Einzigartigkeit als Erfolgsrezept

In der Schweiz gibt es mehr als 273 500 Hotelbetten. Ob Gäste gerne im Hotel schlafen, hängt nicht zuletzt von der Einrichtung eines Zimmers und dem Bett selbst ab. Worauf Hoteliers bei der Einrichtung achten und welche Sonderwünsche sie erfüllen sollten, erzählt Felix Suhner, Schweizer Hotelier des Jahres, im Interview.

FamilienSPICK

Ein frisch bezogenes Bett. Weiche Kissen, weisse Laken. Ruhe, Entspannung, einfach nur sein – weit weg von daheim: In einem guten Hotel zu übernachten, ist etwas Schönes. In der Schweiz gibt es mehr als 5000 Hotelbetriebe. Das sind gemäss Statistik des Branchenverbandes hotelleriesuisse 1200 Betriebe weniger als noch 1995 – diese Zahl alleine ist aber noch kein Gradmesser für das Wohlergehen der Branche. Denn die Bettenzahl ist seit mehr als 20 Jahren stabil: In der Schweiz gibt es etwa 273 500 Hotelbetten. Dass Betriebe verschwunden sind, hängt mit dem Trend hin zu grösseren Betrieben mit mehr Betten zusammen. Hatte ein Hotel im Jahr 1995 noch 43 Betten im Schnitt, so waren es 2015 deren 54. Im langjährigen Vergleich übernachten auch immer mehr Gäste in Schweizer Hotelbetten. So verzeichneten die Schweizer Hotels im Jahr 2015 insgesamt 35,6 Millionen Logiernächte.

Mehr Gäste aus China

Fast die Hälfte der Hotelgäste in der Schweiz sind Schweizer. Die übrigen Gäste kommen immer weniger aus anderen europäischen Ländern, sondern vermehrt aus der Ferne: aus China, den Vereinigten Staaten, den Golfstaaten, Indien und Korea. Meistens übernachten sie nur eine oder einige wenige Nächte im selben Hotelbett. Einer, der sich in der Schweizer Hotelbranche besonders gut auskennt, ist Felix Suhner, aktueller Schweizer Hotelier des Jahres. Der Aargauer Unternehmer hat die «Balance Hotels» aufgebaut, eine Gruppe mit vier Hotels in der Schweiz. Begonnen hatte alles mit der «Seerose» am Hallwilersee, heute «Seerose Resort & Spa». Im Interview erklärt Felix Suhner, worauf ein Hotel schaut, damit Gäste gut schlafen können, was einen guten Spa-Bereich auszeichnet und welche absurden Wünsche Hoteliers erfüllen sollten.

Felix Suhner, was ist das Wichtigste bei der Einrichtung eines Hotelzimmers?

Es gibt Hotels, die schauen vor allem auf die Benutzerfreundlichkeit. Auch darauf, dass ein Zimmer gut zu reinigen ist. Bei den «Balance Hotels» ist uns am wichtigsten, dass wir Wohnlichkeit, eine super Atmosphäre und Einzigartigkeit bieten. Wir wollen, dass unsere Gäste in einem Zimmer erwachen, das nicht in New York, Tokio oder Zürich sein könnte. Uns ist bei der Einrichtung und Architektur wichtig, dass wir Zimmer bieten, die sich von anderen abheben. Die durch Einzigartigkeit bestechen und die Geschichte des Ortes aufnehmen. Bei den neuen Zimmern in der «Seerose» hat sich die Innenarchitektin von einem Bootshaus am Hallwilersee inspirieren lassen – so sind die Zimmer im Bootshaus-Stil gestaltet, elegant, brachial und asiatisch-puristisch zugleich. Und farbig, weil wir das Thema Thailand, das sich durchs ganze Haus zieht, ebenfalls einbringen wollten. Und so sind die Zimmer mit keinen anderen Hotelzimmern auf dieser Welt vergleichbar.

Worauf achten Sie bei der Auswahl der Betten und Kissen?

