Food4family.ch

Aus einem persönliche Erlebnis heraus entschloss sich Katherine Berger Meili vor einigen Jahren, einen Online-Gastroführer unter dem Namen Food4family.ch zu kreieren, der auf die Bedürfnisse von Familien eingeht. Im Gespräch sagt die ausgebildete Psychologin, was sie damit erreichen möchte, nach welchen Kriterien sie Lokale beurteilt und woran es in vielen Restaurants beim Thema Kinder mangelt.

Katherine Berger Meili, vor welchem Hintergrund ist Food4family entstanden?
In welches Restaurant gehen wir zu dritt? Diese Frage tauchte auf, nachdem unsere Tochter vor zwölf Jahren zur Welt kam. Die Auswahlkriterien für ein Lokal hatten sich von einem Tag auf den anderen verändert. Waren früher Faktoren wie die Lage oder das Speiseangebot entscheidend, wollten wir als Eltern nun wissen, welche Gastrobetriebe Wickeltische anbieten, Breie wärmen und sich nicht an Kinderwagen stören. Das Ergebnis meiner Nachforschungen war damals ernüchternd. Ich fand keinen Führer mit Gastrotipps für Eltern, weder in Buchform noch im Internet. Auch andere Familien konnten nicht weiterhelfen und hätten sich Empfehlungen gewünscht. So entstand die Idee, mich auf die Suche nach familienfreundlichen Lokalen zu begeben. Da ich leidenschaftlich gerne Restaurants besuche und meine Familie auch gerne auswärts isst, kann ich dieses Projekt realisieren.

Welches Ziel verfolgen Sie mit dem Projekt, auch aus der Sicht der Besucher Ihrer Webseite?
In den vergangenen Jahren habe ich viele kinderfreundliche Betriebe kennengelernt, in denen Eltern mit ihren Sprösslingen willkommen sind. Ich habe die Webseite  Food4family.ch mit dem Ziel gestaltet, Erziehenden mit meinen Gastrotipps den Restaurantbesuch zu erleichtern. Mütter und Väter können sich detailliert über das Angebot in einer Gaststätte informieren und sich ein Lokal aussuchen, das ihren Bedürfnissen entspricht. Damit erhöht sich die Chance, dass der Restaurantbesuch zu einem gelungenen Erlebnis wird. Ausserdem ist es mir ein Anliegen, Wirte zu inspirieren. Möglicherweise entdeckt der eine oder andere Gastronom auf meinem Führer ein kinderfreundliches Angebot, mit dem er sein bestehendes Konzept ergänzen möchte. Mittlerweile biete ich Wirten auf meiner Website Gastro4kidzz.ch verschiedene Beratungspakete an, mit dem sie ihr Lokal kinderfreundlich gestalten können. Seit Herbst 2016 können sich Restaurants auch zertifizieren lassen.

Wie gehen Sie bei der Auswahl der Lokale und Hotels vor?
Ich besuche jedes Lokal oder Hotel persönlich und recherchiere vor Ort. Mein Markenzeichen sind ausführliche und detaillierte Informationen. Der Führer wird kontinuierlich mit neuen familienfreundlichen Betrieben ergänzt, ausserdem prüfe ich die Angaben regelmässig. Das langfristige Ziel ist eine Abdeckung der ganzen Schweiz. Zudem arbeite ich interaktiv, das heisst, ich nehme Anfragen, Kommentare, Anregungen oder Empfehlungen für kinderfreundliche Restaurants oder familienfreundliche Hotels gerne entgegen.

Und wie sehen die Kriterien aus, die Sie an ein Lokal stellen?
Um als Gastrotipp auf Food4family aufgenommen zu werden, muss ein Lokal folgende Minimalanforderungen erfüllen: Kinder sind willkommen; Kindersitze stehen zur Verfügung; mindestens eine Beschäftigungsmöglichkeit wie beispielsweise Tischsets, Malbücher oder Spielsachen am Tisch oder in unmittelbarer Nähe ist vorhanden; der Betrieb ist geeignet für Kinderwagen; es gibt eine Wickelmöglichkeit; Kindermenüs sind vorhanden; Schoppen und Breie können gewärmt werden.

