Aktive Väter vor!

Die meisten Männer sehen sich heute nicht mehr einfach nur als Ernährer, sondern wollen teilhaben an der Kindererziehung - was in der Praxis leider nicht immer problemlos gelingt.

Ein Mann, der den Kinderwagen durchs Dorf schiebt, das Kleine professionell wickelt und ganz selbstverständlich mit dem Schoppen hantiert - noch vor 40 Jahren ein eher ungewohntes Bild. Im Vergleich zu früheren Generationen hat sich die Rolle der Väter in der Familie heute sichtlich gewandelt. Immer mehr Väter engagieren sich stärker in der Kindererziehung und wollen teilhaben an der Entwicklung der Kleinen. Die meisten jungen Mütter unterstützen diese Vorstellung nicht nur, sie erwarten von ihrem Partner, dass er sich aktiv an der Erziehung der Kinder beteiligt.
 
Traditionelle Rollenaufteilung
Paare haben es durchaus in der Hand, selber etwas zu ihrem Familienglück beizutragen. Der Grund für Krisen liegt nämlich meist darin, dass die jungen Eltern Schwierigkeiten haben, mit der neuen Lebenssituation zurechtzukommen: Die Frau sieht ihr Leben plötzlich auf Heim, Herd und Kind beschränkt, während der Mann die finanzielle Verantwortung für drei Personen übernehmen muss. Die meisten Paare schaffen es nämlich nicht, sich die Aufgaben partnerschaftlich zu teilen, wie das vor oder während der Schwangerschaft abgemacht worden ist - und das frustriert zusätzlich. Frauen erledigen den Haushalt alleine und kümmern sich praktisch rund um die Uhr um das Baby. Männer gehen ihrer Erwerbsarbeit nach und fühlen sich angesichts der Vertrautheit, die sich zwischen Mutter und Baby schnell einmal entwickelt, oft ausgeschlossen. Da kommt auf beiden Seiten Unzufriedenheit auf. Natürlich wäre es illusionär zu glauben, man könne die Arbeit im und ausser Haus zu hundert Prozent partnerschaftlich aufteilen. Weder gibt es genügend gutbezahlte Teilzeitstellen, noch ist die ausserhäusliche Kinderbetreuung befriedigend gelöst. So ist es häufig nicht vermeidbar, dass es wieder zur traditionellen Rollenaufteilung - Mami bei Kind und Herd, Papi im Büro - kommt und diese, zumindest über die ersten paar Monate oder Jahre, beibehalten wird.
 
Nur nicht resignieren!
Sollen Väter deshalb resignieren und sich mit ihrer Rolle als Ernährer begnügen? Nein, vielmehr sollen sie sich zumindest in ihrer Freizeit vermehrt mit dem Nachwuchs beschäftigen. Studien haben nämlich gezeigt, dass auch die Partnerschaft profitiert, wenn sich die Väter der Erziehung widmen. Mütter müssen allerdings auch bereit sein, den Vätern das Baby vorbehaltlos zu überlassen. Die meisten Papis sind nämlich durchaus in der Lage, sich verantwortungsvoll um das Kind zu kümmern. 
 
So klappt es mit der Vaterrolle

  • Machen Sie sich keine Illusionen:Was theoretisch funktioniert, ist in der Praxis oft schwer oder gar nicht umzusetzen. Wer also weniger erwartet, ist auch weniger enttäuscht, wenn es mit der partnerschaftlichen Aufteilung der Aufgaben nicht so richtig klappt.

     

     

  • Beteiligen Sie sich von Beginn weg an der Pflege des Babys. Stillen können Männer nicht, aber Bäuerchen machen kann das Kleine auch an der Schulter des Papis. Und Schlaflieder können auch Väter singen.

     

     

  • Übernehmen Sie Verantwortung: Viele junge Eltern teilen sich die Kinderbetreuung auf. Der eine macht die erste «Schicht» bis Mitternacht, der andere ist ab Mitternacht bis am Morgen fürs Trösten, Füttern, Wickeln etc. zuständig.

     

     

  • Planen Sie voraus: Einen «freien» Abend pro Woche für jeden - das hat sich bewährt. So hat auch der Vater das Baby mal für sich ganz allein - ganz ohne Mamis kritischem Blick.

     

     

  • Fremdbetreuung schafft Freiraum. Die Organisation derselben (Babysitter suchen etc.) kann auch von Männern übernommen werden.

     

     

  • Warten Sie als Vater nicht, bis das Kind gross genug zum Fussballspielen oder Radfahren ist. Auch mit kleineren Kindern kann man etwas unternehmen: Gehen Sie mit ihm ins Babyschwimmen oder nehmen Sie es im Kinderwagen mit zum Joggen.

erstellt von Marianne Siegenthaler