Hütte statt Hotel

Luxus-Hotel und Rundum-Bedienung? Nein danke. In einer Alphütte kann man sich mindestens ebenso gut erholen - und es wird einem ganz bestimmt nicht langweilig.

(Bild: momanuma)

Holz hacken, Wasser schleppen und den Herd einheizen - unter erholsamen Ferien stellt man sich gemeinhin etwas anderes vor. Wer aber ein paar Tage in einer Alphütte ganz ohne Komfort verbringt, der erlebt Ferien der besonderen Art. Und manch ein Skeptiker wird begeistert sein. Zugegeben: Auch ich wäre lieber ins 5-Sterne-Hotel mit TV, Bad und Balkon sowie grosszügiger Wellness-Anlage in die Frühlingsferien, ganz zu schweigen vom abendlichen 5-Gänger mit einem guten Tropfen. Aber ich liess mich überreden, und so verbrachten wir mit Kind und Kegel eine Woche Ferien auf einer einsamen Alp im Bündnerland in einer bescheidenen Hütte.

Zu Fuss zur Hütte

Schon die Anreise ist recht abenteuerlich, denn die asphaltierte Nebenstrasse wird bald einmal zum Schotterweg, und schliesslich geht es nur noch zu Fuss weiter. Nach einem flotten Marsch erreichen wir unser neues Zuhause auf Zeit - schweissgebadet, denn dass wir den ganzen Proviant sowie das Gepäck nicht mit dem Helikopter einfliegen lassen, versteht sich von selbst. Jedenfalls haben wir so warm bei unserer Ankunft, dass die fehlende Heizung im ersten Moment gar nicht auffällt. Und gegen den Durst gibt es ja Wasser, das allerdings aus dem Brunnen geholt werden muss. Für die warme Mahlzeit muss dann erst mal Holz gespalten werden, um den Herd einfeuern zu können. Und bei der Gelegenheit sollte man rechtzeitig daran denken, dass der Ofen einige Zeit braucht, um eine zweistöckige Holzhütte aufzuwärmen. Arbeit jedenfalls gibt es genug, und dass alle mit anpacken müssen, ist selbstverständlich. Ausser Lesen, Spielen und Stricken gibt es ohnehin keine Alternative, denn mangels Strom ist auch nichts mit Fernsehen oder Computer, und das Handy hat mancherorts sowieso keinen Empfang. Ganz abgesehen davon, dass man den leeren Akku nicht aufladen könnte.

Teamwork ist gefragt

Wider Erwarten klappt die Zusammenarbeit bei uns sehr gut, sobald jeder mal begriffen hat, dass in der Hütte nichts von selber geht. Jedenfalls helfen die sonst in Sachen Hausarbeit eher zurückhaltenden Kinder - wohl vom Hunger angetrieben - fleissig mit und so steht nach einigen Schwierigkeiten mit dem Holzherd doch eine recht anständige Mahlzeit auf dem Tisch. Und nach diesem ersten Tag sind alle so müde, dass gar niemand den Fernseher vermisst. Also ab ins Bett und schnell unter die Decke, denn oben in den Bergen ist es zu jeder Jahreszeit frisch, und eine Bodenheizung gibts in solchen Behausungen nicht. Dafür schläft man umso besser und wird für einmal nicht durch den Wecker, Flug- oder Strassenlärm geweckt, sondern durch die aufgehende Sonne - oder das Tropfen des Regens aufs Dach. Bei uns ist leider Letzteres der Fall, und die gute Laune scheint schon beim Frühstück zu kippen. Ich weiss nicht, obs daran liegt, dass man durch den Regen zum Plumpsklo laufen muss oder weil das Teewasser ewig nicht warm werden will. Der kluge Hüttenbewohner auf Zeit sorgt aber für solche Fälle vor: Ins Gepäck gehören ein paar Gesellschaftsspiele, im Minimum ein Päckchen Jasskarten. Schliesslich hat man jetzt endlich mal Zeit, den Kindern ungestört den Schieber beizubringen und diesen, solange es draussen nass und kalt ist, richtig intensiv zu üben.