Bei uns ist speziell, dass die Produkte natürlich sind. Aus Baumwolle, nicht synthetisch. Unsere Betten sind von einem Schweizer Familienunternehmen hergestellt. Bei den Matratzen haben wir darauf geachtet, dass sie qualitativ sehr hochwertig, nicht zu hart und nicht zu weich sind.

Das ist relativ, jeder schläft auf einer anderen Matratze am Besten. Hatten Sie noch nie Beschwerden?

Nein, zum Glück noch nie. Für Gäste, die gerne ganz weich schlafen, bieten wir spezielle Auf lagen an. Und wir haben
natürlich eine Kissenauswahl – extraweiche, antiallergische oder mit Getreidefüllung. Insgesamt bieten wir zehn verschiedene Kissen an. Lustigerweise wird dieses Angebot gar nicht so oft genutzt. Es ist ein bisschen wie mit den vegetarischen Menüs. Es ist wichtig, dass man sie hat, bestellt werden sie aber nur von etwa fünf Prozent aller Gäste.

Sie achten in der Hotelküche also darauf, ausgewogene Speisen zuzubereiten?

Bei uns steckt die Balance ja bereits im Namen. In der «Seerose » haben wir drei Restaurants. Wir bieten einerseits gutbürgerliche Gerichte an: Zürigschnätzlets, Eglifilets, Pommes. Die gutbürgerlichen Menüs sind sehr beliebt bei den Gästen. Natürlich schauen wir bei der Zubereitung darauf, dass wir bei Saucen nicht gerade mit Doppelrahm arbeiten. Daneben bieten wir neuzeitliche Gerichte an, die ernährungswissenschaftlich als optimal bezeichnet werden. Und die Gerichte in unserem Thai-Restaurant sind per se schon leichter. Im neuesten Restaurant, im «Cocon», verbinden wir die Schweizer Küche mit der thailändischen.
Die Gäste haben in der «Seerose» also die Qual der Wahl.

Wie viele Gäste bedienen Sie im Gastrobereich an Spitzentagen?

An einem schönen Wochenende bewirten wir bis zu 1000 Gäste, dann sind bis zu 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Einsatz.

Nicht nur in der Gastronomie der «Seerose», auch im Spa-Bereich setzen Sie auf das Thema Thailand.

Wir sind das erste authentische Thai Spa in Europa. In dieser Nische haben wir uns positioniert und so bieten wir konsequent an, wofür wir stehen: Thailändische Behandlungen, ausgeführt von Thais. Besonders beliebt ist die Aromaöl- Massage, aber auch die klassische Thai-Massage. Auch die Innenarchitektur des Spa ist thailändisch gehalten.

Wie kommt das an?

Sehr gut. Es ist für uns fantastisch zu sehen, wie Gäste am Freitagnachmittag total gestresst ankommen, dann ins Spa gehen und um 21 Uhr im Restaurant schon völlig entspannt dasitzen. Das ist wirklich schön – für uns als Hotel wäre es natürlich besser, wenn sie nicht so schnell entspannen und so länger bleiben würden (lacht). Im Schnitt beträgt die Aufenthaltsdauer anderthalb Tage.

Zum Schluss: Gibt es Gäste mit ganz speziellen Wünschen?

Was in den Restaurants sehr gerne und zunehmend gefordert wird, ist, dass jeder individuell zahlen möchte. Das heisst, wir müssen teilweise für eine Gesellschaft 15 Rechnungen machen. Und kürzlich hat eine Frau angerufen und gesagt, sie hätte zur Hochzeit einen Übernachtungsgutschein bekommen. Nun lebe sie in Trennung und wolle auf keinen Fall, dass ihr Noch-Mann den Gutschein mit einer anderen Frau einlöse. Sie bat darum, dass wir den Gutschein in diesem Fall nicht annehmen sollten.

Weitere Informationen über die «Balance Hotels»
WWW.BALANCEHOTELS.CH