Bakterien lauern überall!

Mikroorganismen, egal ob ungefährlich oder rankheitserregend, begleiten uns durchs ganze Leben. Sie machen auch nicht vor der eigenen Wohnungstür Halt. Ein paar einfache Hygiene-Grundregeln helfen, ein ungesundes Wachstum von Keim- und Bakterienherden zu verhindern.

Auch regelmässiges Putzen kann nicht verhindern, dass sich gesundheitsschä-digende Mikroorganismen wie Salmonellen oder Bakterien in Küche, Bad oder Kühlschrank bilden können. Experten schätzen, dass 70 Prozent der Magen-Darm-Erkrankungen bedingt sind durch Hygieneprobleme - diese können also durchaus «hausgemacht» sein! Betroffen von den schädigenden Keimen sind vor allem Kinder, deren schwache Abwehrkräfte (noch) nicht ausreichen, um sich gegen die Keime zu schützen.

Bei der Hygiene geht es um gezielte Sauberkeit und nicht darum, alles absolut steril zu halten. Eine Ende Mai 2011 in der Schweiz durchgeführte Fallstudie zum Thema hat gezeigt: die Schweizerinnen und Schweizer sind auf einem relativ guten Wissensstand. Ziel der Studie war es, anhand von detaillierten Untersuchungen in acht Schweizer Haushalten* die Hygiene «Hot Spots» ausfindig zu machen. Insgesamt zehn Plätze innerhalb einer Wohnung wurden auf bakterielle Verunreinigung untersucht. «Zusammenfassend kann man sagen, dass es mit der Hygiene der Schweizer Bevölkerung ganz gut steht. Allerdings gibt es noch gewissen Aufholbedarf an einigen Stellen im Haushalt», berichtet Prof. Dr. med. Thomas Szucs, Facharzt für Prävention- und Gesundheitswesen, Leiter des Instituts für Pharmazeutische Medizin an der Universität Basel und Mitglied des Hygiene Councils, einem Zusammenschluss von Wissenschaftern aus dem Bereich Hygiene aus ganz Europa. Viele Oberflächen werden sehr häufig berührt, aber nur sehr selten gereinigt, sodass sich krankheitserregende Mikroorganismen dort ungestört vermehren können. Aber auch bei regelmässiger Reinigung mit gewöhnlichen Reinigungsmitteln können teilweise noch viele Mikroorganismen überleben und später Krankheiten übertragen. «Die gute Nachricht vorweg: Rund 68,8 Prozent aller untersuchten Oberflächen waren ausreichend gereinigt. Das heisst aber auch, dass 31,2 Prozent aller getesteten Oberflächen nicht hygienisch waren. Von diesen wurden 13,8 Prozent als schwer verunreinigt eingestuft. Problemkind ist hier vor allem der Spüllappen, der in 100 Prozent der Haushalte schwer verunreinigt war. Hier ist Vorsicht angebracht, ist doch gerade durch das Wischen mit dem Lappen an vielen verschiedenen Stellen Kreuzkontamination, also die direkte oder indirekte Übertragung von pathologenen Mikroorganismen, möglich», sagt Prof. Szucs.

Weitere Bakterienherde in der Wohnung
Gleich nach dem Spüllappen rangiert der Küchen-Wasserhahn, der in 87,5 Prozent der Fälle unzureichend gereinigt war. In der Küche finden sich noch weitere Bakterienherde: Das Schneidebrett war in 37,5 Prozent aller Fälle nicht ausreichend gereinigt. Auch bei 37,5 Prozent der Kühlschrank-Innenräume waren die Ergebnisse unbefriedigend bis mangelhaft. Bei beiden Hot Spots in der Küche besteht die Gefahr von Kreuzkontamination. «Die saubersten Stellen in den Haushalten waren in den Nasszellen zu finden. Überwiegend waren die Ergebnisse von Toilettensitz, Wasserhahn und Türfalle zufriedenstellend oder gar keimfrei», erklärt Prof. Szucs. 80 Prozent aller Ansteckungen passieren durch einfaches Berühren. Keime können sich speziell über häufig berührte Oberflächen, mit denen man oft in Kontakt kommt, leicht verbreiten. «Hände sind die Hauptverbreiter von Bakterien und anderen Keimen und können beispielsweise auch in Bus oder Tram, durch das Benutzen von Lichtschaltern oder Türklinken in öffentlichen Gebäuden an Mitmenschen weitergegeben werden», so Prof. Szucs. «Daher ist eine effektive Handhygiene besonders wichtig, um der Verbreitung von Infektionskrankheiten entgegenzuwirken.»

Hintergründe zur Studie
Für die Untersuchungen besuchte das Hygiene Council insgesamt acht Familien in der Schweiz. Alle Familien wurden im Vorfeld speziell geprüft und ausgewählt, um möglichst alle sozioökonomischen Hintergründe mit einzubeziehen. In jedem Haushalt wohnte mindestens ein Kind unter zehn Jahren. Den Studienteilnehmern wurde zwar ein «Check» angekündigt, aber nicht die detaillierten Orte, wo dieser Check durchgeführt werden sollte. Auch wenn die Studie nur in acht Haushalten durchgeführt wurde und somit keinen Anspruch auf Repräsentativität erhebt, gibt sie doch einen guten Einblick in die «Hygiene Hot Spots» von Schweizer Haushalten. Im Rahmen der Studie wurden folgende Orte auf Bakterien untersucht: der Küchen-Wasserhahn, das Schneidebrett in der Küche, der Küchen-Spüllappen, der Griff an der Kühlschranktür, das Kühlschrankfach, der Küchen-Lichtschalter, der Toiletten-Spülknopf, der Toiletten-Sitz, die Badezimmer-Türfalle und die Armaturen im Badezimmer.

Hygiene im Haushalt - die 10 wichtigsten Regeln

01. Hände richtig waschen: Also mit Wasser und Seife gründlich reinigen, nur saubere Handtücher verwenden, Waschtrog sauber halten und den Wasserhahn möglichst auch mit dem Handtuch schliessen

02. Nicht ins Gesicht fassen: Vermeiden Sie während der Küchenarbeit jeglichen Gesichtskontakt. Insbesondere im Nasenbereich besteht ein Kontaminationsrisiko (Staphylokokken)

03. Nicht husten und niesen

04. Möglichst wenig Handkontakte

05. Verletzungen behandeln! Bei kritischen Arbeiten allenfalls Handschuhe tragen

06. Rohes Fleisch, Geflügel und Eier nach dem Kauf sofort kühlen

07. Lebensmittel kühlen

08. Küchenutensilien sauber halten

09. Rüstbrettchen, Küchentücher und -schwämme regelmässig auswechseln

10. Kühlschrankttemperatur max. 5°C und Kühlschrank immer sauber halten!

erstellt von Christina Bösiger