Raus aus der Streitfalle

Ohne Clinch gehts im Leben nicht. Man kann aber dafür sorgen, dass er nicht zum Dauerkrieg wird, der die Liebe killt. Beziehungsexperten liefern die nötigen Strategien.

Marc kommt von der Arbeit heim und ist geschafft. Anstatt eines freudigen «Hallo, wie war dein Tag» empfängt ihn Claudia mit vorwurfsvoller Leichenbittermiene: «Weisst du eigentlich, wie viele Mahngebühren wir sparen würden, wenn du die Rechnungen rechtzeitig bezahlen würdest?» «Wenn du meinst, ich sei unfähig, dann zahl die Rechnungen nächstes Mal doch selber», holt Marc zum Gegenschlag aus. Und schon stecken die beiden in einem Riesenkrach. Eine der grössten Herausforderungen in Beziehungen ist der Umgang mit Differenzen. Aus einem Wortwechsel entsteht null Komma plötzlich ein Streit, aus dem Streit ein Kampf. «Streiten ist unvermeidbar», sagt Klaus Heer, Paartherapeut aus Bern. «Der Paar- und Familienalltag ist manchmal so stressig, dass man aneinandergerät, auch wenn sich beide die allergrösste Mühe geben.» Er setzt allerdings auf eine einfache Spielregel: «Kein Streit ohne Nachspiel!» Wenn sich die emotionalen Staubwolken gelegt haben, zum Beispiel am nächsten Tag, soll man sich Zeit füreinander nehmen, am besten einen gemeinsamen Spaziergang machen und sich den Streit noch mal vorknöpfen, rät Klaus Heer. «Dabei erzählt der eine dem anderen, wie er die Hitze des Gefechts erlebt hat. Gemeinsam schaut man, worum es eigentlich ging und wie beide Anliegen unter einen Hut gebracht werden können.» Das Geheimrezept zur Vermeidung von Verletzungen ist liebevolle Kommunikation. Meistens sind es nämlich nicht die Meinungsverschiedenheiten, die weh tun, sondern die Art und Weise, wie sie ausgetragen werden. Wenn der Partner uns mit feindseligem Blick lauthals über den Mund fährt, erstarren wir zu Eis und uns vergeht jede Lust, ihm auch nur ein Stückchen entgegen zu kommen. Damit wir das können, ist nämlich eines nötig: das Gefühl, auch in diesem Moment respektiert und geliebt zu werden. Denn in einer Beziehung, in der man sich ständig gegenseitig anschnauzt, überlebt die Liebe nicht lange. Um es gar nicht so weit kommen zu lassen, halten sich beide am besten an eine Abmachung: Egal, wie grauenhaft der Tag war, egal, wie mies man gerade drauf ist, egal, wie vielen Idioten auf der Strasse der Ausweis entzogen werden müsste zum Menschen, den man liebt, darf man nicht gemein sein. Keine Schimpfnamen, keine hässlichen Worte, keine emotionale Erpressung. Auch nicht während eines Streits. Wenn sich einer nicht daran hält, darf ihn der andere nett und nicht herablassend! darauf aufmerksam machen.

Ohne Respekt für das Anderssein des anderen und ohne Selbstkritik geht es nicht.

  • Lassen Sie Fünf auch mal gerade sein. Man muss nicht alles ausdiskutieren. Mehr als die Hälfte aller Partnerkonflikte sind nachweislich unlösbar. Glückliche Paare können damit leben.
  • Einigen Sie sich auf ein Codewort. Wenn einer sich im Streit vergisst, sagt der andere nur dieses eine Wort und der andere weiss Bescheid.
  • Wenn Sie merken, dass Sie gleich nur noch Rot sehen, holen Sie ein paar Mal tief Atem und sagen Sie erst mal gar nichts. Vergessen Sie nicht, dass es gar nicht so sehr auf eine sorgfältige Wortwahl ankommt, sondern viel mehr aufs Gefühl, das hinter den Worten steht.
  • Erklären Sie den Kindern, dass es auch unter Erwachsenen mal Streit gibt. Zeigen Sie Ihren Sprösslingen aber, dass man sich versöhnen kann. Und wie mans macht.
  • Sollte er nach einem Krach doch tatsächlich mit einem Strauss ankommen, verziehen Sie nicht säuerlich Ihr Gesicht. Und sagen Sie auch nicht, dass Sie Astern hassen.



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erstellt von Monica Congiu