Liebe, Job, Familie - Was macht junge Menschen in der Schweiz wirklich glücklich?

Karrierefrau oder Hausmann - Welches Rollenverständnis haben moderne Frauen und Männer zwischen 18 und 39 in der Schweiz?

Dies hat nun eine repräsentative Studie der Online-Partnerbörse Parship.ch untersucht. Befragt wurden mehr als 400 Frauen und Männer aus der Schweiz. Das Ergebnis: Die Familie hat oberste Priorität für die meisten Schweizer, gefolgt von Partnerschaft und Karriere. Beruflicher Erfolg, Geld und Macht sind also Werte, die hinten anstehen, wenn Kinder im Spiel sind.

Frauen unter 40 wünschen sich im Leben Wärme und Geborgenheit
Fast die Hälfte der befragten Frauen streben in ihrem Leben danach, sich geborgen zu fühlen. Auch Ruhe, Gelassenheit und Ausgeglichenheit sehen 41 Prozent als wichtige Voraussetzungen an, um wirklich glücklich zu sein. Diesen traditionellen Werten stehen die Wünsche der Männer gegenüber. Wichtig sind für sie vor allem Unterhaltung, soziale Kontakte und Geselligkeit, gefolgt von Freiheit und Unabhängigkeit. Immerhin 31 Prozent der männlichen Befragten sehnen sich nach Sicherheit und Beständigkeit. Damit stehen sie nicht alleine da: Auch mehr als 30 Prozent der Frauen möchten beruflich und finanziell abgesichert sein.

Die Familie ist für Männer wie für Frauen wichtiger als der Job
Die Studie zeigt eines deutlich: Frauen und Männer unter 40 möchten Beruf und Familie vereinbaren. Dies wünschen sich 52 Prozent der männlichen und 62 Prozent der weiblichen Studienteilnehmer. Die Wenigsten würden für ihre Karriere andere Dinge hinten anstellen und nur ein Fünftel der Männer sagt aus, dass für sie der Job an erster Stelle steht.

11 Prozent der Frauen sind nur dann glücklich, wenn sie sich beruflich verwirklichen können – ein im Vergleich sehr geringer Anteil. Andererseits: Unwichtig finden junge Schweizer beruflichen Erfolg mehrheitlich nicht – nur 10 Prozent der Männer und 17 Prozent der Frauen sind dieser Meinung. Gut ausgebildete Frauen können sich nicht vorstellen, nur Hausfrau und Mutter zu sein und passionierte Hausmänner werden wohl auch in Zukunft eine Ausnahmeerscheinung bleiben. Obwohl 31 Prozent der Männer angibt sich vorstellen zu können bei den Kindern zu bleiben und den Haushalt zu schmeissen, nimmt aktuell gerade einmal 1 Prozent diese Rolle auch wirklich wahr.

Familienväter wünschen sich flexiblere und kürzere Arbeitszeiten
Die meisten Väter und Mütter wünschen sich, dass sie sich nicht mehr zwischen Beruf und Familie entscheiden müssen. Mehr als die Hälfte der Befragten glaubt ein erfülltes Leben zu haben, wenn die Möglichkeit besteht in Teilzeit zu arbeiten. Für 82 Prozent der Mütter ist das der ideale Kompromiss. Nur für 11 Prozent der Frauen mit einem oder mehr Kindern ist es erfüllend, Fulltime-Mama zu sein und keinem Job nachzugehen. Fast alle Mütter möchten einem Teilzeit-Job nachgehen oder zumindest einige Stunden wöchentlich auf geringfügiger Basis arbeiten.

Insgesamt sind Männer aber trotzdem noch eher geneigt, den Lebensunterhalt für die Familie zu sichern. Mehr als 40 Prozent glauben nur ein erfülltes Leben führen zu können, wenn sie 40 Stunden oder mehr pro Woche ihrem Job nachgehen. Karriere machen mit Teilzeitjob? Das scheint für viele Männer nach wie vor nicht realisierbar zu sein. Vielleicht liegt dies auch an der Personalpolitik vieler Unternehmen: Familienfreundlich Arbeitszeitmodelle für Mütter scheinen sich mehr durchzusetzen, die Väter haben in dieser Beziehung noch das Nachsehen.

Fazit: Frauen wie Männer möchten Beruf und Familie vereinbaren


Eine Infografik von PARSHIP.ch

Die Studie von Parship.ch zeigt, dass Väter heute mehr Wert darauf legen Zeit mit der Familie zu verbringen. Sie möchten ihre Kinder mehr als eine Stunde am Tag sehen um ihnen nach der Arbeit einen Gute-Nacht-Kuss zu geben. Die meisten wünschen sich daher einen Teilzeit-Job der es ihnen ermöglicht, am Familienleben teilzuhaben und die eigenen Kinder aufwachsen zu sehen. Frauen haben ähnliche Vorstellungen von einem perfekten Leben: Sie möchten nicht den ganzen Tag putzen, einkaufen und wickeln, sondern auch Geld verdienen und sich beruflich verwirklichen. Der Partner und die Familie stehen aber an erster Stelle – wenn es hart auf hart kommt, steht die Karriere hinten an. Was den Haushalt angeht, so scheinen Männer wie Frauen auf Arbeitsteilung zu setzen. Gleiches gilt für die Erziehungsverantwortung. Dahingehend hat sich das Rollenverständnis also in den letzten Jahren gewandelt. Männer möchten mehr am Familienleben teilhaben, Frauen reicht es nicht, nur für die Kinder da zu sein.

Grundsätzlich haben Frauen also ähnliche Vorstellungen von einem erfüllten Leben wie Männer. Problematisch ist möglicherweise die Tatsache, dass jüngere Männer nach wie vor mehr Wert auf Abwechslung, Freiheit und Unabhängigkeit legen. Wenn sie auf eine Partnerin treffen, die sich Nähe, Halt und Geborgenheit wünscht, sind Konflikte vorprogrammiert und können die Beziehung belasten. Vielleicht liegt es daran, dass fast die Hälfte der Frauen in der Schweiz nach mehr Ruhe und Gelassenheit strebt: Wer selbstbewusst ist, den eigenen Wert kennt und mitten im Leben steht, braucht nicht zwingend einen Mann an seiner Seite um glücklich zu sein. Und: Immerhin fast ein Drittel der weiblichen Studienteilnehmer teilt den Wunsch der Männer nach persönlicher Freiheit im Leben. Es müssen also nur die richtigen Charaktere aufeinandertreffen, damit eine Partnerschaft harmonisch verläuft und eine Zukunft hat. Sind erst einmal Kinder da, scheinen Paare ähnliche Prioritäten im Leben zu haben.

erstellt von Olaf Aperdannier