Wann ist ganz allgemein formuliert für Sie ein Betrieb familienfreundlich beziehungsweise familiengerecht?
Wenn spürbar ist, dass man als Familie willkommen ist und die Servicemitarbeiter entsprechend instruiert sind und Kindern gegenüber freundlich sind. Ein leicht erhöhter Lärmpegel in der Gaststube wird toleriert und es wird den spezifischen Bedürfnissen von Familien mehrheitlich Rechnung getragen, dazu zählt auch eine flexible Haltung bei der Speisewahl. Also beispielsweise können Kinder sich eine Kinderpizza teilen, oder ein Kind möchte nur den Pizzaboden ohne Auflage, oder die Kinder wollen bei den Eltern mitessen (Räuberteller), oder es wird auf Wunsch Gemüse zum Menü serviert, oder Kinder dürfen aus verschiedenen Menüs eines zusammenstellen, das sie auch wirklich mögen.

Woran fehlt es den meisten Betrieben, die aus Ihrer Sicht die Voraussetzungen nicht erfüllen?
Es fehlt meiner Meinung nach am Wissen, dass es lohnenswert ist, das gastronomische Angebot auf Familien auszurichten. Wenn Familien sich in einem Restaurant wohlfühlen, kommen sie ziemlich sicher wieder. Die meisten Betriebe haben sich nie mit dem Thema «Kinder im Restaurant » befasst, das Thema Kinder scheint in der Wirtewelt nicht zu existieren. So wissen die Gastronomen gar nicht, wie ein kinderfreundliches Angebot aussehen sollte. Viele Wirte gestalten ihr Angebot erst dann kinderfreundlich, wenn sie selbst Eltern werden und sich ihre Kinder viel im Restaurant aufhalten. Sie merken dann, dass Familien kommen, wenn das Angebot stimmt und dadurch auch Mehreinnahmen generiert werden können. Ein weiterer Grund liegt sicherlich auch darin, dass viele vor allem städtische Betriebe Angst davor haben, dass Kinder andere Gäste stören könnten. Sie bieten ausser Kinderstühlen keine kinderfreundliche Infrastruktur, um Familien nicht in ihr Restaurant zu locken.

Bisher sind nur wenige Betriebe nach Ihren Massstäben zertifiziert. Hat das Gründe?
Tatsächlich kommen nicht alle auf meinem Gastroführer verzeichneten Betriebe für eine Zertifizierung in Frage, da die Kriterien strenger sind als die oben aufgeführten. Die erwähnten Zertifizierungs-Kriterien sind umfangreich. Ich biete die Zertifizierung erst seit rund einem Jahr an und habe sie noch nicht aktiv beworben und den Restaurants angeboten. Diejenigen, die bereits aufgeführt sind, sind von sich aus auf mich zugekommen.

Können Sie Tipps für Familien geben, die nicht gerne mit Kindern in Restaurants gehen, weil sie eben beispielsweise glauben, dort zu stören?
Für die Vorbereitung: Eltern können mit den Kindern im Voraus über den anstehenden Restaurantbesuch sprechen. Kinder sollen wissen, dass sie nicht herumrennen dürfen und eine Weile still sitzen müssen. Tischmanieren können auf eine spielerische Art zusammen mit der ganzen Familie besprochen werden. Eltern können mit den Kindern vorab die Speisewahl besprechen. Dies erspart böse Überraschungen und erhöht die Vorfreude. Ratsam ist es auch, eigene Beschäftigungssachen einpacken. Diese sind idealerweise abwechslungsreich, sodass sich die Kinder lange damit beschäftigen können. Aktivitäten, welche den Kindern nur während des Restaurantbesuchs zur Verfügung stehen, können die Kinder zusätzlich motivieren. Am besten vorab im Restaurant anrufen und nachfragen, welche Infrastruktur dieses für Familien bietet und allfällige spezielle Bedürfnisse anmelden. Wenn die Essensgewohnheiten dies erlauben, ist es sicherlich einfacher, nicht zu den Hauptessenszeiten auswärts zu essen. Während des Restaurantbesuchs: Kindermenüs wenn möglich vorab servieren lassen, das verkürzt die Wartezeit. Man kann auch ein eventuelles Dessert in Aussicht stellen. Sollte ein Kind nicht zu beruhigen sein, eine kurze Auszeit vor der Tür einschalten.

www.food4family.ch

erstellt von Stefan Millius