früchte, verringert den zu grossen Ernährungs-Fussabdruck bereits um 20 Prozent. Und geniesst den Sonntagsbraten umso mehr.

Essen, was die Saison bietet
Weiss Ihr Kind, welche Vielfalt an Gemüsen die Natur für uns bereithält - zur gegebenen Zeit? Haben Sie auch schon im März Erdbeeren ins Einkaufskörbli gelegt? Vor lauter Ungeduld, dass der Sommer endlich kommen möge? Wer Geduld übt und wartet, bis uns die Sommersaison mit ihren Früchten und Gemüsen eindeckt, weiss, dass diese dann auch am besten schmecken. Und überdies viel umweltverträglicher sind. Weil eingeflogene oder in beheizten Treibhäusern erzeugte Früchte und Gemüse deutlich höhere Umweltbelastungen als hiesige Freilandprodukte verursachen. 

Erstaunliches - vergleichen Sie selbst:
Fleisch: Geschnetzeltes mit Rahmsauce, Rüebli und Rösti lässt sich unterschiedlich zubereiten - und hinterlässt deutlich unterschiedliche Fussabdrücke: Mit Kalbsgeschnetzeltem ist der Fussabdruck fast doppelt so gross wie mit Tofu!

Gemüse: Mit einer Gewächshausgurke aus Belgien, im Februar erstanden, kaufen Sie auch gleich 1,1 Liter Erdöl ein. Wer sich für die Freilandgurke aus der Schweiz entscheidet und bis Juni wartet, kauft lediglich 0,1 Liter Erdöl.

Das können Sie und Ihre Familie tun
Gutes auf den Teller bringen und gleichzeitig der Erde Gutes tun ist leicht gemacht

  • Nicht mehr als drei Mal Fleisch essen pro Woche und so den Fussabdruck um beachtliche 20 % verkleinern
  • Bio- und Saisonprodukte aus der Region einkaufen und eingeflogene Produkte und solche aus beheizten Gewächshäusern konsequent meiden
  • Nur Fisch geniessen, der mit dem Bio-Label oder dem Marine-Stewardship-Label (MSC) gekennzeichnet ist
  • Frischprodukte kaufen, Tiefkühlprodukte und Convenience-Food meiden
  • Fair-Trade-Produkte kaufen
  • Produkte mit viel Verpackung meiden
  • Zu Fuss oder mit dem Velo einkaufen
  • Nur so viel einkaufen, wie Sie und Ihre Familie auch essen

erstellt von Ines Florin