Wenn das Murmeli grüsst

Glücklicherweise ändert sich aber gerade in den Bergen das Wetter schnell, und so klart es schon bald auf und man kann vom wettergegerbten Holzbänkli vor der Hütte aus die herrliche Aussicht ins Tal hinunter geniessen und sich dabei die Sonne auf den Bauch scheinen lassen. Zugegeben: Der Alltag lässt einen nicht so schnell los, und aus alter Gewohnheit hätte ich eigentlich gerne mal noch meine E-Mails gecheckt. Aber ohne Netz und Kabel geht nichts, also widmet man sich besser den existenziellen Dingen. Der Körperreinigung beispielsweise. Dusche ist keine vorhanden, geschweige denn eine Badewanne. Da ist Kreativität gefragt. Es gibt zwei Alternativen: Holz hacken, den Herd einheizen und Wasser anschleppen, um dieses aufzuheizen - oder sich splitterfasernackt an den Brunnen stellen und sich mit dem eiskalten Wasser waschen. Ich entscheide mich für die kalte Tour und glauben Sie mir, man fühlt sich danach einfach herrlich. Die Kinder tun es mir laut kreischend nach - aber wen stört denn hier oben Kinderlärm? Niemand, und das geniessen sie auch nach Kräften. Aber nicht lange, denn sie wollen unbedingt die Murmeli sehen oder zumindest pfeifen hören, die es hier oben geben soll. Und tatsächlich taucht bei Sonnenuntergang eines auf, schaut sich um und verschwindet wieder. Die Begeisterung der Kinder ist gross, und so gehört es fortan zum Abendritual, mucksmäuschenstill auf dem Bänklein zu höckeln und auf das Murmeli zu warten. Es hat uns den Gefallen getan und ist tatsächlich jeden Abend schnell aus seiner Höhle herausgekommen, hat sich umgeschaut und ist dann wieder verschwunden.

An wilden Wassern

Natürlich gehört es bei solchen Berghütten-Ferien dazu, dass man die Gegend erkundet. Das Gute ist, man braucht nicht stundenlang zu wandern, um die Zivilisation und all die anderen Ausflügler hinter sich zu lassen. Und man erspart sich das Gemecker der Kinder über den weiten Weg. So stehen wir innert nur gerade einer halben Stunde am Fuss des Wasserfalls, dessen Tosen wir in unserer Hütte nur ganz leise wahrnehmen. Hier aber schäumt das Wasser mit einem Riesenlärm durch den Felseinschnitt ins Tal. Die Luft ist mit feinem Wasserstaub durchtränkt, und die Sonne zaubert einen Regenbogen hinein. Wenige Meter davon entfernt lockt ein Felsbrocken zum Klettern. Schon machen sich die Kinder dran, diesen zu ersteigen - und dann passierts. Der Kleine rutscht ab und fällt herunter. Glücklicherweise bleibts bei lautem Geschrei und einer Schramme über dem Knie. Für solche Fälle sollte man unbedingt eine Reiseapotheke dabei haben.Der Weg zur Hütte; wer in einer Berg- oder Alphütte Ferien machen will, wird hier fündig:www.ferien-swiss.ch ist die Homepage der «Ferien im Grünen» GmbH in Walzenhauser AR. Sie vermittelt Häuser in der Schweiz, den umliegenden Ländern sowie Spanien und Irland, wobei es sich bei manchen Immobi-
lien um ganz normale Ferienhäuser handelt. Für Fr. 7.– plus Porto kann der Alp-See-Katalog über info@ferien-haeuser.ch bestellt werden. Für Fragen und Reservationen: 071 880 06 06.

www.ferienhaus-ferienwohnungen.ch:
Auch hier findet man einfache Alphütten zum Mieten.

            
www.huetten.com hat über 300 Hütten und Chalets in allen Kategorien, also von sehr einfach bis luxuriös. Preisbeispiel: Eine einfache Alphütte mit Plumpsklo und Wasser vom Brunnen mit 4 bis 5 Schlafplätzen kostet in der Hauptsaison rund Fr. 1000 pro Woche.

 Auch Ferienorte in der Bergen haben manchmal Alphütten, die sie an Feriengäste vermitteln. Und nicht zuletzt gibt es viele Privatpersonen, die über verschiedene Websites ihr Haus zur Vermietung anbieten.

erstellt von Marianne Siegenthaler