Ein Blick auf 84 Jahre «Zoo Zürich»

Über der Stadt Zürich erstreckt sich auf einer Fläche von rund 27 Hektar die wohl grösste und am meisten besuchte Kultur- und Weiterbildungsinstitution der Schweiz: der Zoo Zürich.

Bei seiner Eröffnung 1929 war der Zoo Zürich ein lebendiges Museum.

Bei seiner Eröffnung 1929 war der Zoo Zürich ein lebendiges Museum, das so viele exotische Tiere wie möglich zur Schau stellte, damit die Besucher sie aus möglichst grosser Nähe betrachten konnten. Heute verfolgt der moderne Zoo einen anderen Ansatz: Er will eine Beziehung zwischen Mensch und Tier schaffen. Das offizielle Motto lautet: "Wer Tiere kennt, wird Tiere schützen." Der Zoo will aber auch ein Zentrum für Naturschutz und Arterhaltung sein. Und er will informieren und weiterbilden. Damit aus dem blossen Jöh- Effekt ein Aha-Effekt wird.

Wo Visionen wachsen

Wenn er kein Museum ist: Wie kann ein Zoo eine Kulturinstitution sein? Indem er Visionen verfolgt und im weitesten Sinn gestaltend und pflegend in die Natur eingreift. Im Zoo Zürich geschieht das nach einem Masterplan und mit Schaufel und Bagger; Visionen werden Wirklichkeit und manifestieren sich in den verschiedenen Neugestaltungs- und Ausbauetappen, die 1995 mit dem Südamerikanischen Bergnebelwald für Brillen- und Nasenbären eingeläutet wurden. Weitere Highlights sind: das Himalaya-Hochgebirge für Schneeleoparden, Amurtiger und Mongolische Wölfe (2001), das Zoolino mit Streichelzoo (2002), der Masoala Regenwald (2003), der eurasische Trockenwald für Indische Löwen (2006), das afrikanische Hochgebirge für Dscheladas und Steinböcke. Zukünftige Meilensteine sind: die südamerikanische Sumpflandschaft Pantanal für Ameisenbären und Tapire (2012), der Elefantenpark Kaeng Krachan (2014).

In einem Tag um die ganze Welt

Reiste man früher in 80 Tagen um die Welt, reicht heute im Zoo Zürich ein Tag: Durch die Einteilung in Kontinentalregionen (von der Arktis über Südamerika, Afrika und Europa nach Zentral- und Ostasien) bildet der Zoo auf seinem Areal den Globus nach, auch topografisch: So befinden sich etwa die Himalaya-Anlage und die Andenregion zuoberst am Hang.

Modellhafter Masoala Regenwald

Als Naturschutzzentrum setzt der Zoo Schwerpunkte auf den Schutz der Ökosysteme und den Artenschutz. Er engagiert sich bei seinen Tierarten mit länger- oder kürzerfristigen Projekten immer auch für den Erhalt des ursprünglichen Lebensraums, etwa dem der Orang- Utans in Indonesien oder dem der Amurtiger in Ostsibirien. Als modellhaft gilt in der Fachwelt der Masoala Regenwald, eine einzigartige Zusammenarbeit mit dem Masoala Nationalpark zur Erhaltung der Biodiversität auf Madagaskar.

Weltweit vernetzt für den Arterhalt

Um die Arterhaltung zu fördern, arbeitet der Zoo in internationalen Zuchtprogrammen wie dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm EEP mit. Er führt unter anderm die Zuchtbücher für Kappengibbons und Galápagos-Riesenschildkröten. International vernetzt sich der Zoo durch seine Mitgliedschaft im Weltverband der Zoos WAZA, dem europäischen Pendant EAZA, dem VDZ Verband der Deutschen Zoodirektoren und der Zusammenarbeit mit der Wildlife Conservation Society WCS. Auf nationaler Ebene gehört er der zooschweiz (dem Verein wissenschaftlich geleiteter zoologischen Gärten der Schweiz) an und arbeitet eng mit der Universität Zürich zusammen.

Weiterbildung mit Ausstellungen und Tierpräsentationen

Auch wenn er kein Museum ist: Im Zoo sind regelmässig Ausstellungen zu wechselnden Naturschutzthemen sehen. Sie vermitteln kulturelle, geschichtliche und zoologische Hintergründe und laden an interaktiven Stationen zum Mitmachen ein. Mit den 2010 eingeführten kommentierten Tierpräsentationen sollen die Besucher mehr über die Tierarten, deren Bedrohung im Freiland und die Haltung im Zoo erfahren.

Vier Restaurants und zwei Shops runden den Zoobesuch ab

Den Wissensdurst und den Abenteuerhunger mag der Zoo stillen. Aber es muss auch kein Magen leer und keine Kehle trocken bleiben: In einem der vier Restaurants findet sich für jeden Geschmack etwas. Zwei Prozent des Umsatzes des Masoala Restaurants gehen an Projekte im Masoala Nationalpark. Sind die Kräfte zurückgekehrt, warten auf die Jüngsten (und die Junggebliebenen) noch das Zoolino und die diversen Spielplätze. Die beiden Zooshops schliesslich (Südamerika Shop und Masoala Shop) bieten schöne Souvenirs für Gross und Klein und runden das Freizeitvergnügen für die ganze Familie ab.

erstellt von MBA