Helden mit Batterien

Meine berufliche Situation erlaubt es mir, während einem Tag pro Woche vollumfänglich für meine Tochter da zu sein. Wobei das Wort «vollumfänglich» etwas gar hochgegriffen ist. Als selbständiger Unternehmer ist das Handy natürlich immer in Griffnähe und Mails werden regelmässig gecheckt. Gott behüte, dass man einen Kunden nicht sofort beliefern kann oder gar ein Auftrag flöten geht.

Der Wochentag mit der Tochter führt einem auch vor Augen, dass die Tätigkeit des Vaters wohl eine Einnahmequelle darstellt, jedoch weit davon entfernt ist, die Welt zu verändern. Man ist weder an der Entwicklung eines Wundermedikamentes beteiligt noch löst man als Diplomat irgendwelche Konflikte in Krisengebieten. Die «Auszeit« mit dem eigenen Kind zeig einem auf wunderbare Art und Weise, dass es sich lohnt, gewisse Pendenzen oder Arbeitsprobleme mit etwas Abstand zu betrachten. Man wird geerdet.

Gleichzeitig hebt man aber auch ab. Im positiven Sinne. Denn für die noch junge Tochter ist man sehr wohl die Person, die Brücken baut, Grenzen überwindet, Akzente setzt. Und zwar einfach indem man einem Bilderbuch mit den eigenen Erzählungen Leben einhaucht, ein Spielzeug repariert oder beim Ankleiden der Lieblingspuppe behilflich ist.

Hier kann es dann schon mal passieren, dass ein Kunde auf den Rückruf warten muss, weil man gerade beim kürzlich erhaltenden Kinderstaubsauger die Batterien auswechseln muss. Der Kunde wird’s verkraften. Für die Tochter hat ein Held die Welt verändert. 


erstellt von Marcel Baumgartner